Panorama

„Usedom-Krimi“ dreht sich um einen seltsamen „Doppelmord“

Drei neue TV-Fälle von der schönen Ostseeinsel stehen im Herbst im Ersten auf dem Programm. Los geht’s am Donnerstag mit einer Geschichte um Tod und Trauer, Freundschaft und Loyalität.

19.10.2026

Der neueste Fall der „Usedom-Krimis“ (Streamingstart am 19. Oktober) ist am Donnerstag im Ersten zu sehen. (Handout)Oliver Feist/ARD/dpa

Der neueste Fall der „Usedom-Krimis“ (Streamingstart am 19. Oktober) ist am Donnerstag im Ersten zu sehen. (Handout)Oliver Feist/ARD/dpa

© Oliver Feist/ARD/dpa

Das Leben fühlt sich manchmal beklemmend einsam an. So dürfte es auch der ehemaligen Staatsanwältin Karin Lossow (Katrin Sass) in ihrem hübsch restaurierten Stallgebäude auf der Ostseeinsel Usedom im neuesten Fall der „Usedom-Krimis“ (Streamingstart am 19. Oktober; lineare Ausstrahlung am 22. Oktober im Ersten) gerade gehen. Ihr Neffe und Nachbar, der Kriminalhauptkommissar Rainer Witt (Till Firit, „Führer und Verführer“), hat Urlaub und isst deshalb nicht bei ihr zu Abend. So betrachtet Lossow beim Schein einer Lampe alte Fotos von ihrer toten Tochter - und stapft schließlich mit Hund Lucky durch Nacht und Regen, um im Gasthaus mit Wirtin Rada (Annett Sawallisch, „Der Lehrer“) ein Glas Rotwein zu trinken und Erinnerungen auszutauschen.

Doch schon bei ihrer Rückkehr hält das Schicksal eine folgenschwere Überraschung für die Juristin parat, die einst wegen Mordes im Affekt am Vater ihrer Tochter acht Jahre im Gefängnis verbracht hat.

Menschliche Tiefenschichten

Vor ihrer Haustür wartet ihre ehemalige Zellengenossin Anja Wiesznewski (Schauspielstar Steffi Kühnert, „Mit Herz und Hilde“), die ihre 15 Jahre nun abgesessen hat. Verurteilt, ihren damaligen Mann umgebracht zu haben - in einem Indizienprozess ohne Leichenfund. Beide Frauen scheinen im Knast ein inniges Verhältnis gehabt zu haben - doch den Unschuldsbeteuerungen Wiesznewskis mochte Lossow damals nicht glauben. Ausgerechnet jetzt wird auf Usedom ein Mann getötet - wie sich herausstellt, Wiesznewskis Ehemann, der unter anderem Namen mit einer Frau auf der Insel gelebt hat.

So melancholisch umwölkt wie von den Ambivalenzen zwischenmenschlich-familiärer Beziehungen geprägt, wie man es von den beliebten, seit 2014 laufenden „Usedom-Krimis“ gewohnt ist, beginnt auch der 28. Fall „Doppelmord“ am Donnerstag (22. Oktober) um 20.15 Uhr im Ersten. Unter der Regie von Joana Vogdt („Ostsee für Sturköppe“) und nach dem Drehbuch von Natalie Zoghbi fesselt darin vor allem das differenzierte Zusammenspiel der großartigen, spürbar durch Lebenserfahrung bereicherten Schauspielerinnen Sass und Kühnert. Beide tanzen sogar leidenschaftlich miteinander. Die Geschichte ist die erste von drei neuen Krimis von der Ostseeinsel in diesem Herbst. Es folgen „Mörder unter uns“ (29. Oktober) sowie am 5. November die 30. und damit Geburtstags-Episode „Wunschkind“.

Das Gefühl, enttäuscht zu werden

Im kommenden Fall gerät Wiesznewski sofort unter den Verdacht der örtlichen Ermittler, zu denen auch Kriminalhauptkommissarin Ellen Norgaard (Rikke Lilloff) gehört. Das macht Lossow, die ihrer ehemaligen Mitgefangenen mehr und mehr Verständnis entgegenbringt, nicht mit. Die Ex-Staatsanwältin geht sogar auf Konfrontationskurs zur agilen Kommissarin, mit der sie längst auch befreundet ist. Sie dringt darauf, dass Norgaard sich nicht nur auf die geheimnisvolle Inselbesucherin fokussiert. Dabei gerät diese emotional unter Druck. Ihre Freundschaft zu Lossow wird auf die Probe gestellt, denn sie bekommt das Gefühl, enttäuscht oder im Stich gelassen zu werden.

Die Dänin Lylloff (48), die seit 2019 beim „Usedom-Krimi“ mit von der Ermittler-Partie ist, schätzt an der horizontal erzählten Filmreihe solche persönlichen Aspekte ganz besonders - und hält sie für gesellschaftlich relevant. „Ich finde es schön und gerade in unserer Zeit sehr wichtig, Freundschaften zu erzählen, die Konflikte überdauern“, erklärt die in Kopenhagen geborene Schauspielerin im Presseheft des Senders NDR, der die Krimis im Auftrag der ARD-Tochter Degeto produzieren ließ. Und fügt hinzu: „Allein die Tatsache, dass Karin und Ellen einander in ihrem Leben behalten, zeigt, dass sie bereit sind, sich immer wieder füreinander einzusetzen. Sie lernen ständig, die Unterschiede zu der jeweils anderen zu akzeptieren. Im Laufe der Jahre sind sie zu wichtigen Wegbegleiterinnen geworden – zu Menschen, die das Leben der anderen miterlebt und mitgetragen haben.“

Showdown auf der Zinnowitzer Seebrücke

Auch für sie persönlich seien tiefe Beziehungen von großer Bedeutung, erzählt die TV-Prominente. „Solche langjährigen Freundschaften geben mir Halt. Sie vermitteln mir ein Gefühl von Zugehörigkeit, das Bewusstsein, für andere wichtig zu sein, und die Geborgenheit und Liebe, die nur enge, über viele Jahre gewachsene Freundschaften schenken können. Es ist außerdem gut, Freundinnen und Freunde zu haben, mit denen man auch Konflikte austragen kann. Menschen, die einen herausfordern, die eigene Haltung und die eigenen Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen.“

Im Film will Lossow die Untersuchungsarbeit schließlich nicht der Kommissarin überlassen - und ermittelt wieder einmal auf eigene Faust. Denn etwa auch die letzte Lebensgefährtin (Sandrine Mittelstädt) des Ex-Ehemanns, der ein schwer verschuldeter Spieler war, macht einen verdächtig verschlossenen Eindruck. Und ein junges Aussteiger-Paar, das bald Eltern wird, wirkt aufgewühlt. Doch dann kommt alles ganz anders. Und das Ende gerät zum hochemotionalen Showdown auf der Zinnowitzer Seebrücke - hoch über dem tiefdunkel schimmernden Ostseewasser.