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Überlastet im Job: Sport und Achtsamkeit sind keine Lösung

Selbstoptimierung ist oft die Antwort auf Stress im Job. Doch wenn die Strukturen überlasten, hilft die auch nicht mehr. Woran Beschäftigte erkennen, dass es zu viel wird und was dann zu tun ist.

15.10.2026

Wenn im Job alles zu viel wird: Statt mehr Sport oder Achtsamkeit helfen konkrete Schritte, um die Belastung zu reduzieren. Frank Molter/dpa

Wenn im Job alles zu viel wird: Statt mehr Sport oder Achtsamkeit helfen konkrete Schritte, um die Belastung zu reduzieren. Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Der Wecker klingelt, doch die Nacht hat kaum Erholung gebracht. Am Wochenende kreisen die Gedanken wieder um die Arbeit, und die Geduld reicht kaum bis zum Mittag. Häufen sich solche Muster, steckt oft mehr dahinter als nur eine stressige Phase im Job. Überlastung am Arbeitsplatz betrifft viele Beschäftigte - und kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Aber wie viel zu viel ist? Eine Frage hilft laut Gustav Wirtz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, schnell bei der Einschätzung: „Kann ich mich regelmäßig erholen, meine Aufgaben bewältigen und Dinge erleben, die mir wichtig sind?“ Gelingt das über längere Zeit nicht, sollten Beschäftigte handeln.

Auf welche Warnsignale sollten Beschäftigte achten?

Gesundheitlich problematisch wird enorme berufliche Belastung, wenn neben anhaltender Erschöpfung auch körperliche Beschwerden auftreten: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, ständige Infekte ohne erkennbare andere Ursache. Ebenso ernst zu nehmen sind psychische Anzeichen: Gereiztheit, innere Unruhe oder emotionale Leere, bei der man nur noch „funktioniert“.

Im Arbeitsalltag zeigt sich Überlastung oft durch Konzentrationsprobleme, häufige Fehler, sinkende Motivation, Konflikte oder Rückzug. Aufmerksam sollten Sie auch werden, wenn Pausen nicht mehr gelingen, die Arbeit gedanklich rund um die Uhr präsent ist oder die Belastung ins Privatleben hineinwirkt.

Viele Menschen versuchen, ihre Überlastung mit mehr Achtsamkeit, Meditation oder Sport auszugleichen. Solche Maßnahmen können guttun, ersetzen aber keine Veränderung. „Stress ist selten ein reines Einstellungs- oder Resilienzproblem des Einzelnen“, sagt Wirtz, Bereichsleiter der SRH Rehabilitationseinrichtung für psychisch Kranke (RPK) in Karlsbad-Langensteinbach. Meist seien die Arbeitsbedingungen Ursache. Beschäftigte müssten deshalb lernen, professionell Grenzen zu setzen, bevor sie krank werden.

Was hilft, wenn die Last zu groß wird? 

Der Facharzt empfiehlt folgende Strategien:

1. Die eigene Lage sortieren: Fragen Sie sich, was Sie am stärksten belastet: die Arbeitsmenge, Konflikte, zu viel Verantwortung oder fehlende Erholung? Und seit wann ist das so? Unterscheiden Sie zwischen zwingenden Aufgaben und solchen, die sich verschieben, reduzieren oder abgeben lassen.

2. Kurzfristig entlasten: „Echte Entlastung bedeutet, dass sich Anforderungen, Ressourcen oder beides verändern“, so Wirtz. Klären Sie dazu mit Ihrer Führungskraft, was Vorrang hat und was warten kann. Helfen können außerdem Vertretungen, begrenzte Überstunden, feste Pausen und eine klare Abgrenzung der Erreichbarkeit. Bei akuter Erschöpfung kommen Urlaub oder Freizeitausgleich infrage. Ist es medizinisch nötig, kann eine Krankschreibung sinnvoll sein.

3. Das Gespräch suchen: Ist die Belastung arbeitsbedingt, lohnt sich ein frühes, vertrauliches Gespräch. Neben der Führungskraft sind der Betriebsrat oder der betriebsärztliche Dienst mögliche Ansprechpartner. Hilfreich ist es, nicht nur das Problem, sondern auch den konkreten Unterstützungsbedarf zu benennen. Wer zu viele Aufgaben parallel hat, kann etwa darauf hinweisen, dass die Arbeit besser verteilt werden sollte.

4. Erholung priorisieren: „Regeneration ist keine Belohnung nach erledigter Arbeit, sondern eine Voraussetzung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit“, betont Wirtz. Achten Sie also zum Beispiel auf ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und Pausen und pflegen Sie soziale Kontakte, die Freude oder Ruhe schenken.

Halten Beschwerden mehrere Wochen an, verstärken sie sich oder schränken den Alltag deutlich ein, sollten Sie professionelle Hilfe suchen. Erste Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde. Diese Unterstützung diene der Klärung und Stabilisierung. „Sie ist kein Zeichen persönlichen Versagens“, so Wirtz.