Panorama

Papier-Siegel im Vergleich: Was steckt hinter den Labels?

Ganz auf Papier verzichten? Schwierig. Doch wer der Umwelt etwas Gutes tun will, kann zumindest bei der Auswahl einiges beachten. Was Sie vor dem Papierkauf wissen sollten.

09.04.2026

Kommt für den Drucker infrage - und fürs Klo: Recyclingpapier.Christin Klose/dpa-tmn

Kommt für den Drucker infrage - und fürs Klo: Recyclingpapier.Christin Klose/dpa-tmn

© Christin Klose/dpa-tmn

Von Verpackungskartons bis zum Drucker- oder Zeichenpapier: Papier landet nicht selten nach nur einer Nutzung im Altpapier. Eigentlich schade, denn seine Gewinnung ist aufwendig, für Papier aus Frischfasern wird viel Wasser, Energie und Holz benötigt. Der Prozess belastet die Umwelt stark. Zumal dabei oft gefährliche Chemikalien eingesetzt werden, die in Gewässern landen können, so das Umweltbundesamt (UBA). 

Doch was kann man tun? Ist Recyclingpapier eine gute Lösung? Und worauf kann man sonst noch achten?

Recycling versus Frischfaserpapier - was bringt es?

Recyclingpapier gibt es nicht nur für Druckerpapier und Schulhefte, sondern auch für Hygieneartikel wie Toilettenpapier. Und es lohnt sich laut Naturschutzbund Deutschland (NABU). Denn: Dafür müssen keine Bäume gefällt werden. 

Der Einsatz von Altpapier kann zudem Umweltbelastungen stark reduzieren. Das zeigen etwa UBA-Berechnung. Für die Gewinnung von Recyclingpapier wird demnach im Vergleich zur Herstellung von Frischfaserpapier

  • nur die Hälfte an Energie gebraucht,
  • nur ein Siebtel bis ein Drittel an Wasser benötigt,
  • weniger Treibhausgas erzeugt - im Schnitt um 15 Prozent weniger,
  • weniger Bleichmittel eingesetzt.

Ein konkretes Beispiel veranschaulicht die Auswirkungen: Bei einem Paket mit 500 Blatt Papier, das etwa 2,5 Kilogramm wiegt, spart man laut UBA rund 5,5 Kilo Holz sowie 7,5 Kilowattstunden Energie ein - das entspricht etwa der Energie, die man braucht, um 525 Kassen Kaffee zu kochen.

Noch ein positiver Aspekt: Hefte aus Altpapier sind laut NABU oft sogar preiswerter als Hefte aus Frischfasern.

FSC-Siegel versus Blauer Engel: Was bedeuten die Siegel?

Das Siegel „Blauer Engel“ garantiert, dass die Papierfasern aus 100 Prozent Altpapier gewonnen wurden. Bei der Herstellung ist zudem der Einsatz von Chlor, optischen Aufhellern oder halogenierten Bleichmitteln verboten. Der NABU empfiehlt das Zeichen, weil es den höchsten ökologischen Standard für Altpapierprodukte hat. 

Auch das Label „FSC Recycled“ steht für Papier aus 100 Prozent Recyclingmaterial - allerdings werden hier laut NABU auch Schnittreste aus der Papierindustrie verwendet. Zudem fehlen für die Herstellung der Recyclingprodukte etwa Vorgaben zum Einsatz von Energie, Wasser und Chemikalien.

Dann gibt es im Handel noch das „FSC“-Siegel. Allerdings geht es hier nicht um recycelte Papierprodukte, sondern um Papier aus Frischfasern - genauso wie beim „PEFC“-Siegel. Beide Siegel stehen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Der NABU rät jedoch zu „FSC“ - da die „PEFC“-Standards im Vergleich dazu schwächer sind. 

Bei der Kennzeichnung „Aqua Pro Natura - Weltpark Tropenwald“ besteht das Papier zu 100 Prozent aus Frischfasern. Das Siegel soll laut NABU garantieren, dass der Rohstoff nicht durch den Raubbau in tropischen Regenwäldern gewonnen wurde. 

Greenpeace rät gegenüber solchen Versprechen allerdings misstrauisch zu sein. Denn das Siegel schließe nicht aus, dass das Holz aus nordischen Urwäldern kommt. Zudem fehlen demnach eine unabhängige Zertifizierungsstelle sowie Kontrollen. 

Mehr Informationen zu bekannten Papiersiegeln finden sich etwa auf den Internetseiten vom NABU und von Greenpeace. 

Was chlorfrei oder holzfrei heißt - und was nicht

Will man die Umwelt schützen, lohnt es laut NABU auch bei Bezeichnungen wie chlorfrei oder holzfrei genauer hinzuschauen. 

Denn will man Chlor und Chlorverbindungen ausschließen, muss auf der Verpackung „100 % chlorfrei“ stehen. Die Bezeichnung „chlorfrei“ gebleicht reicht dafür nicht aus. 

Und steht auf einer Verpackung „holzfrei“, kann das Papier auch aus frischen Holzfasern bestehen. Die Bezeichnung sei irreführend. Sie bedeutet nur, dass im ersten Produktionsschritt unter hohem Energieaufwand das im Holz enthaltende Lignin abgetrennt wurde - wodurch das Papier weniger stark vergilbt und einen höheren Weißgrad hat. Sie ist also lediglich ein Qualitätsmerkmal, lässt laut NABU aber keine Schlüsse auf ökologische Vorteile zu.

Übrigens: Recyclingpapier ist heutzutage nicht zwangsläufig nur grau oder braun. Es gibt weißes Kopierpapier und braune Versandkartons aus Altpapier. Aber: Abhängig davon, wie strahlend-weiß das Papier ist, kommen mehr oder weniger Chemikalien zum Einsatz.

An ihm kann man sich beim Papierkauf getrost orientieren: Der „Blauer Engel“ ist eine bekannte Kennzeichnung unter anderem für Recyclingpapier.Bernd Diekjobst/dpa-tmn

An ihm kann man sich beim Papierkauf getrost orientieren: Der „Blauer Engel“ ist eine bekannte Kennzeichnung unter anderem für Recyclingpapier.Bernd Diekjobst/dpa-tmn

© Bernd Diekjobst/dpa-tmn

Muss nicht zwangsläufig schmutzig-grau oder braun sein: Recyclingpapier gibt es in verschiedenen Tönen.picture alliance / dpa

Muss nicht zwangsläufig schmutzig-grau oder braun sein: Recyclingpapier gibt es in verschiedenen Tönen.picture alliance / dpa

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