Panorama

Umfrage: Eltern setzen bei Wertevermittlung auch auf KI

Das lässt aufhorchen: Viele meinen laut Befragung, KI könne Kindern besser Moral und Empathie vermitteln als Eltern und Freunde. Übernimmt Künstliche Intelligenz die Werte-Erziehung beim Nachwuchs?

09.06.2026

Laut Erhebung fragen viele Eltern in Erziehungsangelegenheiten die KI. (Symbolbild)Guido Kirchner/dpa/dpa-tmn

Laut Erhebung fragen viele Eltern in Erziehungsangelegenheiten die KI. (Symbolbild)Guido Kirchner/dpa/dpa-tmn

© Guido Kirchner/dpa/dpa-tmn

Viele Eltern glauben einer Umfrage zufolge, dass Künstliche Intelligenz Kindern besser soziale Werte wie Mitgefühl vermitteln kann als es Eltern oder Freunde vermögen. Das geht aus der Studie „KI-Nutzung im privaten Alltag 2026“ der Krankenkasse Pronova BKK hervor. Bundesweit waren 3.485 Erwachsene online repräsentativ befragt worden, darunter 2.005 Mütter und Väter mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren. 

Demnach stimmten 41 Prozent der Eltern „voll und ganz“ oder „eher“ der Aussage zu: „Moral und soziale Werte wie Respekt, Fairness oder Empathie können den Kindern in vielen Fällen besser durch eine KI als durch Eltern oder Freunde vermittelt werden.“ Zum Vergleich: Unter den Befragten ohne Minderjährige im Haushalt fanden diese These „nur“ 27 Prozent zutreffend. 

Psychologin sieht Verunsicherung und Überforderung 

„Die Einschätzung, Werte könnten durch KI vermittelt werden, sagt weniger etwas über die tatsächlichen Fähigkeiten der Technologie aus, sondern vielmehr über das Selbstbild und die Verunsicherung vieler Eltern in ihrer Rolle“, betonte die Familienpsychologin der Krankenkasse, Nina Grimm, laut Mitteilung. Überforderte oder zu selbstkritische Väter und Mütter übertragen nach ihrer Einschätzung Verantwortung auf die KI, denn: „Viele Eltern sind nicht mehr selbstsicher und souverän, sondern unsicher, zweifelnd und überlastet.“ 

Die Psychologin stellte klar: „Wirkliche soziale Kompetenzen können nur im menschlichen Miteinander erlernt werden.“ Dazu gehöre auch Konflikt. Eltern seien emotional und nicht fehlerfrei - und „genau hierin liegt Lern- und Wachstumspotenzial für alle Beteiligten“. Programme wie ChatGPT könnten Moral oder soziale Fähigkeiten erklären, aber nicht vorleben oder empfinden. 

Untersuchung: Viele Eltern vertrauen Erziehungstipps der KI 

KI werde häufig im Erziehungsalltag eingesetzt: Konkrete Fragen zum Thema Erziehung haben 58 Prozent der Eltern einer KI bereits gestellt, besonders häufig diejenigen mit kleinen Kindern unter sechs Jahren. Diesen Auskünften folgen mache Eltern laut Krankenkasse „fast blind“: Nur 36 Prozent gaben an, die KI-generierten Antworten „immer“ nachzuprüfen. „Ausgerechnet diejenigen, die in ihrem Alltag viel mit Kindern zu tun haben, erwarten moralische Erziehungsarbeit von der Technologie“, bilanziert die Analyse. 

Eine Studie untersucht den Einzug von KI im privaten Alltag auch mit Blick auf Erziehungsfragen. (Archivbild)Annette Riedl/dpa/dpa-tmn

Eine Studie untersucht den Einzug von KI im privaten Alltag auch mit Blick auf Erziehungsfragen. (Archivbild)Annette Riedl/dpa/dpa-tmn

© Annette Riedl/dpa/dpa-tmn

Schon Kinder nutzen KI sehr häufig 

Laut Untersuchung nutzen vor allem Kinder zwischen zehn bis 13 Jahren KI privat und für die Schule: Das gaben 57 Prozent der Befragten mit Kindern in dieser Altersgruppe an. Fast ebenso viele halten KI-Chatbots für eine enorme Erleichterung für Kinder im privaten Alltag. 

Zugleich förderte die Studie auch elterliche Sorgen mit Blick auf ihre eigene Rolle zutage. Auf die Frage, ob sie „eine große Gefahr sehen, dass Kinder eher die KI um Hilfe fragen und ihr glauben, als ihre Eltern um Rat zu fragen“, antworteten knapp drei Viertel der befragten Eltern mit „Ja“.