Studie: Hilft die mRNA-Impfung gegen Schwarzen Hautkrebs?
Eine personalisierte mRNA-Impfung soll nach einer Operation das Rückfallrisiko bei schwarzem Hautkrebs senken. Doch die Zwischenergebnisse einer großen Studie lassen eine wichtige Frage offen.
Der Schriftzug „moderna“ am Eingang eines Gebäudes des US-Unternehmens. (Archivbild)Bill Sikes/AP/dpa
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Bei schwarzem Hautkrebs kann nach dem Entfernen des Tumors eine individuelle mRNA-Impfung zusätzlich zur Standardtherapie das Risiko für eine Rückkehr über etwa zwei Jahre um fast die Hälfte (42 Prozent) senken. Die Gefahr für die Bildung von Fernmetastasen sank in dem Zeitraum um 38 Prozent. Diese mit Spannung erwarteten Zwischenergebnisse einer Phase-3-Studie basieren jedoch nicht auf der Veröffentlichung in einer begutachteten Fachzeitschrift, sondern wurden von den Pharmafirmen Moderna und MSD in einer Mitteilung bekanntgegeben - parallel zu einem Krebskongress in Madrid.
Auf Basis dieser Zahlen werde man in Austausch mit den Zulassungsbehörden treten, kündigte MSD an. Was das allerdings genau bedeutet, bleibt vage. Im Falle einer Genehmigung wäre es in den USA oder in der EU die erste Zulassung für einen Krebsimpfstoff auf der Basis individualisierter mRNA. Allerdings stehen entscheidende Ergebnisse noch aus: Denn für das Gesamtüberleben brachte die Impfung im Beobachtungszeitraum von bislang knapp 25 Monaten keinen klaren Vorteil.
Unklar, ob Impfung Rückfälle dauerhaft verhindert oder nur verzögert
Für Erkenntnisse zum Gesamtüberleben seien fünf Jahre ein typischer Zeitrahmen, sagte Niels Halama vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) der Deutschen Presse-Agentur. Dass die derzeitigen Ergebnisse ausreichten, um Zulassungsbehörden zu überzeugen, sei keineswegs selbstverständlich, betonte der Experte, der den Kongress in Madrid besuchte.
Ein Monitor mit einem Bild von Melanom-Zellen. (Archivbild) Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
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„Letztlich werden die Überlebensdaten zeigen, ob die Impfung Rückfälle dauerhaft verhindert oder nur hinauszögert“, kommentierte auch Thomas Eigentler von der Berliner Charité das Resultat. Und der Experte Lennard Lee von der Universität Oxford betonte ebenfalls: „Die Haupteinschränkung besteht darin, dass wir noch nicht wissen, ob der Impfstoff den Patienten hilft, länger zu leben.“
Schwere Nebenwirkungen in beiden Gruppen ähnlich häufig
Generell bestätigt die noch laufende aktuelle Studie bisher die bereits veröffentlichten Resultate einer kleineren Untersuchung. In der jetzigen Doppelblind-Studie bekamen 1.137 Menschen, deren Melanom erfolgreich entfernt worden war, die Standardtherapie mit dem sogenannten Checkpoint-Hemmer Pembrolizumab, Handelsname Keytruda. Etwa zwei Drittel von ihnen - 757 per Losverfahren ausgewählte Patienten - erhielten zusätzlich neun intramuskuläre Injektionen des mRNA-Impfstoffs Intismeran, die übrigen 380 ein Placebo.
Nach gut zwei Jahren lebten mit der zusätzlichen mRNA-Therapie gut 82,2 Prozent ohne eine Rückkehr des Tumors, in der Placebogruppe waren es 70 Prozent. Dies entspricht einer Senkung des Risikos für eine Rückkehr um 42 Prozent. Ohne Fernmetastasen lebten in der Intismeran-Gruppe noch 88,5 Prozent, in der Kontrollgruppe waren es 80,2 Prozent. Das Risiko für das Auftreten von Fernmetastasen war also um 38 Prozent reduziert. Zu schweren Nebenwirkungen kam es in den Gruppen mit und ohne mRNA-Impfstoffen ähnlich oft.
In Deutschland kämen nur wenige Tausend Patienten infrage
Der Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab soll dafür sorgen, dass das Immunsystem die Tumorzellen angreift. Die mRNA-Impfung soll die Körperabwehr zusätzlich gezielt für spezielle Strukturen des individuellen Tumors sensibilisieren. Dazu wurde bei den Teilnehmern das entfernte Tumorgewebe analysiert. Die personalisierte Impfung enthielt bis zu 34 typische Eigenschaften dieser Karzinome, sogenannte Tumorantigene.
In Deutschland zählt schwarzer Hautkrebs zu den häufigsten Tumoren, mit deutlich mehr als 20.000 Neuerkrankungen pro Jahr, bei steigender Tendenz. Die Therapie käme im Falle einer Zulassung allerdings nur für wenige Tausend von ihnen infrage, hatte Eigentler, der das Hauttumorzentrum an der Berliner Charité leitet und der auch an der aktuellen Studie beteiligt war, im Sommer gesagt.