Panorama

Tagebau-Dörfer haben jetzt ein „Alt-“ vor ihrem Namen

Was soll man machen, wenn man mehrere Dörfer plötzlich doppelt hat? Einmal in alt, einmal in neu? Im Rheinland gibt es diese Situation - mitsamt kniffligen Fragen.

01.07.2026

Das Braunkohle-Dorf Keyenberg heißt ab jetzt Alt-Keyenberg (Archivbild).Henning Kaiser/dpa

Das Braunkohle-Dorf Keyenberg heißt ab jetzt Alt-Keyenberg (Archivbild).Henning Kaiser/dpa

© Henning Kaiser/dpa

Drei vor dem Abriss gerettete Dörfer im Gebiet des Braunkohletagebaus Garzweiler tragen von diesem Mittwoch an den Zusatz „Alt-“ vor ihrem Namen - sie heißen künftig Alt-Keyenberg, Alt-Kuckum und Alt-Berverath. Daneben gibt es auch noch Siedlungen, die Keyenberg, Kuckum und Berverath heißen - ohne „Alt“ davor. Das sind neu gebaute Orte, in denen viele der früheren Bewohner leben. 

Ursprünglich sollten die alten Orte von der Erdoberfläche verschwinden, um Platz für den Braunkohletagebau zu machen. Aber dann blieben sie doch stehen, weil der Kohleausstieg vorgezogen wurde.

Die Bewohner waren da allerdings schon umgezogen - in Ersatzorte, die bewusst nach ihren alten Heimatdörfern benannt worden waren. Nun stellte sich die Frage: Wie sollten die alten Orte heißen, um Verwechslungen vorzubeugen? Der zuständige Stadtrat von Erkelenz folgte bei seiner Entscheidung dem Vorschlag aus der Beteiligung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger, den Zusatz „Alt-“ vor die Namen der alten Orte zu stellen. 

Was passiert mit den Straßennamen?

Die Dörfer Unterwestrich und Oberwestrich, die ursprünglich ebenfalls abgebaggert werden sollten, behalten ihre Namen, weil der Umsiedlungsstandort den Namen Westrich erhalten hat. Alle Dörfer befinden sich auf dem Gebiet der Stadt Erkelenz, die insgesamt 45.000 Einwohner hat.

Die Straßennamen in den Orten sollten ebenfalls nicht doppelt vorkommen. In den Dorfgemeinschaften wurde nach Angaben der Stadt Erkelenz über jede einzelne Straße gesprochen und Vorschläge wurden gemacht. Der Erkelenzer Stadtrat entschied schließlich über die Vorschläge. Die Regelungen fielen unterschiedlich aus. Manchmal blieb der alte Name an den alten Standorten erhalten, manchmal wurde er an die neuen vergeben, manchmal gab es ganz neue Namen.

Der Umsiedlungsprozess der früheren Bewohner der alten Dörfer in die neuen Standorte ist den Angaben zufolge zum 1. Juli abgeschlossen. Die Neubesiedlung der alten Dörfer sei noch ein laufender Prozess. 

Großes Interesse an Häusern in den alten Dörfern

Zur Wiederbesiedlung der alten Dörfer teilte der Energiekonzern RWE mit, der Verkaufsprozess sei im November 2025 gestartet. Bislang seien 50 Immobilien zu Festpreisen auf Basis von unabhängigen Wertgutachten im Internet angeboten worden. Für 40 dieser Immobilien seien Käufer gefunden worden. Aktuell würden nun noch zehn Immobilien angeboten. 

„Es gibt ein großes Interesse, insbesondere von jungen Familien mit Kindern aus Erkelenz und der Region“, sagte ein Konzernsprecher. „Wir hatten bislang deutlich mehr als 1.000 Anfragen.“ Die Immobilien würden ausschließlich verkauft, Vermietungen seien nicht vorgesehen.