Panorama

Rinder auf dem Wanderweg: So kommen Sie sicher vorbei

Sie gehören zur Alpenidylle wie die Berge und die Hütten. Allerdings sind Rinder keine Kulisse, sondern Tiere, denen man mit Respekt begegnen sollte. Wer das missachtet, bringt sich in Gefahr.

30.04.2026

Beim Wandern in den Bergen steht schon mal ein Rind auf dem Weg - mit Ruhe und etwas Abstand bleibt die Begegnung aber in guter Erinnerung.Tom Nebe/dpa-tmn

Beim Wandern in den Bergen steht schon mal ein Rind auf dem Weg - mit Ruhe und etwas Abstand bleibt die Begegnung aber in guter Erinnerung.Tom Nebe/dpa-tmn

© Tom Nebe/dpa-tmn

Läuft ein Wanderer in den Bergen herum, auf einmal steht da ein Rind. Klingt wie der Beginn eines Witzes, ist in den Alpen jedoch eine ernste Sache. Denn viele Wanderwege führen über die zahlreichen Almen.

Und dort gilt: Tiere sind Tiere, keine Kulisse. Was ist zu tun, wenn mal ein Rind im Weg steht oder gar aggressiv wird? Fragen und Antworten zum richtigen Wanderverhalten auf Almen:

Wo trifft man auf Tiere?

Rinder weiden oft in leichter erreichbaren Gegenden, wo auch viele Wege entlangführen. Dann kann es zu Begegnungen kommen.

„Almen sind primär Weidegebiete, dementsprechend ist wahrscheinlich, dort auf Vieh zu treffen“, sagt Judith Haaser von der Landwirtschaftskammer des österreichischen Bundeslandes Tirol. 

Allein in Tirol werden rund 110.000 Rinder, 68.000 Schafe, 3.000 Pferde und 6.000 Ziegen „gealpt“, wie es in der Fachsprache heißt. Das heißt, sie leben im Sommer in den Bergen. Der Almauftrieb, wenn die Tiere aus den Tälern auf die Bergweiden gebracht werden, ist je nach Region zwischen Anfang Mai und Ende Juni – am häufigsten rund um Pfingsten.

Wie hoch ist das Risiko bei Begegnungen?

Es passiert äußerst selten, doch Kühe haben Wanderer in der Vergangenheit schon angegriffen und schwer oder tödlich verletzt. 2024 wurde eine Wanderin im Schlossalmgebiet im Salzburger Land von einer Rinderherde niedergetrampelt. Solche tragischen Fälle machen deutlich, welche Wucht die Tiere entwickeln können – und dass man das nicht unterschätzen darf.

Jeder Unfall sei einer zu viel, so Haaser. Zugleich sagt sie: „Wenn man allerdings bedenkt, wie viel Vieh und wie viele Menschen sich auf den Almen tummeln, ist die Zahl der Zwischenfälle glücklicherweise sehr gering.“

„Leider merken wir immer wieder, dass der Respekt vor Rindern fehlt“, sagt sie. Haaser schildert etwa, dass in sozialen Netzwerken Bilder von Kindern zu sehen sind, die von ihren Eltern auf eine Kuh gesetzt wurden. Doch eine Alm ist kein Streichelzoo. Man müsse sich an Regeln halten und schlaumachen. In den Wandergebieten gibt es Flyer und Schilder zum korrekten Verhalten.

Welche Verhaltensregeln sollten Wanderer beachten?

„Wichtig ist, Tiere nicht zu provozieren, nicht versuchen zu streicheln und einfach generell Abstand zu halten“, sagt Judith Haaser.

Tatsächlich sind Rinder meist friedlich. Wer die Almen ruhig und ohne hektische Bewegungen auf den markierten Wegen durchschreitet, macht laut dem Deutschen Alpenverein alles richtig. 

Weil Rinder sich um den Verlauf von Wanderwegen mitunter nicht wirklich scheren, kann es sein, dass sie mal im Weg stehen – dann sollte man einfach einen Bogen um sie machen. Wichtig ist, die Rinder nicht zu erschrecken, denn sie sind schreckhaft. Und man sollte sie nicht mit den Augen fixieren.

Wo ist Vorsicht geboten?

Vor allem bei Kühen mit Nachwuchs. Mutterkühe haben einen ausgeprägten Schutzinstinkt und wollen ihre Kälber vor Gefahren schützen, heißt es auf dem Portal sichere-almen.at, das vom österreichischen Landwirtschaftsministerium verantwortet wird. Hier gilt umso mehr: nicht stören, nicht streicheln. Und vor allem mit Hunden vorsichtig sein.

Gerade Mutterkühe nehmen Hunde oft als Bedrohung wahr. Wer mit Hunden wandert, sollte das Queren von Kuhweiden vermeiden und Wege suchen, die um Weideflächen herumführen. Geht es nicht anders, sollte man den Hund an der kurzen Leine führen. Bei einem Angriff gilt aber: sofort Leine loslassen.

Vor Mutterkühen mit Kälbern sollten Wanderer besonders viel Abstand halten - insbesondere, wenn Hunde dabei sind.Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Vor Mutterkühen mit Kälbern sollten Wanderer besonders viel Abstand halten - insbesondere, wenn Hunde dabei sind.Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

© Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Auf welche Warnzeichen sollte man achten?

Wirken Kühe unruhig, sollte man die Weidefläche zügig verlassen. Es sei in der Regel bereits von Weitem zu erkennen, ob Kühe „auf Krawall gebürstet“ seien, so der Deutsche Alpenverein. Das Senken des Kopfes, Scharren, Brüllen oder Schnauben sind typische Drohgebärden.

Nähert sich eine Kuh, gilt der Rat: ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren, den Tieren ausweichen. Im „alleräußersten Notfall“ kann man der Kuh auf die Nase schlagen, heißt es vom Alpenverein. Zum Beispiel mit einem Wanderstock.

Und was ist mit anderen Tieren?

In erster Linie trifft man bei Bergwanderungen auf Rinder und nur gelegentlich auf Ziege und Schafen, wie Julian Rohn vom Deutschen Alpenverein berichtet. Die Verhaltensregeln seien aber für alle Tiere gleich: Abstand halten und Weidegebiet ruhig und zügig durchqueren.

Weidende Kühe sind keine Kuscheltiere - es gilt: nicht streicheln.Birgit Klimke/dpa/dpa-tmn

Weidende Kühe sind keine Kuscheltiere - es gilt: nicht streicheln.Birgit Klimke/dpa/dpa-tmn

© Birgit Klimke/dpa/dpa-tmn

Auge in Auge mit dem Rind - wer den Tieren respektvoll begegnet, hat in der Regel nichts zu befürchten. picture alliance/dpa

Auge in Auge mit dem Rind - wer den Tieren respektvoll begegnet, hat in der Regel nichts zu befürchten. picture alliance/dpa

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