So starten Sie nachts sicher in den Urlaub
Nachts losfahren klingt entspannt, birgt aber Risiken: Warum schon wenige Stunden Schlaf vor der Abfahrt entscheidend sind – und welche typischen Warnzeichen Sie am Steuer kennen sollten.
Ausgeruht durch die Nacht: Um Konzentrationsfehler zu vermeiden, sollten vor Reisestart einige Stunden Schlaf am Abend oder Nachmittag eingelegt werden.picture alliance/dpa
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Seit Wochen dasselbe Bild: Ab Freitag stockt und staut sich der Wochenendverkehr auf den Autoahnen. Die Urlaubsreisewelle schwappt ihrem Höhepunkt entgegen. Oft wird geraten, besser möglichst unter der Woche oder ganz früh morgens oder nachts zu starten. Doch wie funktioniert das ausgeruht und sicher? Der ACV Automobil-Club hat Tipps.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Wer ganz früh morgens oder in der Nacht in den Urlaub fährt, kann oft noch den Berufsverkehr und die Hauptstauzeiten am Wochenende umgehen. Dazu kommt gerade in Zeiten von Hitzewellen: nachts ist es kühler, zudem schlafen Kinder besser ein.
Doch es gibt freilich auch Nachteile: Naturgemäß können Hindernisse wie etwa Baustellen, Stauenden, Wild oder schlecht beleuchtete Fahrzeuge oft später erkannt werden. Und ganz generell ist der Körper laut ACV nachts auf Ruhe eingestellt und nicht auf stundenlange Konzentration am Steuer.
Um optimal vorbereitet zu sein, gilt grundsätzlich erst mal dasselbe wie für einen Start am Tag: Alles, was für die Reise nötig ist, sollte rechtzeitig und in Ruhe vorbereitet sein. Koffer packen, Einladen, Dokumente parat legen, Auto checken und tanken und so weiter.
Soll ich durchmachen oder vorher schlafen?
Vor der Nachtfahrt schlafen oder durchmachen? Darauf findet der ACV eine klare Antwort: schlafen. Schon müde losfahren, etwa nach einem langen Arbeitstag, um schnell noch „Kilometer machen“ zu können, so der Verkehrsclub.
Wer so agiert, muss mit Konzentrationsfehlern, längeren Reaktionszeiten und im schlimmsten Fall Sekundenschlaf rechnen. Mit Verweis auf Studien nennt der ACV als groben Richtwert: Nach rund 17 Stunden ohne Schlaf können Leistungseinbußen auftreten, die mit etwa 0,5 Promille Alkohol im Blut vergleichbar sind. Nach rund 22 Stunden ohne Schlaf kann die Beeinträchtigung einem Niveau von etwa 1,0 Promille entsprechen. Also: eine Schlafphase vor der Abfahrt einplanen.
Allerdings: Das muss nicht unbedingt so lang wie eine ganze Nacht sein. Bereits einige Stunden Schlaf am Abend oder Nachmittag helfen mehr, als vollständig auf Schlaf zu verzichten. Von Vorteil ist, wenn zwei oder mehr Autofahrer an Bord sind, die sich beim Fahren abwechseln können - das sollte aber vorher abgesprochen werden.
Wann fahre ich denn am besten los?
Dabei ist der eigene Schlafrhythmus relevant. Es kommt weniger auf die tatsächliche Uhrzeit an, als auf die Ausgeruhtheit an sich. So kann etwa ein Start am sehr frühen Morgen oder nachts sinnvoll sein, wenn man ausreichend geschlafen hat zuvor. Doch bei vielen Menschen falle diese Phase noch in die zweite Nachthälfte. Dann sei bei vielen die innere Uhr noch „auf Schlaf“ gestellt. Tipp: Die erste Pause bewusst früh einlegen.
Wer spätabends starten will, sollte darauf achten, dass der Tag zuvor ruhig war und man noch vorher schlafen konnte. Immer gilt: Ausgeruht starten, keine zu langen Etappen auf einmal fahren und sich möglichst am Steuer abwechseln.
Ein paar Kilometer schaffe ich doch noch - besser nicht!
Und sei die Straße auch noch so leer und man noch so super vorankommt: Wer müde ist, macht Pause - bei nächster Gelegenheit. Nicht etwa denken „Nur noch 40 Kilometer, dann machen wir Pause“ nennt der ACV schlechte Gedankenmuster. Typische Anzeichen für Müdigkeit und für eine dringliche Pause sind demnach:
- Man muss häufig gähnen, die Augenlider werden schwer oder man blinzelt öfter
- Die Augen brennen, es fröstelt einen oder man bemerkt innere Unruhe
- Tunnelblick oder nachlassende Aufmerksamkeit
- Verpasste Schilder, Ausfahrten oder Tempolimits
- Es fällt schwer, die Spur sauber zu halten
- Der Eindruck, sich an die letzten Kilometer kaum noch erinnern zu können