Panorama

WG-Suche in Studistädten: Hilfe, wie finde ich eine Bleibe?

Der Studienplatz ist da, das WG-Zimmer muss erst noch gefunden werden: In vielen Uni-Städten ist das eine echte Herausforderung. Wie man sie angehen kann - und was bei Zeitdruck hilft.

10.09.2026

Endlich etwas Passendes gefunden? In vielen Studistädten ist die Zusage für ein WG-Zimmer ein guter Grund für große Freude.picture alliance / Westend61

Endlich etwas Passendes gefunden? In vielen Studistädten ist die Zusage für ein WG-Zimmer ein guter Grund für große Freude.picture alliance / Westend61

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Berlin (dpa/tmn) - Teuer und in Studistädten oft knapp: Ein WG-Zimmer in Deutschland kostet im Schnitt 512 Euro warm im Monat. Zu diesem Ergebnis kam das Moses Mendelssohn Institut, das zuletzt 10.542 Angebote für das Sommersemester 2026 ausgewertet hat. 

„Die Wohnsituation für Studierende ist in den allermeisten deutschen Hochschulstädten äußerst angespannt, der finanzielle Druck durch die Mieten hoch“, sagt Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks. 

Wer sich Preise wie in München mit durchschnittlich 800 Euro sowie in Hamburg und Berlin mit jeweils etwa 650 Euro nicht leisten kann, kann zwar dorthin ausweichen, wo das Wohnen weniger kostet - nach Sachsen-Anhalt etwa (durchschnittlich 358 Euro) oder Sachsen (durchschnittlich 372 Euro). Aber das gilt vor allem in der Theorie: Der gewünschte Studiengang und der Studienplatz, den man bekommt, sind schließlich nicht immer an einem günstigen Ort.

Die meisten Studierenden wohnen an Hochschulstandorten, an denen die durchschnittliche WG-Miete über der derzeitigen Bafög-Wohnkostenpauschale von 380 Euro liegt. „Die Pauschale, die zum Sommer 2027 dann auf 440 Euro erhöht wird, liegt auch in dieser Höhe weit unter der durchschnittlichen Miete für ein WG-Zimmer auf dem freien Wohnungsmarkt“, sagt Anbuhl. 

Der frühe Vogel

Wie also kann man etwas Passendes für den eigenen Geldbeutel finden?

„Grundsätzlich gilt, dass so früh wie möglich mit der Suche nach einer Unterkunft begonnen werden sollte, also direkt nach der Studienplatzzusage“, sagt Anbuhl. Die erste Anlaufstelle können Studierendenwohnheime sein. Die sind vergleichsweise günstig, allerdings keine sichere Lösung. Das Kölner Studierendenwerk etwa bietet rund 5.000 Wohnheimplätze an. Jedoch erhält nur ein Drittel der Bewerberinnen und Bewerber ein Zimmer. Viele Studierendenwerke haben daher zusätzlich private Zimmerbörsen, Last-Minute-Angebote oder in Einzelfällen Notunterkünfte im Angebot.

Eine weitere Option: Auch Zwischenmietangebote anschauen, etwa für drei oder sechs Monate. Das kann den Druck schnell etwas zu finden nehmen, vor allem kurz vor dem Wintersemester, wenn besonders viele Studiengänge starten. „Im November und Dezember wird die WG-Suche oft etwas entspannter, weil die Nachfrage geringer ist“, sagt Rahel Schüssler, die sich als Referentin für Bafög und studentisches Wohnen beim Freien Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs) engagiert.

Und: Die großen Portale wie WG-Gesucht und Kleinanzeigen bleiben laut ihrer Erfahrung wichtig. Sie sind aber nicht der einzige Zugang zum Markt. Wer ausschließlich auf die neuesten Angebote reagiert, konkurriert mit sehr vielen Menschen.

Auf Kontakte setzen - und auf Social Media 

Zusätzliche Chancen bieten etwa Hochschulgruppen und Fachschaften: Manche Angebote erscheinen zunächst nur in Hochschulverteilern, auf digitalen Pinnwänden oder in geschlossenen Gruppen. Gerade bei Auslandssemestern, Praktika und kurzfristigen Studienortwechseln werden Zimmer direkt weitergegeben. Und auch Alumni- und Jahrgangsnetzwerke können hilfreich sein: Ehemalige Studierende vermieten etwa gelegentlich an Nachfolgende aus demselben Studiengang.

