Panorama

Manta, Manta: Zu den Riesenrochen im Baa-Atoll

In der Hanifaru Bay auf den Malediven versammeln sich zur Manta-Saison bis zu 100 Riesenrochen auf engstem Raum – ein Naturschauspiel, das weltweit einzigartig ist.

16.08.2026

Als würden sie fliegen: Mantarochen in einer Lagune.Visit Maldives/dpa-tmn

Als würden sie fliegen: Mantarochen in einer Lagune.Visit Maldives/dpa-tmn

© Visit Maldives/dpa-tmn

Ohne Vorwarnung wäre das Herzinfarktrisiko womöglich erhöht: Zumindest der Puls steigt, wenn beim Schnorcheln im Indischen Ozean plötzlich ein riesiger Schatten im Wasser auftaucht. Erst einer, dann noch einer und plötzlich ist man umzingelt von fast vier Meter breiten Kreaturen.

Aber die Riesen mit den weit aufgerissenen Mäulern sind harmlos. Es sind Mantarochen, die mit behutsamen Flossenschlägen durch das fast 30 Grad warme Wasser der Hanifaru Bay gleiten.

Für die Mantas ist diese Lagune im Baa-Atoll der Malediven der Himmel auf Erden. In den Sommermonaten bis in den Frühherbst drückt der Südwestmonsun Unmengen Plankton in die Bucht. Wie in einem Trichter sammelt sich das nährstoffreiche Wasser. Der Tisch ist gedeckt für die majestätischen Rochen.

Es gibt weltweit einige Orte, wo man Mantas beobachten kann. Dazu zählen Raja Ampat in Indonesien, Yap in Mikronesien, die Socorro‑Inseln vor Mexiko oder Nusa Penida bei Bali. Was die Hanifaru Bay jedoch einzigartig macht, ist die Dichte der Tiere auf engstem Raum, die bequeme Erreichbarkeit von den Resorts und Gästehäusern aus und die Verlässlichkeit, mit der Monsun, Strömung und Gezeiten dieses Schauspiel Jahr für Jahr ermöglichen.

Hat ihren Abschluss an der Universität in Oxford gemacht: Meeresbiologin Nairika Bharucha vom Resort „Milaidhoo“.Bernhard Krieger/dpa-tmn

Hat ihren Abschluss an der Universität in Oxford gemacht: Meeresbiologin Nairika Bharucha vom Resort „Milaidhoo“.Bernhard Krieger/dpa-tmn

© Bernhard Krieger/dpa-tmn

„Nirgendwo weltweit gibt es eine Lagune mit so viel Plankton“, erklärt Meeresbiologin Nairika Bharucha vom Resort „Milaidhoo“. So spielt sich in der Hanifaru Bay Jahr für Jahr ein weltweit einzigartiges Spektakel ab: der Tanz der Mantas.

Mantas nehmen Steilkurven

Malediven, wo Urlaubsträume wahr werden - für Touristen, die es sich leisten können.picture alliance/dpa/dpa-tmn

Malediven, wo Urlaubsträume wahr werden - für Touristen, die es sich leisten können.picture alliance/dpa/dpa-tmn

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Während Mantas in den Weiten des Ozeans allein oder in kleinen Gruppen cruisen, geraten die ansonsten so gelassen anmutenden Tiere in der Lagune auch in Hektik. „Manchmal tummeln sich bis zu 100 Tiere gleichzeitig in der Hanifaru Bay“, sagt die Meeresbiologin aus Indien, die ihren Abschluss an der Universität in Oxford gemacht hat.

Da die Lagune nur fußballfeldgroß und knapp 20 Meter tief ist, herrscht Gedränge am Buffet. Jeder Manta versucht möglichst viel von der Plankton-Suppe abzubekommen. Um nicht zusammenzustoßen, schwimmen die Rochen dabei Steilkurven und Salti. 

