Panorama

Beben in Kolumbien: Viele Menschen unter Trümmern vermutet

Das schwere Erdbeben der Stärke 7,4 trifft vor allem den Westen des südamerikanischen Landes. Unter den Trümmern vieler Gebäude werden Menschen vermutet. Die Zahl der Toten dürfte noch steigen.

11.08.2026

Rettungskräfte durchtrennen Trümmer bei der Suche nach Überlebenden.Ivan Valencia/AP/dpa

Rettungskräfte durchtrennen Trümmer bei der Suche nach Überlebenden.Ivan Valencia/AP/dpa

© Ivan Valencia/AP/dpa

Schwankende Autos, klirrende Fensterscheiben, einstürzende Gebäude: Kolumbien ist von einem der schwersten Erdbeben der vergangenen Jahrzehnte heimgesucht worden. Es hatte eine Stärke von 7,4. Nach einer vorläufigen Bilanz des kolumbianischen Präsidenten Abelardo de la Espriella kamen mindestens 181 Menschen ums Leben und 2.595 weitere wurden verletzt. Die Opferzahl dürfte weiter steigen, da die Rettungs- und Bergungsarbeiten noch laufen. Als vermisst gelten offiziell 195 Menschen. Einer inoffiziellen Plattform zufolge werden allerdings 3.800 Menschen von Angehörigen gesucht. 

Besonders schwer getroffen wurden Städte rund um das Epizentrum nahe San José del Palmar im Westen des südamerikanischen Landes. Dort brachte das Beben zahlreiche Gebäude entweder ganz zum Einsturz oder beschädigte sie. Unter vielen Trümmern werden noch Menschen vermutet. Bei einem Besuch in der Stadt Pereira sagte de la Espriella, dass landesweit insgesamt mehr als 1.100 Wohnhäuser und Gebäude vollständig eingestürzt seien. Mehr als 8.300 weitere Wohnhäuser wurden demnach beschädigt.

Krisenmanagement erste Herausforderung für neuen Präsidenten

Neben Pereira sind unter anderem auch die Städte Cali und Manizales stark getroffen worden. Allein Pereira verzeichnete nach jüngsten Angaben des Präsidenten bisher 79 Tote. 37 weitere Menschen würden vermisst, 66 Gebäude seien komplett eingestürzt. 

Die Zahl der Opfer dürfte noch deutlich steigen.Miguel Angel Lopez/AP/dpa

Die Zahl der Opfer dürfte noch deutlich steigen.Miguel Angel Lopez/AP/dpa

© Miguel Angel Lopez/AP/dpa

Auch der Flughafen der Stadt am Rande des großen Kaffeeanbaugebietes Eje Cafetero sei nur noch eingeschränkt betriebsbereit. Cali selbst ist für die vielen Salsa-Schulen bekannt und ein beliebtes Reiseziel auch für Touristen aus Europa. Regierung und lokale Behörden mobilisierten alle Ressourcen und arbeiteten ungeachtet politischer Differenzen zusammen, sagte de la Espriella weiter.

Für den rechten Politiker, der vor seiner Wahl auf die Unterstützung von US-Präsident Donald Trump zählen konnte, ist die Naturkatastrophe die erste große Bewährungsprobe. „An erster Stelle steht die Rettung der Menschen, die unter den Trümmern begraben sind“, sagte der Staatschef. Er suchte gleich mehrere stark getroffene Städte hintereinander auf. Seine Regierung rief den Notstand aus.

Beben auch in Nachbarländern zu spüren

Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit nahe San José del Palmar im Departamento Chocó im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern, wie Kolumbiens Geologischer Dienst mitteilte. 

Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert, sogar mehr als 24 Stunden später. Die Erschütterungen waren ebenfalls in Kolumbiens weiter östlich gelegenen Hauptstadt Bogotá sowie in den Städten Medellín, Popayán und Armenia zu spüren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen.

„So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt“

In den Straßen schwankten Autos, Fensterscheiben klirrten und Menschen verließen panisch ihre Häuser. „Zuerst dachte ich, es wäre etwas Leichtes. Aber als es dann immer stärker wurde und nicht aufhörte, dachte ich, wir würden sterben“, schilderte eine Frau aus Manizales dem Sender „La FM“ den Moment des Bebens.