Soziale Netzwerke können ebenfalls helfen. „Einen Aufruf in der Instagram-Story zu posten, kann ein internes Schneeballsystem auslösen“, sagt Schüssler. Manchmal reicht schon ein Kontakt zu jemandem, der bereits am Studienort lebt und die Story teilen kann. Auch wer das WG-Zimmer wechselt, wegzieht oder privat eine Wohnung vermietet, nutzt manchmal Instagram, um ein Zimmer weiterzugeben. 

Hilfreich ist zudem, den Suchradius nicht nur nach Stadtteilen, sondern nach Fahrzeit zu definieren. Etwa nach Tür-zu-Tür-Zeit: Wie lange dauert der Weg zur Hochschule, und wie zuverlässig ist die Verbindung? So kann man das Angebot an WGs, die theoretisch infrage kommen, zumindest vergrößern.

Und auch an der eigenen Reaktion auf gut klingende Anzeigen kann man drehen: Bei stark nachgefragten Zimmern liest die WG schließlich oft dutzende Nachrichten. Eine austauschbare Selbstdarstellung wie „Ich bin offen, freundlich und zuverlässig“, bleibt da kaum hängen. Besser ist eine kurze persönliche Nachricht. „In der ersten Kontaktaufnahme sollte man etwas über sich selbst erzählen - zum Beispiel, was man gerne macht und wie man sich das Zusammenleben vorstellt“, rät Schüssler. Wichtig sei zu zeigen, dass man die Anzeige gelesen hat. Das könne man gut, indem man Anknüpfungspunkte aus dem Inserat sucht.

Nicht nur suchen, auch fragen

Beim Kennenlerntermin geht es dann nicht nur darum, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Nutzen Sie die Gelegenheit, die WG auf ihren möglichen Alltag hin zu prüfen. Fragen kann man: Wie oft wird gemeinsam gekocht oder gegessen? Wie werden Putzaufgaben verteilt? Oder: Wie lange wohnen die anderen schon hier?

Und auch die Finanzen gehören zum Casting. „Bei einer ungewöhnlich hohen Kaution oder Ablöse sollte man ehrlich nachfragen, wie sich die Summe zusammensetzt“, rät Schüssler. Transparent sein sollte außerdem, wer Hauptmieter ist und mit wem der Untermietvertrag geschlossen wird. „Studierende sollten sich den Mietvertrag zeigen lassen und genau klären, wie das Mietverhältnis geregelt ist.“

Wer dennoch kurz vor Semesterbeginn in Stress gerät, kann Freunde oder Familie in die Suche einbeziehen, zum Beispiel als zweite Person bei einer Besichtigung oder zum Gegenlesen des Vertrags, rät Schüssler. Manchmal lohnt sich das auch schon im Vorfeld. Etwa, wenn jemand vor der Besichtigung Geld für einen Schlüssel oder eine Reservierung verlangt, sagt sie. Verbraucherschutzstellen warnen vor angeblichen Vermietern im Ausland, unrealistisch günstigen Angeboten sowie eine Kommunikation ausschließlich per E-Mail und Vorabzahlungen. Bleiben Sie also selbst dann ein wenig vorsichtig bei der WG-Suche, wenn die Zeit drängt.

Rar und heiß begehrt: günstige WG-Zimmer in Städten wie Berlin, Hamburg, München und Co. picture alliance/dpa

Rar und heiß begehrt: günstige WG-Zimmer in Städten wie Berlin, Hamburg, München und Co. picture alliance/dpa

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Muss nicht unbedingt direkt neben der Uni liegen: Bei der WG-Suche kann es sich lohnen, den Suchradius etwas auszudehnen - vor allem, wenn die Anbindung stimmt.picture alliance/dpa

Muss nicht unbedingt direkt neben der Uni liegen: Bei der WG-Suche kann es sich lohnen, den Suchradius etwas auszudehnen - vor allem, wenn die Anbindung stimmt.picture alliance/dpa

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Eine oft günstigere Alternative zur WG: das Wohnheim für Studierende. Allerdings sind auch hier die Plätze selten reich gesät.Rolf Vennenbernd/dpa/dpa-tmn

Eine oft günstigere Alternative zur WG: das Wohnheim für Studierende. Allerdings sind auch hier die Plätze selten reich gesät.Rolf Vennenbernd/dpa/dpa-tmn

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