Der Eintritt zum Naturschauspiel ist streng limitiert. Die Hanifaru-Lagune ist ein besonders geschützter Bereich innerhalb des Baa-Atolls, das seit 2011 zu den Biosphärenreservaten der Unesco zählt. Tauchen mit Sauerstofflaschen ist seit 2012 verboten, nachdem Tauchausflüge überhandnahmen und die Zahl der Mantas zurückgegangen war.

 

So dürfen nur lizenzierte Guides wie Bharucha zu vorgegebenen Zeiten Gäste zum Schnorcheln mit den Mantas begleiten. Die Besuchszeiten werden auf die umliegenden Ferienresorts aufgeteilt. Maximal acht Gruppen mit höchstens zehn Personen sind gleichzeitig in der Lagune erlaubt. Ihr Aufenthalt ist auf 45 Minuten beschränkt.

Drohnen in Tierschutz-Mission

„Wir steigen mit Schnorchelausrüstung ins Wasser und lassen uns dann von der Strömung bis zu unserem wartenden Boot am Ende der Lagune durch die Mantas treiben“, erklärt Bharucha auf der kurzen Bootsfahrt nach Hanifaru. Die Tiere dürften nicht bedrängt oder berührt werden. Auch Blitzlicht für Unterwasserfotos sei nicht erlaubt.

Neben Guides wie Bharucha überwachen Ranger, dass Mensch und Tier das Schauspiel unbeschadet überstehen – und das sogar mit Drohnen im Wasser und in der Luft. Aus der Vogelperspektive sind die nicht tief schwimmenden Mantas im oft glasklaren Wasser leicht auszumachen.

Malediven, wo Taucherträume wahr werden - an einem der vielen Korallenriffe.Visit Maldives/dpa-tmn

Malediven, wo Taucherträume wahr werden - an einem der vielen Korallenriffe.Visit Maldives/dpa-tmn

© Visit Maldives/dpa-tmn

In ihrem Marine-Center auf der Insel erklärt die Biologin, dass jeder Manta ein typisches Punktemuster hat: „Das ist so individuell wie der Fingerabdruck eines Menschen.“ Das Maldives Manta Conservation Programme (MMCP) hat bislang mehr als 6.000 Mantas auf den Malediven registriert. Wer einen bislang unbekannten Manta fotografiert und dem MMCP meldet, dürfe ihm einen Namen geben.

Die meisten Mantas auf den Malediven seien ortstreue Riffmantas von rund vier Metern Breite. Zuweilen sähe man aber auch die in den Ozeanen wandernden Riesenmantas mit bis zu neun Metern Spannweite – und manchmal mische sich auch noch ein Walhai unter die Mantas. Mit durchschnittlich rund sechs Meter Länge ist er der größte Fisch der Meere und ebenfalls ein friedlicher Planktonfresser.

Riffhaie auf Patrouille

Obwohl Bharucha schon Hunderten Mantas begegnet ist, ist sie immer noch von den riesigen Rochen fasziniert: „Mantas sind sehr intelligent. Sie haben das größte Hirn‑Körpergewicht‑Verhältnis von allen Fischen“, erläutert die Biologin. Sie spricht von den „Big Five der Meere“ und nennt neben den Mantas Wale, Haie, Delfine und Schildkröten. „All diese Tiere können wir hier auf den Malediven sehen.“ 

„Milaidhoo“ ist von einem Hausriff umgeben, das den flachen Sandfleck mitten im Indischen Ozean davor bewahrt, von den Wellen abgetragen zu werden. Auch wenn die durch den Klimawandel angeheizte Erwärmung der Meere den Riffen in den vergangenen Jahren mächtig zugesetzt hat, ist das Hausriff trotz mehrerer Korallenbleichen immer noch bunt und artenreich.

Schwarzspitzen-Riffhaie patrouillieren friedlich durch bunte Fischschwärme, Schildkröten knabbern neugierig an Korallen. Und mittendrin schwimmen Schnorchler, die vom Strand mit wenigen Flossenschlägen das Riff erreichen. 

