Panorama

Winter hat Norden im Griff – Schulausfälle in neun Kreisen

Schulausfall, gesperrte Straßen, abgesagte Events: Eis, Wind und Schnee wirbeln Schleswig-Holstein durcheinander. Was Eltern, Autofahrer und Pendler jetzt wissen müssen.

08.01.2026

Der Winter hat Schleswig-Holstein fest in seinem Griff.Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

Der Winter hat Schleswig-Holstein fest in seinem Griff.Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

© Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

Der Winter hat Schleswig-Holstein fest in seinem kalten Griff und könnte zumindest in Teilen des Landes mit Neuschnee für Behinderungen sorgen. Das erwartete Sturmtief „Elli“ wird nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) die Lage am Freitag noch einmal verschärfen. Der DWD gab eine amtliche Unwetterwarnung für fast ganz Schleswig-Holstein heraus. Als Konsequenz findet in neun Kreisen an allgemein- und den berufsbildenden Schulen kein Unterricht statt.

Geschlossen bleiben am Freitag die Schulen in Dithmarschen, dem Herzogtum Lauenburg, Nordfriesland, Pinneberg, Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg, Segeberg, Steinburg und Stormarn. Dort soll es für die Jahrgangsstufen eins bis sechs aber eine Notbetreuung geben, wie das Bildungsministerium ankündigte. Schülerinnen und Schüler können dort auf Aufgaben zurückgreifen, die ihnen Lehrkräfte bereits im Rahmen des regulären Unterrichts gegeben haben. Schulen könnten zudem über ihr Lernmanagementsystem Unterrichtsmaterial bereitstellen.

Landesweit findet an den Förderzentren kein Unterricht statt. Nach Ministeriumsangaben kann es an den Berufsschulen in Eigenverantwortung der Schulen Distanzunterricht geben. Unabhängig davon können Eltern im Einzelfall selbst entscheiden, ob der Schulweg für ihre Kinder sicher und zumutbar ist. Wegen des erwarteten Sturmtiefs war der Unterricht in den Schulen auf den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr bereits am Donnerstag ausgefallen.

In Teilen Schleswig-Holsteins fällt am Freitag wegen des erwarteten Schneefalls die Schule aus. (Symbolbild)Ulrich Perrey/dpa

In Teilen Schleswig-Holsteins fällt am Freitag wegen des erwarteten Schneefalls die Schule aus. (Symbolbild)Ulrich Perrey/dpa

© Ulrich Perrey/dpa

Schneeverwehungen in Norddeutschland

Der Automobilclub ADAC Hansa empfahl Autofahrern wegen des zu erwartenden heftigen Schneefalls, ihr Auto am Freitag stehenzulassen. „Zwar sind die Winterdienste den ganzen Tag im Einsatz, schwierige Verhältnisse mit teilweise glatten Straßen werden sich aber dennoch nicht verhindern lassen“, erklärte der ADAC. Er riet, – falls möglich – am Freitag im Homeoffice zu arbeiten.

Norddeutschland werde am Freitag mit Schneeverwehungen zu kämpfen haben, erklärte der DWD. „Es kommt zusammen, dass wir markanten Schneefall haben und der Wind deutlich zunimmt“, sagte Meteorologe David Menzel. Dabei seien in und um Hamburg sowie in Schleswig-Holstein stürmische Böen und an den Küsten Sturmböen zu erwarten. 

Einzeln seien weder der Neuschnee von 10 bis 15 Zentimetern noch das stürmische Wetter mit Böen von bis zu 70 Kilometern pro Stunde im Norden ein Problem oder Grund für eine Unwetterwarnung. Aber das Zusammenspiel mache es schwierig, sagte Menzel. „Das ist insofern ungünstig, weil es dauerhaft zu Schneeverwehungen kommen wird.“ Diese Wetterbedingungen und die Schneefälle werden im Norden Deutschlands am Freitag von etwa 6.00/7.00 Uhr an und für rund 24 Stunden erwartet. 

