Panorama

Sturmtief „Elli“ wirbelt in Hamburg einiges durcheinander

Ob ausgefallene Züge, Feuerwehreinsätze oder leere Straßen: Sturmtief „Elli“ hat Hamburg fest im Griff. Die meisten Menschen blieben zu Hause im Warmen. Wie die Vorhersage fürs Wochenende aussieht.

09.01.2026

Der Bahnverkehr soll am Samstag wieder anrollen. Christian Charisius/dpa

Der Bahnverkehr soll am Samstag wieder anrollen. Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Ausgefallene Züge und Flüge, zugeschneite Straßen, schneefrei für Schulkinder: Das Sturmtief „Elli“ hat in Hamburg seine Spuren hinterlassen. „Der Schneefall löst sich bis Tagesende weitestgehend auf“, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Freitagnachmittag.

Am Samstagnachmittag könnten aber vom Nordosten her noch einmal einzelne Schneeschauer folgen. Aber die Sonne werde sich im Tagesverlauf zeigen. Am Sonntag könnte sich laut DWD gefrierender Nebel bilden. Dabei legt sich eine Eisschicht auf kalte Oberflächen wie Geländer, Äste und Gehwege. Eine genaue Vorhersage für Montag sei noch schwierig. Möglich seien Schneefall und gefrierender Regen. 

Bahnverkehr soll wieder anrollen

Die Deutsche Bahn will den wegen Unwetters eingestellten Fernverkehr in Norddeutschland am Samstagmorgen wieder schrittweise aufnehmen. Am Samstag sei trotzdem bundesweit noch mit Einschränkungen und Zugausfällen zu rechnen, teilte das Unternehmen mit.

In den betroffenen Regionen im Norden hatten laut Bahn insbesondere Schneeverwehungen für erhebliche Beeinträchtigungen gesorgt. Die Bahn bat alle Reisenden, sich vor Fahrtantritt in der App DB Navigator und auf der Internetseite der Bahn über die aktuelle Verkehrslage zu informieren. 

Die Stadtreinigung ist seit Tagen im Dauereinsatz. Christian Charisius/dpa

Die Stadtreinigung ist seit Tagen im Dauereinsatz. Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Der Regionalbahnanbieter Metronom teilte am Abend mit, dass der Zugverkehr voraussichtlich am Samstagvormittag um 10 Uhr wieder aufgenommen werden soll. Mehrere Züge von Metronom fahren von und nach Hamburg – etwa aus Bremen oder Uelzen. Auch bei weiteren Regionalbahnen sowie im Busverkehr in Hamburg und Schleswig-Holstein kam es am Freitag zu Ausfällen und Verspätungen. 

Die Nordbahn teilte am Abend mit, dass zuerst alle Strecken daraufhin geprüft werden, ob sie sicher befahrbar sind. Daraufhin soll entschieden werden, wie die Züge am Sonnabend verkehren werden.

Ausgefallene Fußballspiele und gestrandete Fans

Fußballfans müssen am Wochenende zu Hause bleiben. Das Schneechaos im Norden hat zu zwei Spielabsagen in der Fußball-Bundesliga geführt: Wenige Stunden nach dem Aus für die Partie des FC St. Pauli gegen RB Leipzig wurde auch das Spiel des SV Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim gestrichen.

Der Hamburger SV spielt zwar auswärts, deren Fans waren dennoch betroffen. Auf dem Weg zum Bundesliga-Spiel nach Freiburg hielt der eingestellte Bahnverkehr Mitglieder des HSV-Fanclubs in Hannover auf. Gut gelaunt sind sie trotzdem: „Leider sind wir jetzt in Hannover gestrandet“, sagte einer der Fans. Sie seien aber gut verpflegt in der Bahn, „mit dem Bord-Bistro und dem Kasten Bier, den wir mithaben - oder mehreren Kästen Bier“. Sie hofften, dass sie „irgendwie noch nach Freiburg kommen. Und sei es irgendwann Mitternacht.“ Der HSV spielt am Samstag um 15.30 Uhr in Freiburg. 

