Panorama

Netflix lässt über Hitler lachen - zum 100. von Mel Brooks

Ein Musical, das Hitler parodiert, wird zum Broadway-Hit. Das ist der Stoff von Mel Brooks‘ „The Producers“. Nun ist die Verfilmung von 2005 mit Nathan Lane und Matthew Broderick im Netflix-Programm.

01.07.2026

Mel Brooks vor 20 Jahren vor einem Plakat zum Film „The Producers“. (Archivbild)Juanjo Martin/EFE/EPA/dpa

Mel Brooks vor 20 Jahren vor einem Plakat zum Film „The Producers“. (Archivbild)Juanjo Martin/EFE/EPA/dpa

© Juanjo Martin/EFE/EPA/dpa

„Der Führer, jetzt kommt er! Der Führer, jetzt kommt er!“: Wer das Musical „The Producers“ besucht, traut seinen Ohren kaum. Darf man das? Über Hitler lachen? Man muss, lautet das Motto dieses Klassikers von Mel Brooks, dem soeben 100 Jahre alt gewordenen Humor-Altmeister. Netflix hat jetzt in sein Flatrate-Programm die Verfilmung von 2005 aufgenommen, mit Stars wie Uma Thurman, Nathan Lane und Matthew Broderick. Sehenswert.

In Liedtexten des Musicals fallen Sätze wie „Frühling für Hitler und Vaterland, Winter für Frankreich und Pol’n!“. Oder auch: „Sei nicht blöd, du kleiner Bazi, komm zu uns und werde Nazi“ (Original: „Don’t be stupid, be a smarty, come and join the Nazi party“). 

Es ist ein sarkastisches Stück, das Brooks da schuf, der auch Kultfilme wie „Frankenstein Junior“ oder „Spaceballs“ machte. Er wurde am 28. Juni 1926 als Melvin Kaminsky in Brooklyn (New York) geboren, als Sohn jüdischer Einwanderer aus Europa (Vater aus Danzig, Mutter aus Kiew).

Die Idee zu „The Producers“, zunächst als Film, hatte Brooks vor rund 60 Jahren. Für das Originaldrehbuch gewann er 1969 einen Oscar (und schlug unter anderem Stanley Kubrick, der für „2001: Odyssee im Weltraum“ nominiert war).

Für sein schrilles Regiedebüt hatte Brooks damals Gene Wilder und Zero Mostel vor die Kamera geholt. Die Story: Zwei jüdische Broadway-Produzenten wollen in den 50er Jahren unbedingt einen Flop auf die Bühne bringen, um dann die Investoren (umgarnte ältere Damen) zu prellen und sich mit dem Geld nach Brasilien abzusetzen. Auf der Suche nach dem garantiert miesesten Musical-Stoff, der schnell wieder abgesetzt werden wird, stoßen sie auf das Stück „Frühling für Hitler“. Entgegen aller Erwartungen wird die Produktion mit einem tuntig dargestellten Diktator jedoch zum Hit und als geniale Satire gefeiert.

Musical hält den Tony-Rekord

Im Jahr 2001 kramte Brooks seinen gewagten Klamauk aus den 60ern um Juden, Blondinen und Nazis wieder hervor und brachte „The Producers“ als Broadway-Musical heraus. Auch dort wurde die Hitler-Parodie zur Sensation. Sie gewann insgesamt 12 Tony-Trophäen und ist nach wie vor das mit den meisten Tony Awards ausgezeichnete Stück („Hamilton“ holte 2016 elf Tonys).

Im Jahr 2005 kam dann nach dem Drehbuch von Brooks, aber unter der Regie der Theaterregisseurin Susan Stroman, erneut ein Film mit dem Titel „The Producers“ ins Kino. Er trägt auch in Deutschland diesen Titel, während der Film von 1968 im deutschsprachigen Raum als „Frühling für Hitler“ firmiert (zu sehen etwa beim Streamingdienst Joyn).

Uma spielt Ulla

Der Film von 2005 lebt vor allem von Uma Thurman („Pulp Fiction“, „Kill Bill“), die als ehrgeiziges Showgirl Ulla aus Schweden eine sogenannte Sexbombe darstellt. Ulla und allerhand schrille Showstars spielen die ahnungslosen Akteure in dem absurden Broadway-Stück im Film, das möglichst nach der Premiere wieder abgesetzt werden soll. So jedenfalls wünschen es sich bekanntlich der durchtriebene Theaterproduzent Max Bialystock (Nathan Lane) und sein blasser Buchhalter Leo Bloom (Matthew Broderick).

Die Produzenten kaufen den Stoff beim psychopathischen Drehbuchautor und unverbesserlichen Hitler-Verehrer Franz Liebkind (Will Ferrell). Dann gewinnen sie den divenhaften Regisseur Roger deBris (Gary Beach) und seine männliche Assistentin Carmen Ghia (Roger Bart) für die Inszenierung. 

Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Die Parodie auf einen schwulen Führer mit einer Revue voller Tänzer in Nazi-, Perlen-, und Panzerkostümen entpuppt sich als Riesenhit. Und damit fangen Max‘ und Leos Probleme erst richtig an.

In Stromans Verfilmung haftet die Kamera an den singenden und Grimassen schneidenden Gesichtern der Schauspieler. Deren Spiel hatte seit 2001 Tausende am Broadway begeistert. Lane, Broderick, Beach und Bart waren vor nun 25 Jahren die Stars der Show in Manhattan. Der Film setzt ihnen ein Denkmal. 

Man sollte auch den Abspann des über zweistündigen Films gucken, denn selbst da hören die Gags nicht auf.