Nach Fährunglück vor Zypern Tauchgang zum Wrack geplant
In rund 500 Metern Tiefe liegt das Wrack der Fähre auf dem Grund des Mittelmeers. Ein Tauchgang mit Spezialgerät soll auch Aufschluss über die Unfallursache geben. Noch immer werden Menschen vermisst.
Ein Spezialschiff aus der Türkei wird erwartet.Nedim Enginsoy/AP/dpa
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Nach dem Fährunglück mit mehreren Toten vor der Mittelmeerinsel Zypern dauert die Suche nach 20 Vermissten an. Für einen Tauchgang zu dem in rund 500 Meter Tiefe liegenden Wrack wird derzeit ein Spezialschiff aus der Türkei in Nordzypern erwartet, erklärte Ministerpräsident Ünal Üstel. Für die Suche zu Wasser und aus der Luft seien mehrere Boote, Helikopter, ein Flugzeug und Drohnen im Einsatz.
Am Montagabend galten noch 20 Menschen als vermisst, darunter mindestens zwei Kinder. Tufan Erhürman, der Präsident der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern, hatte am Montag Medien zufolge erklärt, man wolle nach den vermissten Personen und dem Schiffsdatenschreiber suchen.
Der Schiffsdatenschreiber speichert fortlaufend Daten wie Position, Kurs, Geschwindigkeit, Radardaten, Maschinenstatus und Alarme. Die Analyse dieser Informationen soll dabei helfen, den Hergang des Unglücks zu rekonstruieren.
Einsatz von ferngesteuertem Unterwasserfahrzeug
Das türkischen Rettungs- und Bergungsschiff TCG IŞIN (A-583) verfügt der nordzyprischen Tageszeitung „Zypernpost“ zufolge über besondere Technologie, mit der Aufklärungseinsätze in tiefen Gewässern durchgeführt werden können. Es ist demnach etwa mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug und einen Panzertauchanzug (ADS) ausgestattet.
Die Express-Fähre „Filo Jet“ war am Sonntag kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) im Norden der Mittelmeerinsel auf dem Weg ins südtürkische Mersin gekentert. Aus noch ungeklärten Gründen drang Wasser ein, der Katamaran lief voll, kippte zur Seite - und sank schließlich wenige Kilometer vor der Küste. Bei dem Unglück kamen offiziellen Angaben zufolge acht Menschen ums Leben, 239 Menschen konnten gerettet werden.
Leichen in die Türkei überstellt
Drei der Gestorbenen wurden zum Begräbnis in die türkischen Städte Gaziantep und Mersin überstellt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Nord-zyprische Medien veröffentlichten die Namen der gestorbenen und vermissten Personen, die Staatsbürgerschaften aller Betroffenen sind bisher aber nicht bekannt.
Kapitän in Untersuchungshaft
Einige gerettete Passagiere hatten schwere Vorwürfe gegen die Besatzung erhoben. Gegen den Kapitän und acht weitere Verdächtige wurde am Montag eine dreitägige Untersuchungshaft angeordnet. Ihnen wird „Tötung durch Fahrlässigkeit und Unachtsamkeit“ vorgeworfen.
Zypern ist seit 1974 nach einem Putsch nationalistischer griechischer Zyprer und einer darauffolgenden türkischen Militärintervention de facto geteilt. Im Jahr 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) proklamiert, die weltweit nur von der Türkei anerkannt wird.