Auch am Flughafen sorgten die Witterungsbedingungen für Probleme. Bodo Marks/dpa

Auch am Flughafen sorgten die Witterungsbedingungen für Probleme. Bodo Marks/dpa

© Bodo Marks/dpa

„Eine geleckte Fahrbahn wird es heute nicht geben“

Auf den Straßen in Hamburg kämpfte die Stadtreinigung weiter gegen Schnee und Eis. „Unsere Leute sind unterwegs. Wir fahren weiter. Es funktioniert noch alles“, sagte ein Sprecher der Stadtreinigung der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Gleichzeitig mache der starke Wind den Teams zu schaffen. „Insbesondere, was das Ergebnis des Räumens angeht. Eine geleckte Fahrbahn wird es heute nicht geben.“

Trotz Sturmtiefs verzeichnete die Polizei zunächst keine auffällige Verkehrslage in der Stadt. Neben Verkehrsbehinderungen durch zwei festgefahrene Lastwagen auf der A7 gab es wenige Glätte-Unfälle. Die Lage sei ruhiger als erwartet, was daran liege, dass viele Menschen Zuhause geblieben seien, teilte ein Sprecher mit. Auch die Feuerwehr zählte bei ihren 70 wetterbedingten Einsätzen seit dem Morgen eher kleinere Vorkommnisse wie abgebrochene Äste oder Dächer, die von Schnee befreit werden mussten.

Die Busse und U-Bahnen waren nach Angaben der Hochbahn weitgehend pünktlich unterwegs. „Es ist wie sonntags“, sagte ein Sprecher des städtischen Verkehrsunternehmens. Auf den Straßen gebe es nur wenig Privatverkehr. „Das hilft uns.“ Auch die Zahl der Fahrgäste sei geringer als an Freitagen üblich. „Die Busse fahren und sind weniger verspätet als sonst.“

Viele Kinder konnten den Schnee genießen. Christian Charisius/dpa

Viele Kinder konnten den Schnee genießen. Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Herabfallende Eisplatten

Wegen herabfallender Eisplatten war das Gelände rund um den Hamburger Fernsehturm vorübergehend gesperrt. Nach rund einer Stunde konnten die Straßen und Wege an den Messehallen wieder freigegeben werden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Feuerwehr habe die Gefahr beseitigt. 

Die Verkehrsleitzentrale Hamburg registrierte am Freitag deutlich weniger Verkehr auf den Straßen als üblich. „Wir haben ganz wenig Verkehr, wir haben weiße Fahrbahnen, wir haben Sichtbehinderungen durch den umher wirbelnden Schnee und Schneeverwehungen - aber sonst keine Ereignisse“, sagte ein Sprecher.

Am Hamburger Flughafen gab es witterungsbedingte Einschränkungen, einige Starts und Landungen mussten gestrichen werden. „Aufgrund der anhaltenden Extremwetterlage kommt es zu Beeinträchtigungen im Luftverkehr, nicht nur in Hamburg, sondern auch an wichtigen Luftfahrt-Drehkreuzen wie Amsterdam oder Paris“, sagte eine Flughafensprecherin. Flugreisende sollten sich vor Abflug bei ihrer Airline über den Status des Fluges informieren.

Die kleinen eisigen Kunstwerke sind liebevoll gestaltet.Christian Charisius/dpa

Die kleinen eisigen Kunstwerke sind liebevoll gestaltet.Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Einen Tag schneefrei für Schulkinder 

Das Winterwetter hatte aber auch seine schönen Seiten: Denn wo Schnee liegt, darf gerodelt werden. Das machten in Hamburg viele Kinder - und konnten die weiße Pracht vor ihrer Haustür genießen, Schlitten fahren und Schneemänner bauen. Hamburgs staatliche Schulen nehmen am Montag den regulären Unterrichtsbetrieb aber wieder auf. 

Ein Spaziergang an der Alster wird derzeit zur kleinen Winterausstellung: Auf der Krugkoppelbrücke und der Fernsichtbrücke haben Passanten eine ganze Parade von Schneemännern aufgereiht. Dutzende weiße Figuren stehen dort nebeneinander – in ganz unterschiedlichen Größen.