Vom „Lost Place“ zur Landesgartenschau - Neuss vor dem Start
In einem Monat beginnt die Landesgartenschau in Neuss. Das Gelände: eine ehemalige Pferderennbahn. Was wird in dem neuen Stadtpark geboten?
Es gibt auf dem Areal auch drei Abenteuerspielplätze Federico Gambarini/dpa
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Wo Rennpferde einst ihre Runden gedreht haben, ist ein Stadtpark entstanden. Einen Monat vor dem Start der Landesgartenschau in Neuss (16. April bis 11. Oktober) wird auf dem 38 Hektar großen Areal an vielen Stellen noch gegraben, gehämmert und geschraubt. Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) ist fest davon überzeugt, dass alles rechtzeitig fertig wird.
Ist die Rennbahn komplett verschwunden?
Der „Lost Place“ der stillgelegten und räumlich abgegrenzten Rennbahn ist nach seinen Worten zu einem Ort für Erholung, Freizeit, Kultur und Brauchtum geworden - „also bunte Mischung“. Bei der Umgestaltung blieben Konturen der Rennbahn erhalten. Das von weitem sichtbare Tribünengebäude etwa, das für Veranstaltungen und gastronomische Angebote zur Verfügung stehe.
Einige Spielgeräte verweisen auf die Historie des Areals, auf dem vorher eine Pferderennbahn war.Federico Gambarini/dpa
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Auch die umlaufende Sandbahn, auf der bis Ende 2019 Rennpferde unterwegs waren, ist als Trockenbiotop erhalten geblieben - als Reminiszenz an alte Zeiten. Ebenso wie die Flutlichtanlage drumherum, die auf LED- und Effektbeleuchtung umgestellt wird. Auf dem Areal sind unter anderem drei Abenteuerspielplätze entstanden. Dazu gehören zwei Reitpferde aus Plastik, auf die Kinder klettern können.
Welche Rolle spielen Blumen in dem Fall?
Auf über 20.000 Quadratmetern soll es blühen. Die meisten Blumen wachsen derzeit unter Glas und sollen direkt vor dem Start in die vielen Beete gepflanzt werden, wie die Verantwortlichen erklären. Zahlreiche Stauden stehen schon an Ort und Stelle. Rosen auf 1.000 Quadratmetern und Wiesensaat auf 13.000 Quadratmetern sollen ebenfalls zur blühenden Landschaft gehören.
„Wir erwarten mindestens 650.000 Besucherinnen und Besucher“, erklärt der Bürgermeister. Auch ein vielfältiges Programm mit über 1000 Veranstaltungen ist geplant. Das Gelände liege nur „einen Steinwurf von der City“ entfernt. Es sei so von dort zu Fuß erreichbar, habe auch eine eigene Straßenbahnhaltestelle, oder sei über 850 Parkplätze sowie einen Radschnellweg zu erreichen.
Was erhofft sich die Stadt?
„Wir erhoffen uns nicht nur sozusagen, dass man einmal Neuss kennenlernt, sondern, dass man es richtig kennenlernt mit seiner ganzen Vielfalt. Neuss ist eben mehr als Schützenfest“, sagt Breuer. Das Schützenfest-Brauchtum sei gleichwohl eng mit der 160.000 Einwohner zählende Stadt verbunden. Mit der Gartenschau werde das Image etwas moderner, innovativer ausgerichtet.
Am Ende der Landesgartenschau in Höxter 2023 hatte der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer einen Spaten bekommen. (Archivbild)Guido Kirchner/dpa
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Der neue „Stadtpark im Herzen der Stadt“ mit über 2.200 neu gepflanzten Bäumen sei ein nachhaltiges Projekt. „95 Prozent dessen, was dort gebaut wird, bleibt auch dauerhaft erhalten“, erläutert Breuer. Es würden am Ende der Landesgartenschau nur wenige Blumenbeete zurückgebaut. Etwa 25 Millionen Euro des 60-Millionen-Euro-Gesamtbudgets deckten Fördermittel ab.
Was kostet der Eintritt?
Die Tageskarte für Erwachsene kostet 20 Euro, ermäßigt unter anderem für Schüler, Studenten, Auszubildende, Sozialhilfeempfänger, Erwerbslose, Bürgergeldempfänger und Menschen mit Behinderungen ab 60 Prozent kostet die Tageskarte 10 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren fallen 5 Euro an. Es gibt auch Dauerkarten, die für Erwachsene 150,00 Euro kosten.
Jacques Tilly, Künstler und Wagenbauer für den Rosenmontagszug in Düsseldorf, hat das Maskottchen „Grünes Herz“ entworfen. (Archivbild)Oliver Berg/dpa
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Ist das Aus der Rennbahn ein Einzelfall?
Nur etwa 25 Kilometer entfernt in Mönchengladbach steht ebenfalls die Umgestaltung der Trabrennbahn an. Die Stadt als Besitzerin will das Gelände in direkter Nähe zum Flughafen Mönchengladbach zu einem Gewerbegebiet entwickeln. Durch eine Förderung des Landes werde dies möglich, heißt es. Ziel ist es, die 14 Hektar große Fläche bis 2029 zur Vermarktung vorzubereiten.
Der Geschäftsführer des Hauptverbandes für Traberzucht, Stefan Völl, sagt: „Bedauerlicherweise ist bei vielen Rennbahnen eine ungewisse Zukunft zu beklagen. Bedauerlicherweise sinkt folglich auch die Zahl der Rennpferde, Fahrer und Besitzer wie auch der Züchter.“ Betroffen seien nicht nur kleinere Bahnen.
Welche Rolle spielen Wetten?
Völl erklärt: „Die Finanzierung der Rennbahnen über die Rückerstattung der Trabrennwettsteuer reicht seit langen nicht mehr aus, da die Möglichkeit des Wettens nicht mehr nur auf Pferdewetten begrenzt ist“. Damit fließe Bahnen deutlich weniger Geld zu, um die Rennen durchzuführen. „Wir wünschen uns, dass wir eine ähnliche Unterstützung erfahren wie die Landesgartenschau.“
Das Logo der Landesgartenschau 2026 in Neuss ist farbenfroh. (Archivbild)Oliver Berg/dpa
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Neuss ist für die Spuren der Römerzeit bekannt. Ein nachgebauter Wachturm ist Teil des Unesco-Welterbes „Grenzen des Römischen Reichs - Niedergermanischer Limes“. (Archivbild) Roberto Pfeil/dpa
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Schützen in Uniformen marschieren beim Neusser Schützenfest, dem größten in Nordrhein-Westfalen. (Archivbild) David Young/dpa
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Ein Nachbau von Shakespeares Londoner Globe-Theater an der Rennbahn. Dort fand das Shakespeare-Festival statt. (Archivbild)Maja Hitij/dpa
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Ein Spielplatz soll an die Historie von Neuss als Römerstadt erinnern. Federico Gambarini/dpa
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