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Nimmt mir KI den Job – oder macht sie ihn endlich leichter?

Künstliche Intelligenz verändert das Arbeiten rasant. Wie Sie mit ein wenig Mut und neuen Fähigkeiten aus dem Technik-Trend einen Karriere-Booster machen – und was KI niemals ersetzen kann.

03.02.2026

Die Rolle des Mitarbeiters verändert sich in Zeiten von KI.picture alliance / Westend61

Die Rolle des Mitarbeiters verändert sich in Zeiten von KI.picture alliance / Westend61

© picture alliance / Westend61

Sie arbeitet schnell, effizient und kostengünstig: „Künstliche Intelligenz“ klingt nach dem besten Pferd im Stall, der perfekten Lösung zum besten Preis, dem idealen Mitarbeiter. 

Aber ist sie das auch? Ist KI wirklich knallharte Konkurrenz oder vielleicht doch eher Unterstützung? Und wo genau liegt das Potenzial und wie können Arbeitnehmer es für sich nutzen? 

Matthias Peissner, Leiter des Forschungsbereichs Mensch-Technik-Interaktion am Fraunhofer-Institut und Melanie Arntz, Vizedirektorin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), geben Antworten.

Was ist überhaupt KI und was kann sie?

Wenn von Künstlicher Intelligenz die Rede ist, sind Systeme gemeint, die viel mehr können, als Routinen zu automatisieren. „Wir reden hier von einer Technologie, die beispielsweise in großen Datenmengen Muster erkennen, Vorhersagen generieren oder Entscheidungsunterstützungen ableiten kann“, sagt Matthias Peissner. 

Kurzum: KI automatisiert keine Prozesse. Sie leistet etwas, das der Mensch nicht kann: Sie greift gleichzeitig auf unzählige Datensätze zu. Den Menschen braucht es aber trotzdem noch. „Anders als bei Technologien der Vergangenheit, liegt der Fokus viel stärker auf dem Zusammenspiel mit dem Menschen“, sagt Melanie Arntz.

Professioneller dank KI-Booster

Etwa 60 Prozent der Arbeitnehmer nutzen laut einer IAB-Erhebung schon heute KI im Arbeitsalltag. Häufig, ohne dass die Systeme formal vom Arbeitgeber eingeführt wurden. „Die Arbeitnehmer machen das zum Teil selbst motiviert, weil sie sehen, dass es Vorteile haben kann, KI-unterstützt zu arbeiten“, sagt Arntz. 

KI – an den richtigen Stellen eingesetzt – steigert die Produktivität. „Zum Beispiel kann sie Menschen mit wenig Berufserfahrung dahingehend unterstützen, dass sie ihre Tätigkeit ähnlich gut wie Berufserfahrene ausführen können“, so Arntz.

Kollege KI übt Druck aus

Besonders starke Auswirkungen hat die Technologie auf Tätigkeiten, die mit Daten zu tun haben, so Matthias Peissner. Aber auch im Verfassen von Texten, Recherchieren, Rechnen, Planen und Entscheiden sind KI-Systeme stark. 

Der Veränderungsdruck sei insbesondere bei höherqualifizierten Berufsgruppen stark angestiegen, erklärt Melanie Arntz. Das ist aber nicht mit dem Risiko von Jobverlusten gleichzusetzen. „Es bedeutet, dass diese Berufsgruppen sich stärker darauf einstellen müssen, dass sich ihre Arbeitsweise mit der Technologie verändert“, sagt die Expertin.

Hurra, Entlastung!

Wie positiv das sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Medizin. Anders als der Arzt, kann die künstliche Intelligenz jederzeit auf das gesammelte Wissen der aktuellen Forschung zugreifen, sagt Matthias Peissner. Also Daten oder Studien suchen, bei der Forschung unterstützen, das kann KI. „Für die individuelle Betreuung der Patienten ist natürlich weiterhin der medizinische Experte als Mensch gefordert“, so der Wissenschaftler. Idealerweise ist dafür dank KI dann mehr Zeit.

Auch in vielen anderen Bereichen können die Systeme Entlastung schaffen. „Denken wir etwa an Programmierer, hier kann die KI standardisierte Prozesse inzwischen schon gut allein bewerkstelligen“, sagt Melanie Arntz. So bleibe mehr Zeit, um sich mit komplexeren IT-Prozessen und deren Gestaltung zu beschäftigen.

Apropos Gestaltung: Auch kreative Tätigkeiten wie beispielsweise die des Grafikdesigners verändern sich voraussichtlich stark, sagt Matthias Peissner. Möglicherweise gehen dadurch zwar klassische Aufträge verloren. Gefordert sind umso mehr: persönlicher Geschmack, ein Gespür für Trends und die Fähigkeit, strategische Beratungen anzubieten. 

Das kann KI nicht

Was die KI nicht übernehmen kann: Verantwortung. „Dazu braucht es viel Fachwissen. Ich muss die Entscheidungsvorgabe der KI beurteilen können“, so Melanie Arntz. Dieses Wissen in Kombination mit (ethischem) Urteilsvermögen und kommunikativen Fähigkeiten werde auch in der Zukunft eine wichtige Basis der Arbeit sein.

Die Beurteilung der KI und die Fähigkeit einzuschätzen, wo man sie gewinnbringend einsetzen kann, setzt einen guten Überblick voraus sowie die Fähigkeit, vernetzt zu denken. Statt dem Ausführen der eigentlichen Tätigkeit verschiebt sich die Kompetenz der Mitarbeiter künftig wahrscheinlich eher in Richtung Instruieren und Überwachen, sagt Matthias Peissner. 

KI-Kompetenz wird zum Türöffner

Was könnten Arbeitnehmer also tun, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Ganz klar: Die Scheu vor der neuen Technologie ablegen, so Melanie Arntz. „KI-Kompetenzen zu haben, ist etwas, das einem in nächster Zeit sicher Türen öffnen wird“, sagt sie. Denn: Erst wer sich mit den Chancen und den Möglichkeiten der Technologie beschäftigt, wird mit Kollege KI zum eingespielten Team.