Panorama

Warum abrupter Handyentzug zu Aggression führen kann

„Dann kommt das Handy eben weg“: Auseinandersetzungen zum Thema Mediennutzung kennen viele Familien nur zu gut. Ein absolutes Verbot kann aber nach hinten losgehen, warnt ein Experte.

02.04.2026

Ein Handyverbot kann bei Kindern zu einem abrupten Abfall des Dopamin- und Adrenalinspiegels führen.picture alliance/dpa/dpa-tmn

Ein Handyverbot kann bei Kindern zu einem abrupten Abfall des Dopamin- und Adrenalinspiegels führen.picture alliance/dpa/dpa-tmn

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In endlosen Debatten über die Internet- und Handynutzung ihrer Kinder greifen Eltern manchmal zum letzten Mittel: Sie kappen das WLAN oder sperren das Smartphone weg. Ein solcher abrupter Entzug kann jedoch aggressives Verhalten auslösen, warnt Florian Buschmann, Experte für Medienkompetenz und Berater zum Thema Mediensucht.

Ein Entzug setze Kinder und Jugendliche unter Stress, erklärt Buschmann. Kurzvideo-Plattformen und Games arbeiteten häufig mit einem permanenten Reizfluss. Das Gehirn werde dadurch „kontinuierlich mit Dopamin und Adrenalin geflutet, das Nervensystem dauerhaft aktiviert“ und bekomme - gerade bei intensiver Mediennutzung - kaum mehr Gelegenheit, Reize zu verarbeiten, Spannungen abzubauen oder zur Ruhe zu kommen.

Internetentzug: Wut und Aggressionen als Stressreaktion

Wenn Eltern diese Anspannung durch einen Medienentzug oder Verbot digitaler Medien ganz plötzlich kappen, kommt es bei Kindern oder Jugendlichen zu einem abrupten Abfall des Dopamin- und Adrenalinspiegels. Mögliche Folgen: Gereiztheit, Wut oder sogar aggressive Ausbrüche. 

Eltern sollten diese Emotionen aber weder als Boshaftigkeit des Kindes noch als Erziehungsfehler deuten. „Es handelt sich schlicht um eine Stressreaktion eines überforderten Nervensystems“, so der Fachmann. Das aggressive Verhalten diene als Ventil für innere Anspannung und Erschöpfung. 

5 Tipps: Wie Eltern Mediennutzung sinnvoll begleiten können

Das zu erkennen, sei der erste Schritt, um aggressiven Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kindern vorzubeugen. Buschmann rät Eltern darüber hinaus folgende Punkte zu beachten: 

  • nicht nur die Dauer, sondern vor allem die Inhalte des Medienkonsums im Blick behalten 
  • smartphone-freie Zeiten und Orte gemeinsam festlegen 
  • bewusste Mediennutzung vorleben und Kinder dazu anhalten 
  • echte „Offline-Erholungsräume“ schaffen, etwa durch gemeinsame Aktivitäten 
  • Kinder emotional begleiten und die Beziehung stärken.