Reiseverkehr: So kommen Autofahrer entspannter ans Ziel
Die Koffer sind gepackt, das Ziel steht fest. Aber irgendwo zwischen Vorfreude und Ankunft wartet sicher ein Stau. Was wirklich hilft, was erlaubt ist und wie man am Ende die Nerven behält.
Happy und relaxed zum Ziel: Gut, wenn man sich auf längeren Fahrten am Steuer abwechseln kann.Christin Klose/dpa-tmn
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Die Urlaubsfahrt gehört für viele fest zum Sommer – mit allem, was dazugehört: Vorfreude, volle Autobahnen. Und manchmal ist mehr Geduld gefragt, als noch übrig ist. Gerade auf den Hauptreiserouten kann es in den Ferienwochen eng werden.
Der ADAC rechnet auch in diesem Jahr wieder mit viel Stop-and-Go auf deutschen Autobahnen – besonders an den ersten Ferienwochenenden. Mit der richtigen Vorbereitung und den richtigen Tipps aber lässt sich das Gröbste vermeiden und der Rest deutlich entspannter nehmen.
Wie lässt sich Stau am besten vermeiden?
Am meisten hilft ein cleverer Start. Besonders voll wird es an Ferienwochenenden – typischerweise freitagnachmittags und samstagvormittags, so der Automobil-Club (ACV). Wer dienstags oder mittwochs reist oder frühmorgens startet, kann größere Staus oft umgehen.
Gängige Verkehrs-Apps bieten Prognosen für Tageszeiten und kennen Baustellen. „Ein Blick vor der Abfahrt kann helfen, bekannte Engstellen zu umgehen oder die Abfahrtszeit anzupassen“, rät Philipp Mathey vom ACV. In den Sommermonaten sorgt das Lkw-Fahrverbot (Samstag von 7.00 bis 20.00 Uhr und Sonntag ganztägig) auf vielen Autobahnen zumindest punktuell für Entlastung. Zur richtigen Vorbereitung gehört laut ACV auch, nicht mit fast leerem Tank zu starten.
Wie verreise ich richtig mit Kindern an Bord?
Gerade mit Kindern kann ein Stau schnell zur Belastungsprobe werden. Wichtig ist deshalb eine gute Vorbereitung. Laut dem Auto Club Europa (ACE) sollten Eltern lieber nur wenige, aber gut erreichbare Spielsachen einpacken. Kleinteile besser nicht, denn die können leicht herunterfallen und zur Ablenkung werden.
Und: Achtung an Reisetagen mit viel Sonne: „Selbst bei eingeschalteter Klimaanlage kann es schnell unangenehm heiß werden auf einzelnen Sitzplätzen“, sagt Jeannine Ulm vom ACE. Praktisch sind statisch haftende Sonnenschutzfolien, aber auch ein vor das Fenster gehängtes helles Tuch verschafft notfalls Abhilfe. Snacks, Getränke und Medikamente sollten jederzeit griffbereit sein.
Bei der Unterhaltung kommt es auf die richtige Wahl an. Kennzeichenraten, Hörspiele, Bücher oder Tablets. Der ACV empfiehlt, auch bei Musik oder Podcasts auf eine Auswahl zu setzen, die allen im Auto gefällt.
Was, wenn ein Stau droht? Navi folgen oder die Autobahn verlassen?
Grundsätzlich gilt: Navis kennen die aktuelle Verkehrslage und können Staus früh erkennen. Ihr Schwachpunkt: Wenn zu viele Fahrer gleichzeitig umgeleitet werden, verlagert sich der Stau auf Ausweichstrecken. „Den Vorschlägen des Navis sollte man grundsätzlich folgen, aber nicht unkritisch“, meint Philipp Mathey. Vor allem kurzfristige Abfahrten direkt vor einem Stau führten dem ACV zufolge oft in genauso volle Nebenstrecken. Eine Umfahrung lohne sich vor allem bei Vollsperrungen oder Staus von mehr als zehn Kilometern.
Wie oft sollte man Pause machen?
Der ACE empfiehlt, etwa alle zwei Stunden oder 200 Kilometer eine Pause von 15 bis 20 Minuten einzulegen. „Müdigkeit zählt zu den größten Konzentrationskillern im Straßenverkehr“, sagt Ulm. Erste Anzeichen wie häufiges Gähnen oder brennende Augen sollten ernst genommen werden. Koffein beseitigt die Erschöpfung nicht. Wer Kaffee trinkt, sollte ihn am besten direkt bei einer Pause vor einem kurzen Powernap nehmen: Das Koffein braucht rund 20 Minuten, bis es wirkt.
Was tun, wenn im Stau jemand dringend auf die Toilette muss?
Die Möglichkeiten sind begrenzt, deshalb ist Vorsorge wichtig. Der ACE empfiehlt kleine Notfalltoiletten oder Taschen-WCs, die wenig Platz benötigen. „Wer mit einem Wohnmobil unterwegs ist, hat es leichter, denn die Bordtoilette darf im Stand genutzt werden, wenn die Zündung aus ist“, sagt Jeannine Ulm. Beim Wohnwagen gilt das allerdings nicht, weil dafür die Fahrbahn betreten werden müsste.
Was ist im Stau verboten – und was kostet es?
