Panorama

Spektakulärer Ausbruch: Häftling floh über das Dach

Mitten in der Nacht klettert ein Häftling über die Fassade der JVA Duisburg-Hamborn auf das Dach – und verschwindet spurlos. Wo ist der Gitterstab geblieben und wie gelang ihm das waghalsige Manöver?

30.08.2026

Die JVA Duisburg-Hamborn: Hier floh ein Häftling über das Dach.Christoph Reichwein/dpa

Die JVA Duisburg-Hamborn: Hier floh ein Häftling über das Dach.Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

Mit einem hollywoodreifen Ausbruch ist ein 35 Jahre alter Untersuchungsgefangener am frühen Morgen gegen 3.20 Uhr aus der JVA Duisburg-Hamborn entkommen. Das teilte das Justizministerium NRW mit. Von dem Mann gab es am frühen Vormittag keine Spur, wie ein Sprecher der Duisburger Polizei bestätigte. Die Fahndung laufe.

Der wegen Diebstahlverdachts inhaftierte Mann habe einen der Gitterstäbe vor dem Fenster seiner Zelle im dritten Stock des Gebäudes auf bisher unklare Art entfernt - möglicherweise durchgesägt, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Dann habe er die weitere Feinvergitterung vor dem Fenster beiseite gedrückt, sei durch den sehr schmalen Spalt geklettert und offensichtlich über das Dach geflohen.

Regenrinne abgedeckt, Fassade ohne Halt für Kletterer - wie kam der Häftling auf das Dach? Christoph Reichwein/dpa

Regenrinne abgedeckt, Fassade ohne Halt für Kletterer - wie kam der Häftling auf das Dach? Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

Zuvor müsse er außen über die Fassade vom dritten in den vierten Stock geklettert sein und auch noch die Sicherung der Dachkante überwunden haben, sagte der Sprecher.

Häftling wurde zu sechs Jahren verurteilt

Der Mann saß laut Ministerium wegen des Diebstahlsvorwurfs seit dem 10. Februar in Untersuchungshaft. Ende Mai sei er wegen zwei Wohnungseinbrüchen mit hohem Schaden zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dieses Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. 

Justizminister in Erklärungsnot - Opposition übt Kritik

„Der heutige Ausbruch ist absolut inakzeptabel. Die oberste Priorität hat jetzt die schnelle Ergreifung des flüchtigen Untersuchungshäftlings“, erklärte NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Bündnis90/Die Grünen). Parallel müsse der Vorfall umfassend aufgeklärt werden. 

Ein Sicherheitsexperte des Ministeriums sei bereits vor Ort in der Anstalt und habe die Ermittlungen aufgenommen. „Wir werden lückenlos aufklären, wie diese Sicherheitslücke entstehen konnte, um aus den Ergebnissen umgehend die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“, kündigte der Minister an.

Ein Zaun und vergitterte Fenster - trotzdem gelang einem Häftling die Flucht.Christoph Reichwein/dpa

Ein Zaun und vergitterte Fenster - trotzdem gelang einem Häftling die Flucht.Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

Die rechtspolitische Sprecherin der oppositionellen SPD-Landtagsfraktion, Sonja Bongers, verlangte Antworten. „Bei seiner Flucht aus der JVA Duisburg-Hamborn soll der Häftling einen Gitterstab vor seinem Zellenfenster durchgesägt oder sonst wie entfernt haben. Ein Gitterstab verschwindet aber nicht von allein. Justizminister Limbach muss erklären, wie der Mann an das nötige Werkzeug gelangen konnte und weshalb die baulichen und technischen Sicherungen seine Flucht nicht verhindert haben“, erklärte sie.