Panorama

Mordfall von 1984 – Gericht zweifelt trotz DNA-Spur

Im Prozess um den Mord an einem Professor vor 42 Jahren deuten Spuren und eine Zeugenaussage auf den Angeklagten. Dennoch äußert der Richter Unbehagen.

24.03.2026

Der Angeklagte neben seiner Anwältin. (Archivbild)Oliver Berg/dpa

Der Angeklagte neben seiner Anwältin. (Archivbild)Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Im Prozess um den Mord an einem Psychologieprofessor hat der Vorsitzende Richter angesichts der Beweislage Zweifel geäußert. Der Strafkammer sei nicht wohl dabei, „auf Basis von nur drei Beweisanzeichen und nahezu ausschließlich auf Aktenlage eine so weitreichende Entscheidung zu treffen“, sagte der Vorsitzende Richter Rainer Drees. Das Gericht habe kein Interesse daran, den Angeklagten „um jeden Preis zu verurteilen“.

Dem 63-jährigen Angeklagten, der bislang zu den Vorwürfen schweigt, droht am Düsseldorfer Landgericht lebenslange Haft wegen Mordes. Der Richter forderte die Verteidigerin auf, mit ihrem Mandanten über eine Einlassung zu reden. „Dabei geht es uns nicht darum, ihn ins Messer laufen zu lassen“, betonte der Richter. Vielmehr könne seine Aussage dem Gericht bei der Entscheidung helfen.

In der Vorwoche hatte der Richter erklärt, es sei „eher unwahrscheinlich, dass ein anderer als der Angeklagte die Tat begangen habe“. Der Angeklagte habe seine Fingerabdruck- und DNA-Spuren am Tatort „tatzeitnah“ hinterlassen und die Tat einem Zeugen zufolge später eingeräumt.

Weiterer Mann durch DNA-Probe entlastet 

Allerdings soll auch ein weiterer Mann die Tat später einem Zeugen gegenüber eingeräumt haben. Dessen Speichelprobe war in der vergangenen Woche zum DNA-Abgleich genommen worden. Der Abgleich entlastete den Mann aus Bottrop: Seine DNA passt nicht mit den am Tatort entdeckten DNA-Spuren überein. 

Der Professor war im April 1984 in seinem Wohnhaus in Hilden bei Düsseldorf erstochen worden. 24 Messerstiche in Rücken, Nacken und den rechten Brustbereich wurden damals festgestellt. 

Fast 42 Jahre später wird in Düsseldorf gegen einen heute 63 Jahre alten Angeklagten aus Italien verhandelt. Zur Tatzeit war er 21 Jahre alt und soll im Rheinland als Prostituierter gearbeitet haben. 

Der Angeklagte war bereits damals ins Visier der Mordkommission geraten. Sein Fingerabdruck war an einem Teller in der Küche des Professors entdeckt worden. Dort soll der Wissenschaftler seinen späteren Mörder bewirtet haben.

DNA-Spuren an der Leiche

Deswegen wurde dem Mann, der inzwischen in Italien lebte, Jahrzehnte später eine DNA-Probe abverlangt. Sie passt laut den Ermittlungen zu einer DNA-Spur an der Leiche des Professors und an einem Tuch im Schlafzimmer. Damals hatten diese Spuren noch nicht entschlüsselt und ausgewertet werden können. 

Außerdem soll der Italiener damals gegenüber einem inzwischen verstorbenen Zeugen das Tötungsdelikt zugegeben haben. Verteidigerin Hannah Piel hatte beim Prozessauftakt gesagt, ihr Mandant beteuere seine Unschuld. An der Leiche des Professors sei DNA von vier verschiedenen Männern entdeckt worden.

Der verwitwete Professor soll mehrfach männliche Prostituierte mit nach Hause gebracht haben. Da weder ein Fenster eingeschlagen noch eine Tür aufgebrochen war, ging die Kripo damals davon aus, dass der Hochschullehrer seinen Mörder selbst hereingelassen und vermutlich gekannt hatte. Die drei Kinder des verwitweten, alleinerziehenden Vaters wurden durch die Tat zu Vollwaisen. Der Prozess wird am 13. April fortgesetzt.