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Nägelkauen stoppen: Was hilft?

Nägelkauen entsteht meist aus Stress oder Langeweile. Ist das Verhalten stark ausgeprägt, kann es Alltag und Gesundheit belasten. Es gibt aber Gegenstrategien.

07.07.2026

Wenn Kauen zum Ventil wird: Hinter Nägelkauen steckt meist eine eingeschliffene Gewohnheit, die häufig dem Stressabbau dienen soll. Andrea Warnecke/dpa-tmn

Wenn Kauen zum Ventil wird: Hinter Nägelkauen steckt meist eine eingeschliffene Gewohnheit, die häufig dem Stressabbau dienen soll. Andrea Warnecke/dpa-tmn

© Andrea Warnecke/dpa-tmn

Eine herausfordernde Aufgabe bei der Arbeit hält Sie auf Trab. Erst nachdem Sie die Aufgabe abgeschlossen haben, stellen Sie fest: Ihre Nägel sind bis aufs Nagelbett abgekaut. Mit diesem Verhalten sind Sie nicht allein - Nägelkauen gilt unter Erwachsenen als verbreitet.

Was steckt dahinter?

Zu den häufigsten Gründen für Nägelkauen zählen Stressabbau, Langeweile oder auch Lust und Belohnung, wie Steffen Moritz, Leiter des Forschungsbereichs Neuropsychologie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf in der Zeitschrift „Apotheken Umschau“ (Ausgabe A7/26) erklärt. Auch die Anlage zu brüchigen Nägeln könne eine Rolle spielen. Anders als manchmal angenommen seien Selbsthass oder Autoaggression hingegen selten eine Ursache für das Verhalten.

Wann wird Nagelkauen problematisch?

Ab und an mal an den Nägeln zu kauen oder Nagelhaut abzuzupfen, ist ganz normales Verhalten und nicht zwingend Teil oder Zeichen einer psychischen Störung. Bei vielen Menschen ist Nägelkauen schlicht eine fest eingeschliffene Gewohnheit - ein automatisierter Ablauf, der sich oft in Zeiten von Stress oder Belastung entwickelt hat.

Ist die Angewohnheit sehr ausgeprägt und werden die Nägel regelmäßig bis zum Nagelbett abgekaut, kann sich das Risiko für Entzündungen erhöhen. Auch Krankheitserreger können so leichter in den Körper gelangen.

Grundsätzlich ist es ratsam, über professionelle Hilfe nachzudenken, wenn man stark unter dem Nägelkauen leidet, sich dafür schämt oder bestimmte Dinge im Alltag vermeidet, heißt es in der Zeitschrift. Die Angewohnheit kann andernfalls zunehmend Stimmung, Selbstwert und Alltag belasten. Betroffene können sich zum Beispiel an ihren Haus- oder Hautarzt wenden.

Nägelkauen in ausgeprägter Form kann zu den sogenannten körperbezogenen repetitiven Verhaltensweisen (engl.: Body-focused repetitive behaviors; BFRBs) gehören. Darunter fallen auch das Bearbeiten der eigenen Haut (Skin Picking), Haareausreißen (Trichotillomanie) sowie Wangen- und Lippenbeißen. Ein Kennzeichen dieser Verhaltensweisen: Betroffene können sie nicht unterlassen, auch wenn sie sich sehr anstrengen und es eigentlich möchten.

Kann man die Angewohnheit auch selbst überwinden? 

Zur Überwindung von gewohnheitsmäßigem Nagelkauen gibt es bewährte Selbsthilfe-Methoden. Zum einen geht es darum, zu verstehen, welche Funktionen das Verhalten erfüllt. Soll es zum Beispiel entspannen oder stimulieren? Im nächsten Schritt kann man sich überlegen, wie sich diese Bedürfnisse anderweitig befriedigen lassen. Etwa mit Tools wie Akupressurringen oder Massagebällen.

Eine spezifische und wissenschaftlich erprobte Technik ist zudem die sogenannte Entkopplung, entwickelt von Steffen Moritz und seinem Team am UKE Hamburg-Eppendorf. Das Prinzip: Die gewohnte Bewegung - etwa die Hand zum Mund zu führen - wird nicht einfach unterdrückt, sondern kurz vor dem Ziel in eine neue Richtung umgelenkt, zum Beispiel zum Ohrläppchen. So soll das automatisierte Verhalten schrittweise verlernt werden. Steffen Moritz rät Betroffenen außerdem, immer eine Feile bei sich zu tragen und die Nägel möglichst kurz zu halten.