Auch Guesthouses bieten Manta-Touren

Wer die Mantas auf den Malediven in einem der Top-Resorts im Baa-Atoll erleben will, muss sehr tief in die Tasche greifen. Viel billiger sind sogenannte Guesthouses auf Einheimischeninseln, die von den Rangern der Hanifaru Bay Termine bei den Mantas bekommen.

Anders als in den Ferienresorts gibt es in den Pensionen in dem streng muslimischen Land keinen Alkohol. Essen und Zimmer sind viel einfacher. Das Manta-Erlebnis ist für die Pensionsgäste aber genauso wie für die Gäste der Luxusresorts.

Links, Tipps, Praktisches:

Reiseziel: Die Malediven sind ein Inselstaat im Indischen Ozean südwestlich von Indien. Die Hanifaru Bay ist Teil des Baa-Atoll, das rund 120 Kilometer nördlich der Hauptstadt Malé liegt. 

Anreise: Nonstop-Flüge nach Malé gibt es ab Frankfurt, Umsteigeverbindungen auch von weiteren deutschen Flughäfen aus. Ab Malé reist man mit Wasserflugzeugen in rund 45 Minuten weiter zum Baa-Atoll.

Einreise: Bürger aus EU-Staaten benötigen einen Reisepass, der bei Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein muss. Touristenvisa bis zu 30 Tagen Aufenthalt werden nach Auskunft des Auswärtigen Amtes bei der Einreise kostenfrei erteilt. Hinzu kommt eine elektronische Einreiseerklärung, die vor der Ankunft eingereicht werden muss.

Beste Reisezeit: Die Manta-Saison ist von Mai/Juni bis Oktober. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 29 und 32 Grad, die Wassertemperaturen zwischen 28 und 30 Grad Celsius.

Unterkünfte: Auf den Malediven gibt es inzwischen mehr als 160 Ferienresorts. Luxusbleiben im Baa-Atoll sind das „Milaidhoo Maledives“ (milaidhoo.com) in der Nähe der Hanifaru Bay oder das „Soneva Fushi“ (soneva.com/resorts/soneva-fushi), deren Villen pro Nacht für zwei Personen mindestens zwischen gut 900 und knapp 1.600 Euro kosten. Einen Bruchteil zahlt man Gästehäusern wie dem „Kihaa Holiday Home“, hier kostet ein Zimmer für zwei Personen ab umgerechnet rund 60 Euro.

Manta-Touren: Touren in die Hanifaru Bay sind ausschließlich mit lizenzierten Guides an bestimmten Tagen möglich. Buchbar in Unterkünften im Baa-Atoll.

Geld: In den Resorts sind die Preise in US-Dollar ausgezeichnet.

Weitere Infos: visitmaldives.com

Neben den Mantarochen sind auch die kleinen Riffbewohner unterseeische Attraktion. Visit Maldives/dpa-tmn

Neben den Mantarochen sind auch die kleinen Riffbewohner unterseeische Attraktion. Visit Maldives/dpa-tmn

© Visit Maldives/dpa-tmn

Bewundert wie die Touristen den Tanz der Mantas: Meeresbiologin Nairika Bharucha.Bernhard Krieger/dpa-tmn

Bewundert wie die Touristen den Tanz der Mantas: Meeresbiologin Nairika Bharucha.Bernhard Krieger/dpa-tmn

© Bernhard Krieger/dpa-tmn

In der an Plankton reichen Hanifaru Bay des Baa-Atolls kommen regelmäßig viele Mantarochen zusammen, manchmal 100 Tiere gleichzeitig.dpa-infografik/dpa-tmn

In der an Plankton reichen Hanifaru Bay des Baa-Atolls kommen regelmäßig viele Mantarochen zusammen, manchmal 100 Tiere gleichzeitig.dpa-infografik/dpa-tmn

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