Das Smartphone bleibt tabu, außer bei Stillstand mit ausgeschaltetem Motor. Wenden und Rückwärtsfahren sind strikt verboten. Wer die Rettungsgasse zum Vorankommen nutzt, riskiert dem ACE zufolge mindestens 240 Euro, zwei Punkte und ein Fahrverbot. Auch der Standstreifen ist grundsätzlich tabu. Er darf nur in Ausnahmefällen genutzt werden, etwa auf polizeiliche Anweisung oder wenn sonst keine Rettungsgasse gebildet werden kann. Gaffen kann Bußgelder bis zu 1.000 Euro nach sich ziehen. „Im Stau gelten ansonsten die gleichen Regeln wie im fließenden Verkehr“, betont Philipp Mathey.
Was gehört für den Stau-Notfall ins Auto?
Neben Verbandskasten und Warnweste rät der ACV, ausreichend zuckerfreie Getränke und gesunde Snacks griffbereit zu haben – Obst oder Nussmischungen halten den Blutzucker stabiler als Gummibärchen. Wer mit Kindern reist, packt altersgerechte Hörspiele ein: Sie verkürzen die Zeit und ermöglichen den Blick in Fahrtrichtung, was bei Reiseübelkeit hilft, so der ACE. Medikamente und Sonnenschutz gehören ebenfalls ins Handgepäck.
Wie bildet man eine Rettungsgasse richtig?
Die Regel ist einfach, wird aber im Stress oft falsch umgesetzt: Auf zweispurigen Autobahnen weicht der linke Fahrstreifen nach links aus, der rechte nach rechts – so entsteht in der Mitte eine freie Gasse.
Auf dreispurigen oder breiteren Fahrbahnen weicht nur der linke Streifen nach links aus, alle anderen orientieren sich nach rechts. „Viele Fahrer warten zu lange, bis der Stau komplett zum Stillstand gekommen ist“, erklärt Philipp Mathey. Dabei schreibt die Straßenverkehrsordnung vor, die Rettungsgasse zu bilden, sobald der Verkehr auf Autobahnen oder Straßen mit mindestens zwei Fahrstreifen stockt – also noch bevor alles steht. Wer die Gasse zu spät oder gar nicht freigibt, riskiert ein Bußgeld von mindestens 200 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot.
Was tun, wenn Kindern im Auto übel wird?
Reiseübelkeit gehört zu den häufigsten Problemen auf langen Familienfahrten – besonders Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren sind laut ADAC betroffen. Der Auslöser: Das Gleichgewichtsorgan nimmt die Fahrbewegungen wahr, während die Augen den stillstehenden Innenraum sehen – das Gehirn gerät in Konflikt. Abhilfe schafft zunächst die richtige Beschäftigung: Tablets oder Bücher, bei denen Kinder nach unten schauen, verstärken die Übelkeit eher.
Besser geeignet sind Hörbücher oder Ratespiele, bei denen der Blick in Fahrtrichtung bleibt. Wer bereits Symptome spürt, sollte laut ADAC einen ruhigen Punkt am Horizont fixieren und auf tiefes, gleichmäßiges Atmen achten. Auch die Reiseplanung kann helfen: Wer nachts fährt, umgeht das Problem oft ganz – schlafende Kinder entwickeln keine Reisekrankheit.
Darf man Kinder bei einer Pause allein im Auto lassen?
Nein – und der ADAC warnt ausdrücklich davor. Im Sommer steigt die Temperatur im Fahrzeug binnen kürzester Zeit auf 40, 50 oder sogar 60 Grad. Für Babys und Kleinkinder kann das lebensgefährlich werden. Auch ein Fenster einen Spalt zu öffnen, bringt laut ADAC praktisch nichts. Das Fahrzeug sollte in Pausen daher möglichst im Schatten geparkt werden – und falls kein schattiger Platz zu finden ist, empfiehlt der ADAC, Armaturenbrett, Lenkrad und Kindersitz mit einem hellen Tuch abzudecken, um Hautverbrennungen zu vermeiden.
Wie bleibe ich im Stau mental entspannt?
Der Stau ist selten das eigentliche Problem – sondern die Erwartung, pünktlich anzukommen. Pufferzeiten von mindestens einer Stunde seien einzuplanen und der Stau als Teil der Reise zu akzeptieren, nicht als Störfaktor, rät der ACE auch mit Verweis auf Verkehrspsychologen. Wer sich ärgert, fährt später nicht schneller – erhöht aber das Unfallrisiko.
Atemtechniken, ruhige Musik oder ein Hörbuch können helfen, die Anspannung zu lösen. „Nutzen Sie die erzwungene Pause bewusst: Familiengespräche, Spiele oder einfach mal schweigend die Landschaft betrachten“, rät Jeannine Ulm vom ACE. Wer weiß, dass Stau dazugehört, lässt sich von ihm seltener aus der Ruhe bringen.
Kein Affentheater: Gut gesichert und mit etwas Unterhaltung kommen auch die Kleinsten so stressfrei wie möglich ans Ziel.picture alliance / dpa-tmn
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„Ach, das gehört dazu“: Wer mit Staus rechnet und auch zeitlichen Puffer einbaut, fährt in der Regel gelassener.Henning Kaiser/dpa/dpa-tmn
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Blechlawine: Will man nicht, doch mit Staus muss man rechnen - ob hier die Rettungsgasse richtig gebildet wird?Hannes P Albert/dpa/dpa-tmn
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High-Five der etwas anderen Art? Nein, mag es auch kurzfristig für Frische sorgen, aber am sichersten sitzt man aufrecht mit den Beinen auf dem Boden, damit der Gurt optimal schützen kann.Uwe Anspach/dpa/dpa-tmn
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Navi als intelligenter Reiseplaner: Längst vorbei die Zeiten, als zusätzlicher Stress aufkam, weil der Beifahrer das Kartenmaterial auf dem Schoß nicht richtig lesen konnte.Christin Klose/dpa-tmn
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