Panorama

Viel mehr Pflegeanträge in NRW - „Kraftakt für Angehörige“

Die Zahl der Pflegeanträge in NRW steigt rasant: Immer mehr Menschen kämpfen mit Altersschwäche, chronischen Leiden, Depressionen oder ADHS. Das ist nicht nur für die Betroffenen selbst eine Last.

15.05.2026

Immer mehr Pflegegutachten in NRW: Die Gesellschaft altert dramatisch. (Symbolbild)picture alliance/dpa

Immer mehr Pflegegutachten in NRW: Die Gesellschaft altert dramatisch. (Symbolbild)picture alliance/dpa

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Deutlich mehr Menschen haben in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren Leistungen aus der Pflegeversicherung beantragt. Zuwächse gab es bei Erwachsenen im Rheinland vor allem bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und Depressionen, bei Kindern und Jugendlichen legte unter anderem die Zahl der ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung)-Diagnosen zu. 

Das geht aus Bilanzen der Medizinischen Dienste Nordrhein und Westfalen-Lippe hervor. Verglichen wurden darin die Pflegebegutachtungen zwischen 2019 und 2025. „Die Gesellschaft altert dramatisch, und die Pflege von immer mehr Menschen ist ein Kraftakt, den vor allem die Angehörigen leisten“, sagte ein Sprecher des Medizinischen Dienstes Westfalen-Lippe.

ADHS, Depressionen und chronische Krankheiten im Alter

Die Zahl der Gutachten wuchs demnach von 2019 bis 2025 im Rheinland um mehr als 70 Prozent – von rund 266.000 auf über 456.000 im Jahr 2025. Beantragt wurde meist die Einstufung in einen Pflegegrad mit den entsprechenden Leistungen. In Westfalen-Lippe legte die Zahl der Pflegegutachten von rund 227.000 im Jahr 2019 auf 321.000 im vergangenen Jahr zu.

Die Zahl der Gutachten in ADHS-Fällen stieg nach den Zahlen aus dem Rheinland bei Grundschulkindern sprunghaft von rund 700 (2019) auf 3.900 (2025). Bei Erwachsenen im Rheinland sorgten Altersschwäche und oft mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig am häufigsten für Pflegebedürftigkeit. 

Depression als pflegebegründende Diagnose verfünffachte sich im Rheinland nahezu, von rund 2.500 Fällen im Jahr 2019 auf über 11.600 im Jahr 2025. Eine Auswertung nach Alter zeige dabei, dass bei vergleichsweise jüngeren Pflegebedürftigen ein besonders hoher Zuwachs zu verzeichnen sei, hieß es. Vielfach seien die Antragsteller zwischen 50 und 65 Jahre alt.

Bei Kindern und Jugendlichen stieg die Zahl der ADHS-Diagnosen sprunghaft. (Symbolbild)Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn

Bei Kindern und Jugendlichen stieg die Zahl der ADHS-Diagnosen sprunghaft. (Symbolbild)Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn

© Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn