Unterwegs auf einem City-Bike der finnischen Marke Pelago
Fahrräder aus Finnland zählen am Markt zu den Exoten. Umso klassischer ist das Design der Räder der 2009 gegründeten Marke Pelago. Wir haben ein Stadt-E-Bike ausprobiert - dem aber etwas fehlt.
Elegantes, reduziertes Design: das Wellamo X30 vom finnischer Hersteller Pelago.Stefan Weißenborn/dpa-tmn
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Finnisches Design ist weltbekannt: Der oft kopierte dreibeinige Hocker Jakkara 60 von Alvar Aalto (1933) ist ein Begriff, genauso wie Eero Saarinens Tulpenstuhl (1955) oder die schweren Ultima Thule-Trinkgläser von Tapio Wirkkala (1968).
Finnisches Design steht für nüchternen Schick, für Alltagstauglichkeit. Manchmal schwingt Understatement mit. Aber Fahrräder aus Suomi? Sind hierzulande kaum bekannt, trotz durchaus traditionsreicher und stilbewusster Marken wie Helkama oder Tunturi.
Auch der 2009 in Helsinki gegründete Hersteller Pelago hat es unter den hunderten in Deutschland vertriebenen Fahrradmarken kaum zu höherem Bekanntheitsgrad gebracht. Aber klassischen Schick kann man ihm nicht in Abrede stellen, wie das ausprobierte Testrad Wellamo X30, ein City-E-Bike, und auch andere Modelle des Herstellers schon mit ihrer feingliedrigen Silhouette zeigen.
Klassischer Schick am elektrischen Stadtrad
Mit „Designed und made in Finland“ wirbt das Unternehmen. Und was macht das Pelago Wellamo X30 als Stadtrad für eine Figur? Leicht immerhin ist es, wie schon der Blick auf das Datenblatt verrät.
- Der Einsatzzweck: Das Modell zielt auf ein großes Publikum. Im Rahmendesign mit nach unten geschwungenem Oberrohr von einem klassischen Damenrad inspiriert, wird es als Citybike annonciert. E-Stadträder führt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) in seiner aktuellen Verkaufsstatistik für das Jahr 2025 nach motorisierten Mountainbikes und Trekkingrädern als drittstärkstes Segment.
„Das Wellamo ist als vielseitiges Alltagsrad für die Stadt konzipiert - komfortabel und unkompliziert für den täglichen Weg zur Arbeit, Einkäufe und andere Alltagsfahrten“, sagt Bregan Koenigseker von Pelago Germany.
- Die Technik: Understatement lässt sich auch dem Wellamo attestieren, zumindest in dem Sinne, dass es sich nicht sofort ganz preisgibt. Denn dass es sich um ein Pedelec mit Motor und Batterie handelt, sieht man dem Bike aus der finnischen Hauptstadt kaum an. Alles andere als augenfällig sind der Motor in der Hinterradnabe (44 Newtonmeter) vom Zulieferer Mahle und der im Unterrohr versteckte Akku.
Allenfalls derjenige, der weiß, dass der Fahrradrahmen aus Stahl gefertigt ist und damit in der Regel dünne Rohrdurchmesser einhergehen, mag angesichts der beleibteren Konstruktion Überlegungen anstellen.
Interessanter Fakt: „Made in Finland“ bezieht sich auf die Endmontage - der Rahmen kommt aus Taiwan, und bei vielen Komponenten ist die Herkunft aus Fernost ohnehin offensichtlich.
Die Stufen der Tretunterstützung lassen sich über einen ins Oberrohr integrierten Taster durchlaufend wechseln. Eine variable LED-Leiste zeigt die aktive Stufe farblich und den Akkustand in leuchtender Länge grob an.
In puncto Technik herrscht ansonsten eine gewisse Normalität: Die Scheibenbremsen mit 160-Millimeter Discs und das Schaltwerk der Zehn-Gang-Kettenschaltung entstammen der eigentlich für Mittelklasse-Mountainbikes entworfenen Deore-Gruppe von Shimano.
Kassette und Kette zählen zu den auf E-Bikes zugeschnittenen Linkglide-Komponenten des japanischen Zulieferers; sie sollen dem bei Pedelecs an den Antriebskomponenten auftretenden höheren Verschleiß durch robustere Machart entgegentreten.
Bei Heckmotoren, die direkt am Antriebsrad sitzen, ist das Verschleißproblem aber kleiner als bei Mittelmotoren, die ihre Kraft über Kette und Ritzel erst aufs Laufrad übertragen. Insofern ist das finnische Bike hier gut gerüstet.
Der Vollständigkeit halber sei gesagt: Gabel und Vorbau sind aus Alu, das verschafft kleine Gewichtsvorteile, die helfen, die Gesamtmasse des Modells unter die Schallmauer von 20 Kilo zu drücken, genauer 19 Kilo. Das ist ein für E-Bikes guter Wert, wenngleich die Antriebsbatterie mit eher geringen 250 Wattstunden (Wh) vergleichsweise leicht ist.
- Der Fahreindruck: Der Vorteil des geringen Gewichts in Verbindung mit dem Heckmotor bestehe darin, sagt Bregan Koenigseker bei der Übergabe des Testrades: „Es fährt sich wie ein normales Rad - auch wenn der Motor ab 25 km/h nicht mehr mithilft.“ Bei Pedelecs ist es oft ein Phänomen, dass man ab dem Ende der erlaubten Tretunterstützung bis 25 km/h gegen die berüchtigte Wand fährt, die aussetzende Motorkraft den Fahrer fühlen lässt, urplötzlich gegen hohe Widerstände antreten zu müssen, um schneller zu sein.
