KI, Überwachung und die Frage nach Macht - Serie „Droneland“
Segen oder Fluch? Realität oder manipulierte Rekonstruktion. Die neue Serie „Droneland“ wirkt mitunter erschreckend aktuell. Es geht um Drohnen, KI, um Überwachung, Verschwörungen und Macht.
Da kommt „Matrix“-Feeling auf: Oliver Masucci (l) und Sibel Kekilli in „Droneland“.Felix Abraham/Iris Productions, Syrreal Cats, /dpa
© Felix Abraham/Iris Productions, Syrreal Cats, /dpa
Tatorte werden zu Rekonstruktionen dank Künstlicher Intelligenz. Rückwärts spulen, vorwärts, Szene einfrieren - alles kein Problem. Die Ermittler tauchen ab in den „Mirrorspace“. Da kommt „Matrix“-Feeling auf. Die reale Welt ist grau, sie ist düster, sie ist rau. Der Zuschauer ist mit dabei, taucht selbst mit ab, gedreht mit Handkamera vermitteln die Bilder eindringliche Nähe.
Die Serie „Droneland“, die nun bei Magenta TV im Stream läuft (Start 8. Oktober) und ab 2027 auch beim ZDF zu sehen sein soll, ist eine Nah-Zukunft-Dystopie. Drohnen überwachen die Menschen. Überall. Sie liefern Daten, sie liefern Informationen. Es geht um Wissen, um Macht, um KI.
Was ist passiert, was ist manipuliert?
Science-Fiction, die angesichts aktueller Diskussionen aber mehr real als fiktiv wirkt. Und auch die Besetzung verspricht einiges: Oliver Masucci als Arthur „Aart“ Westerfield. Ein ehemaliger Soldat, dessen Narben nicht nur äußerlich sind: Bilder eines Einsatzes im Solarkrieg lassen ihn nicht los. Es geht um ein getötetes Kind, es geht um seine getötete Frau. Sieben Jahre ist das her. Und ihm geht es vor allem um eines: Rache für den Tod seiner Frau, der hochangesehenen KI-Forscherin, gespielt von der Niederländerin Elise Schaap.
Internationales Schauspiel-Team
Sibel Kekilli spielt die gelähmte Europol-Chefin Katarina Kush, die Westerfield nach einem gescheiterten Racheakt dank Drohnen überführt und vor die Wahl stellt: Gefängnis oder bei der Aufklärung eines Mordes an einem Politiker helfen. Zusammen mit Europol-Ermittlerin Nina Bittmann, gespielt von der Luxemburgerin Sophie Mousel, tauchen sie ab in eine Welt aus Macht, Überwachung und totaler Kontrolle. Gedreht wurde in Deutschland, den Niederlanden, in Polen und in Luxemburg von Mai bis August vergangenen Jahres.
„Wir haben uns gefragt, welche Art von Zukunft wir erzählen wollen, und uns dann für eine weniger technologisierte dystopische Parallelwelt entschieden“, erklärt Max Zähle, einer der beiden Regisseure. „Eine Welt, in der nach einem Krieg vieles nicht mehr so funktioniert wie zuvor und in der der Bevölkerung beispielsweise nur alte Handys - keine Smartphones - und wenig digitale Technologie zur Verfügung stehen.“
Die Rolle des Tech-Giganten
Im Mittelpunkt einer bisweilen albtraumhaften Realität steht Westerfield. Er lebt in einem Keller eines ehemaligen Bankgebäudes in Dresden. Er züchtet Tomaten, Kartoffeln und Zucchini, mehr Natur ist nicht in der realen Welt. Fenster seines dunklen Obdachs sind Kameras. Hier grübelt er über den vermeintlich kaltblütigen Mord an seiner Frau. Was ist passiert, was ist manipuliert?
Auch Westerfield Europol-Kollegin kommen immer mehr Zweifel. Beide machen sich auf die Suche nach Wahrheiten vor der anstehenden Präsidentschaftswahl eines vereinten Europas, in dem ein Tech-Gigant-Gründer nach der totalen Kontrolle strebt und den Menschen mit „Eidolon“ eine virtuelle Welt ohne Grenzen verspricht. Die Gefahren bis hin zum Tod verheimlicht er.
Algorithmus entscheidet über Leben und Tod
Mirrorspace und eine KI für das Drohnennetzwerk von Europol, dazu ein noch geheimes Programm, das Lebensläufe vorzeichnen kann. Aus welchem Baby wird ein Terrorist? Wer muss wann ausgeschaltet werden? Ein Algorithmus entscheidet über Leben und Tod. Eine Macht, die Angst macht. Es sei nicht mehr kontrollierbar, sagt Westerfields Frau. Sie will das Programm stoppen. Es ist ihr Todesurteil - nur anders, als Westerfield zunächst angenommen hatte.
In der letzten der sechs Folgen kommt es zum Showdown mit weiteren Wendungen. Die Präsidentenwahl wird durch einen Drohnenangriff abgebrochen. Die Kandidatin, die zu dem Zeitpunkt vorn lag, ist die strikte Gegnerin von Überwachung und Kontrolle. Westerfield bekommt den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib seiner Frau. Gezeichnet von den Kämpfen, blutend und eigentlich am Ziel seiner jahrelangen Suche, wird er vor eine Wahl gestellt, bei der er eigentlich nicht gewinnen kann.