„Ein Teil meines Hausdachs ist eingestürzt und die Wände sind rissig“, erzählt Juan Bernal aus der Stadt Armenia. Selbst im mehrere Hundert Kilometer vom Epizentrum entfernten Bogotá waren Einwohner besorgt: „Die ganze Wohnung, das ganze Gebäude hat geschwankt. So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt“, berichtete Kristin Wesemann von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).

Viele Menschen werden unter Trümmern der eingestürzten Gebäude vermutet.Santiago Saldarriaga/AP/dpa

Viele Menschen werden unter Trümmern der eingestürzten Gebäude vermutet.Santiago Saldarriaga/AP/dpa

© Santiago Saldarriaga/AP/dpa

Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. In Manizales wurde auch die Kathedrale schwer beschädigt.

Auswärtiges Amt: Keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen

Mehrere Länder boten ihre Unterstützung an - auch aus Deutschland und der EU kamen Hilfsangebote. Das Auswärtige Amt erklärte, das gesamte Ausmaß der Katastrophe sei noch nicht absehbar und es müsse mit vielen weiteren Todesopfern gerechnet werden. Bislang gebe es keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen. Die Botschaft in Bogotá stehe in engem Kontakt mit den kolumbianischen Behörden.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul äußerten ihr Mitgefühl für die Opfer. Die EU stellte nach Angaben einer Sprecherin zunächst 100.000 Euro für die besonders betroffene Region Chocó bereit. Zudem wurde der Erdbeobachtungsdienst Copernicus aktiviert, um das Ausmaß der Schäden zu erfassen. Kolumbien hat außerdem den EU-Katastrophenschutzmechanismus um Unterstützung gebeten.

Experten: Kein Zusammenhang mit starken Beben in Venezuela

Das Beben in Kolumbien erinnerte an die schweren Erdstöße im Nachbarland Venezuela vor wenigen Wochen. Dort erschütterten am 24. Juni innerhalb von wenigen Sekunden zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes. Tausende Menschen kamen ums Leben.

Einen Zusammenhang sieht der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) indes nicht. Die beiden Beben wurden demnach durch Bewegungen unterschiedlicher Erdplatten ausgelöst: In Venezuela war die Karibische Platte beteiligt, in Kolumbien die vor der Pazifikküste liegende Nazca-Platte.

Frühere Erdbeben in Kolumbien

Das zuvor heftigste Erdbeben ereignete sich 1958 vor der Küste zwischen Ecuador und Kolumbien mit einer Stärke von 7,6. Dabei kamen laut Geologischem Dienst lediglich 15 Menschen ums Leben. Im Jahr 1999 wiederum waren in der Stadt Armenia und nahe gelegenen Gemeinden bei einem Erdbeben der Stärke 6,1 mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen.

Betroffene bereiten am Tag nach dem Erdbeben neben einem eingestürzten Haus ein Frühstück zu.Miguel Angel Lopez/AP/dpa

Betroffene bereiten am Tag nach dem Erdbeben neben einem eingestürzten Haus ein Frühstück zu.Miguel Angel Lopez/AP/dpa

© Miguel Angel Lopez/AP/dpa

Auch kuriose Eindrücke wie dieser eingeknickte, aber nicht zu Boden gestürzte Kirchturm hinterlässt das schwere Erdbeben in Kolumbien.John Jairo Bonilla/AP/dpa

Auch kuriose Eindrücke wie dieser eingeknickte, aber nicht zu Boden gestürzte Kirchturm hinterlässt das schwere Erdbeben in Kolumbien.John Jairo Bonilla/AP/dpa

© John Jairo Bonilla/AP/dpa

Von Trümmern plattgedrückte Autos, eingestürzte Kirchtürme, kollabierte Häuser - diese Bilder prägen nach dem schweren Erdbeben einige der stark getroffenen Städte im Westen Kolumbiens.Juan Diaz/AP/dpa

Von Trümmern plattgedrückte Autos, eingestürzte Kirchtürme, kollabierte Häuser - diese Bilder prägen nach dem schweren Erdbeben einige der stark getroffenen Städte im Westen Kolumbiens.Juan Diaz/AP/dpa

© Juan Diaz/AP/dpa