Beim Wellamo ist dieser Effekt tatsächlich weniger ausgeprägt. Was allerdings nur teilweise am Gewichtsvorteil liegt, sondern vor allem daran, dass Mahles X30-Motor einen Freilauf besitzt, der den Motor entkoppelt, wenn man ohne Unterstützung fährt oder der Akku leer ist. Bei Mittelmotoren ist das in der Regel anders.
Geht es nüchtern um die Mithilfe des Motors, so spricht der Hersteller von einer Reichweite bei vollem Akku von bis zu 90 Kilometer. Wir hatten um die 80 Kilometer laut Mahle-App nach einmal Vollladen „im Tank“.
Was man dabei wissen muss: Der Akku kann zu Wartungszwecken entnommen werden, aber nicht zum alltäglichen Laden. Das Bike muss also zur Steckdose, nicht nur der Stromspeicher - ein Minuspunkt im Hinblick auf Alltagstauglichkeit.
Heckmotoren haben oft, so auch der integrierte von Mahle, weitere Eigenheiten: Weil anders als bei Mittelmotoren ein Drehmomentsensor fehlt, dosiert der Motor seine Kraft nicht danach, wie kräftig man in die Pedale tritt. So genügt es in manchen Fahrsituationen, die Kurbel ohne viel Kraft mitdrehen zu lassen, und schon hilft der Motor spürbar mit. Das Ergebnis: das von manchem Radler so ungeliebt unnatürliche Fahr- und Schubgefühl.
Ob man das mag, ist Geschmacksache - passt aber zur aufrechten gemütlichen Sitzposition, die nicht nach ambitioniertem Sport verlangt.
- Weitere Bauteile, Zubehör, Peripherie: Weiterer Einschnitt bei der Alltagstauglichkeit: Dem Wellamo fehlt standardmäßig ein Gepäckträger - wohl als Tribut an den Gesamt-Look, dem die breiten Alu-Schutzbleche ein gestalterisches i-Tüpfelchen aufsetzen.
Wer keinen Rucksack aufsetzen und damit schweißnasse Flecken am Rücken bei längeren Fahrten vermeiden möchte, kann das Gestänge aber nachrüsten. Entsprechende Aufnahmen für Gepäckträger am Rahmen sind vorhanden.
Für - wenn auch geringe - Lasten vor dem Lenker hat Pelago selbst Lösungen im Webshop. Ein schicker Edelstahlkorb wie am Testrad kostet 89 Euro Aufpreis, wirkt aber nicht sehr robust und verträgt laut Einprägung auch nur fünf Kilo.
Während Pelago im Fahrwasser des Modells noch Ledersättel, Taschen und Schlösser zu vermarkten sucht, zielt die kostenfrei downloadbare Mahle-App ins technische Herz. Man kann das Bike auch ganz ohne fahren - aber das Programm zeigt Restreichweiten in Kilometern, Akku-Stände in Prozent und diverse Statistiken an, erlaubt es, die Motorunterstützung der einzelnen Stufen anzupassen. Auch kann man Routen aufzeichnen und bei Strava hochladen oder welche von dort zum Nachfahren beziehen.
- Der Preis: Für 3.499 Euro kann man das Wellamo XC30 auf der Pelago-Website bestellen, zuzüglich knapp 50 Euro Versand. Es gibt aber auch ein Händlernetz, wenn auch mit weißen Flecken auf Landkarte. Die beiden Rahmengrößen decken Körpergrößen von 1,55 Meter bis 1,85 Meter ab.
- Das Fazit: Gemessen am Durchschnittspreis für E-Bikes in Deutschland im Jahr 2025 von 2.550 Euro ist das Wellamo kein Schnäppchen, aber es ist schick, qualitativ bestückt, ist robust und für ein E-Bike handlich auch jenseits aller Wattstunden. Bei der Alltagstauglichkeit gibt es aber auch Abstriche - siehe Akku, siehe Gepäckträger.
Oh, das ist aber ein altes Logo, oder? Vom Stil her ja, aber tatsächlich gegründet wurde Pelago im Jahr 2009.Stefan Weißenborn/dpa-tmn
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Zählt zur Sonderausstattung: ein Ledersattel von Brooks.Stefan Weißenborn/dpa-tmn
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Hier geht’s lang: Über diese Buchse wird der Akku geladen, das dauert bis zu drei Stunden.Stefan Weißenborn/dpa-tmn
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Bewährtes Bauteil: Das Schaltwerk der Zehn-Gang-Kettenschaltung kommt von der Shimano-Gruppe Deore. Stefan Weißenborn/dpa-tmn
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Apart: Ist das Körbchen an Bord, wandert die Frontbeleuchtung von Busch & Müller an die Seite.Stefan Weißenborn/dpa-tmn
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Nicht ganz unbeteiligt am Look: die breiten Schutzbleche aus Alu.Stefan Weißenborn/dpa-tmn
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Auf Zahlen und Komma genau: Erst über die App lassen sich Restreichweite oder Akkustand numerisch anzeigen. Über ein Lenkerdisplay verfügt das Bike nicht.Stefan Weißenborn/dpa-tmn
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Heckmotor: Die in der Nabe des Hinterrads unauffällig integrierte Maschine steuert der Hersteller Mahle bei.Stefan Weißenborn/dpa-tmn
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