Sturmtief wirbelt Fährfahrplan durcheinander

Dieser Angler stört sich offenbar nicht an der Kälte.Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

Dieser Angler stört sich offenbar nicht an der Kälte.Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

© Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

Sturmtief „Elli“ mit vorhergesagtem starken Ostwind und Niedrigwasserstand wirbelt am Freitag auch die Fährfahrpläne zu den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr sowie auf die Halligen durcheinander. So fallen alle Verbindungen von und zu den Halligen aus, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei auf ihren Internetseiten mitteilte. Des Weiteren wurden den Angaben zufolge für Freitagvormittag bis kurz nach 12.00 Uhr alle Verbindungen zwischen den Inseln und Dagebüll gestrichen.

Einschränkungen im Busverkehr

Vielerorts im Norden ist es weiß.Frank Molter/dpa

Vielerorts im Norden ist es weiß.Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Im Kreis Dithmarschen wird aus Sicherheitsgründen der gesamte Busverkehr am Freitag vorsorglich eingestellt. Das betreffe sowohl den Regionalverkehr im Kreis Dithmarschen als auch den Stadtverkehr Heide, teilte der Betreiber SVG Südwestholstein mit. Der Kreis Nordfriesland wies darauf hin, dass Verkehrsunternehmen den Busverkehr bei Gefahr durch das Wetter einstellen können. Es liege im Ermessensspielraum der Verkehrsunternehmen, ob ein sicherer Betrieb möglich sei, teilte der Kreis mit.

Nach Angaben der DG Region ruht der Busverkehr der Autokraft am Freitag neben Dithmarschen auch in den Kreisen Steinburg, im Netz Nord und Süd in Nordfriesland (Netz Nord und Süd) sowie dort in Husum und in St. Peter-Ording.

Sturmflut an der Ostseeküste erwartet

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnte wegen des erwarteten Ostwinds vor einer Sturmflut. Die Warnung gilt ab Freitagabend. In der Kieler und der Lübecker Bucht werden bis etwa 1,10 Meter über dem Normalwert erwartet, in der Flensburger Förde sind es bis zu 1,25 Meter. In Flensburg könnte der Wasserstand ausreichen, um an tiefer gelegenen Stellen knapp über die Kaikanten zu treten. In Lübeck beginnt das Wasser bei mehr als einem Meter die Straße Obertrave zu überschwemmen. Laut Definition beginnt an der Ostsee eine Sturmflut ab einem Wasserstand von einem Meter über dem Normalwert. An der Nordsee sind es 1,5 Meter. 

Die Landesregierung sagte Ihren Neujahrsempfang in Tönning (Kreis Nordfriesland) ab. Die Wetterlage am Abend lasse eine sichere An- und Abreise der Gäste nicht zu, begründete die Landesregierung die Entscheidung. Sie hatte zu der ursprünglich für 17.30 Uhr geplanten Veranstaltung im Multimar Wattforum gut 200 Gäste erwartet aus den Konsularkorps, aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kirchen, Wissenschaft und Kultur.

Auf dem Bungsberg sind derzeit gute Rodelbedingungen.Frank Molter/dpa

Auf dem Bungsberg sind derzeit gute Rodelbedingungen.Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Schnee und Frost bieten Rodelspaß, aber auch Gefahren

Der frische Schnee ermöglicht vielen Kindern in Schleswig-Holstein, ausgiebig auf den Hügeln im Land zu rodeln. Aber der Frost bringt auch Gefahren mit sich. In Mölln wurde ein Mädchen von Anwohnern gerettet, nachdem sie durch das Eis in einen Teich gebrochen war. Die Zwölfjährige kam mit starker Unterkühlung in ein Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte. Für den Hund des Mädchens kam die Hilfe zu spät, er starb bei dem Unglück am Mittwochnachmittag im Wasser.

Beide waren den Angaben zufolge an der Anlegestelle des Schulsees in Mölln unterwegs. Das Kind konnte das Helferpaar noch durch Schreie auf sich aufmerksam machen. Der Mann zog das schon fast vollständig untergegangene Mädchen aus dem See.