Panorama

Kritik an Nestlés Rückruf bestimmter Babynahrung

Nestlé hat vorsorglich bestimmte Säuglingsnahrung zurückgerufen - wegen möglicherweise eines Toxins, das zu Durchfall und Erbrechen führen kann. Am Zeitpunkt dieser Bekanntmachung gibt es nun Kritik.

09.01.2026

Nestlé-Deutschlandzentrale in Frankfurt: Der Konzern hat bestimmte Säuglingsnahrung zurückgerufen - Foodwatch kritisiert den Zeitpunkt. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

Nestlé-Deutschlandzentrale in Frankfurt: Der Konzern hat bestimmte Säuglingsnahrung zurückgerufen - Foodwatch kritisiert den Zeitpunkt. (Archivbild)Boris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

Nach dem vorsorglichen Rückruf mehrerer Säuglingsnahrungsprodukte durch Nestlé hat die Verbraucherorganisation Foodwatch den Nahrungsmittelkonzern kritisiert. Dieser habe schon deutlich früher von Verunreinigungen mit Cereulid gewusst. Cereulid ist ein Toxin, dass durch das Bakterium Bacillus cereus entstehen kann.

Nestlé wies die Kritik zurück. Der Konzern hatte seinen Rückruf am 5. Januar bekanntgegeben. Hintergrund sei, dass in einer der Zutaten eines Zulieferers möglicherweise Cereulid vorhanden sein könnte, hieß es. Betroffen sind verschiedene Pulver und Flüssigkeiten in Dosen, Schachteln und Flaschen der Marken „Beba“ und „Alfamino“.

Foodwatch: Belastete Babyprodukte in 30 Ländern verkauft

Laut Foodwatch stammten belastete Nestlé-Babyprodukte auch aus Werken in Deutschland und wurden in 30 Länder weltweit verkauft. „Bereits am 16. Dezember fanden österreichische Behörden Verunreinigungen mit dem Toxin Cereulid in Produktproben von Nestlé-Säuglingsnahrung, die aus Deutschland kam“, teilte die Verbraucherorganisation mit. Das belege eine Meldung im EU-Behörden-Schnellwarnsystem RASFF. Daher sei davon auszugehen, dass sowohl Nestlé als auch die Behörden in Deutschland schon seit Mitte Dezember gewusst hätten, dass auch deutsche Produkte betroffen seien.

Das international agierende Unternehmen Nestlé teilte der Deutschen Presse-Agentur dagegen mit, ein früherer entsprechender Rückruf bereits am 10. Dezember „betraf Deutschland nicht, da die betroffenen Produkte nicht an Verbraucher in Deutschland gelangten“. Unterschiedliche Produktchargen von Nestlé erreichten unterschiedliche internationale Märkte.

Nestlé: Problem stammt aus Zutat eines Lieferanten

Erst sei nur von einem einzigen betroffenen Produktionsstandort ausgegangen worden. Vorsichtshalber wurde laut Nestlé die umfangreiche Ursachenanalyse jedoch fortgesetzt und Ende Dezember anderweitig bei einzelnen Produkten Cereulid nachgewiesen. Das „Qualitätsproblem“ stamme von einer Zutat eines „führenden Lieferanten“ an mehreren Produktionsstandorten. Am 5. Januar sei dann eben der Rückruf der betroffenen Produkte in Deutschland erfolgt.

Nestlé betonte nochmals, dass keine Erkrankungen im Zusammenhang mit den betroffenen Produkten bestätigt worden seien. Nach den vorliegenden Daten gebe es kein akutes Risiko für Säuglinge. 

Erbrechen und Durchfall?

Nach früheren Angaben von Nestlé kann Cereulid binnen „30 Minuten bis 6 Stunden Erbrechen, Durchfall und ungewöhnliche Müdigkeit auslösen“. Zeige das Kind keine dieser Symptome, bestehe aber kein Grund zur Sorge. Bei Fragen stehe der Nestlé-Verbraucherservice unter der Telefonnummer +49 (0) 800 2344 944 zur Verfügung.