So beweist der kleine Kia EV2, dass Größe relativ ist
Jetzt steigt auch Kia ein ins große Rennen der kleinen E-Autos. Im Ringen mit VW ID.Cross, Skoda Epiq und Renault R4 setzen die Koreaner vor allem auf ein starkes Design - und ein bisschen Schiebung.
Zeit zum Kuscheln? Nö, denn zumindest formal gibt der Kia EV2 mit seinen Ecken und Kanten eher den Charaktertyp. Kia/dpa-tmn
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Na also, es wird doch. Erst das Oberhaus, dann die Kompaktklasse und nun erreicht die elektrische Revolution endlich auch die Kleinwagen. So spült sie uns eine Flut von handlichen SUV in die Städte.
VW und Skoda bereiten den ID.Cross und den Epiq vor, Renault hat den R4, Hyundai den Inster - und jetzt schickt Kia den EV2 ins Rennen. Ab 26.600 Euro kommt er in diesem Frühjahr in den Handel.
Bitte nicht kuscheln
Dafür gibt es einen Geländewagen von handlichen 4,06 Metern Länge mit starkem Charakter und markantem, betont selbstbewusstem Design. Denn der EV2 will nicht kuscheln oder belächelt werden und erst recht nicht in der Masse untergehen. Er leistet sich Ecken und Kanten und kopiert ganz souverän den bulligen Look seines großen Bruders EV9.
Wohnliche Atmosphäre auf kleinem Raum
Während er außen damit aussieht wie ein French Bulldog unter lauter Schoßhündchen, soll er innen besonders wohnlich und freundlich sein. Statt Hartplastik gibt es deshalb Stoffbezüge auf vielen Oberflächen. Und auch wenn die Autobauer bei der Entwicklung aufs Geld geschaut haben, sparen sie nicht an Charme und smarten Details.
Zwischen den Sitzen gibt es eine Armlehne mit großer Ablage, die Kopfstützen sind gleichzeitig Haltegriffe und Kleiderbügel, und die Türen senden launige Botschaften: Beim Einsteigen fällt der Blick auf eine freundliche Begrüßung als Prägung auf der Türbrüstung, die man beim Einsteigen sieht. Und wer die Tür öffnet, dem wünscht der EV 2 beim Aussteigen einen schönen Tag - „have a Nice Day“ im Türgriff.
Willkommen im Kia: Der Tester lobt die Materialauswahl und die wohnliche Atmosphäre.Kia/dpa-tmn
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Auch auf Assistenz und Komfort muss man dabei nicht verzichten: Wenn man genügend Kreuze macht und entsprechend bezahlt, sind auch Extras aus den höheren Klassen bis zur Fernbedienung beim Parken an Bord. Und zumindest die elektronische Unterstützung für Tempo, Abstand und Fahrspur sind immer Standard. Genauso übrigens wie das digitale Infotainmentsystem.
Sein größtes Plus ist der Platz
Sein größtes Plus ist allerdings das Platzangebot. Zwar können auch die Koreaner bei 4,06 Metern Länge und 2,57 Meter Radstand keine Wunder vollbringen, aber sie helfen ein bisschen nach - mit etwas „Schiebung“: Als einer der wenigen in dieser Klasse kommt der EV2 deshalb auf Wunsch mit verschiebbaren Einzelsitzen im Fond. Obwohl so kurz wie der ID.Polo, bietet er damit wahlweise den Kofferraum oder die Beinfreiheit des deutlich größeren ID.Cross.
Und weil ihnen 362 bis 403 Liter mit aufrechten und 1.201 Litern bei umgeklappten Lehnen nicht genug waren, haben sie zudem einen Frunk eingebaut, der immerhin groß genug für das Ladekabel ist. Noch nicht genug Variabilität? Dann lassen sich auch noch die Rückenlehnen in eine bequeme Ruheposition bringen.
Patenter Praktiker: Dinge wie diese Ablagen sind dem Tester nicht entgangen und werden lobend kommentiert.Kia/dpa-tmn
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Zwei Antriebsvarianten zur Auswahl
Angeboten wird der EV2 zum Start mit einem 42,2 kWh großem Akku, der mit einem Frontmotor von 108 kW/147 PS gekoppelt ist und für bis zu 317 Normkilometer reicht. Nach den Sommerferien beginnt auch die Produktion der Langstrecken-Variante mit 61 kWh und 453 Kilometern Aktionsradius.
Zwar müssen der 99 kW/135 PS reichen, doch liegt das Spitzentempo hier wie dort bei 161 km/h. Geladen wird mit 11 oder 22 kW am Wechselstrom. Welche Leistung am Gleichstrom möglich ist, beziffert Kia nicht, verspricht aber für beide Akkus etwa 30 Minuten für den Sprung von 10 auf 80 Prozent.
Dabei beherrscht der EV2-Antrieb alle elektrischen Eigenheiten - es gibt eine Rekuperation, stark genug um bis zum Stillstand zu bremsen, und der Strom fließt in beide Richtungen, so dass man den EV2-Akku auch als Powerbank nutzen kann.
Fahren wie ein Großer
Dass Größe relativ ist, zeigt uns der EV2 auch beim Fahren. Denn in der Stadt ist er relativ klein und handlich, schwimmt entsprechend locker mit im Verkehr und macht die Parkplatzsuche zum Kinderspiel. Und weil er wie jedes E-Auto besonders gut beschleunigt, surft er förmlich durch die Rushhour und wechselt wieselflink die Spuren.
Auch jenseits des Ortsschilds macht er einen erwachsenen Eindruck. Doch für Schnellfahrer gibt es bessere Autos. Lenkung und Fahrwerk schmeicheln eher den Passagieren als dem Fahrer, weil sie sehr komfortbetont sind und es entspannt angehen lassen.
Reisen ohne Ende? Solange Sie wollen, allerdings muss der Kia in dieser Version spätestens nach 317 Kilometern an die Ladesäule - es kommt aber auch ein Modell mit mehr Reichweite.Kia/dpa-tmn
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Aber der EV2 rollt souverän wie ein Großer und ist dabei vor allem wunderbar leise und wirkt extrem solide. Kein Knistern oder Klappern - da zahlt sich das neue Labor aus, das sie im europäischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim gerade in Betrieb genommen haben.
Fazit: Der kleinste elektrische Kia könnte noch groß rauskommen
Im Auto ist es deshalb wunderbar leise - aber draußen wird der EV2 mächtig Lärm machen - im positiven Sinne. Denn im gerade stark wachsenden Segment der elektrischen Kleinwagen sticht er als Charakterdarsteller mit seinem variablen Innenraum erfreulich heraus und könnte deshalb groß rauskommen.
Datenblatt: Kia EV2
Kleines Kerlchen: Der EV2 misst nur ganz knapp über vier Meter - und will dennoch möglichst viel Platz bieten.Kia/dpa-tmn
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Flexibles Kerlchen: Auch die Rückenlehnen lassen sich in eine bequeme Ruheposition bringen. Kia/dpa-tmn
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