Juckreiz, Magengrummeln & Co. beim Hund: Was kann das sein?
Wenn sich der Hund ständig kratzt, tippt man schnell auf eine Allergie. Doch es gibt noch mehr Anzeichen dafür, dass die Fellnase etwas nicht verträgt. Profis erklären Ursachen und Therapien.
Juckreiz und Bauchgrummeln? Beim Tierarzt wird der Ursache auf den Grund gegangen.picture alliance/dpa
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Ein bisschen Kratzen und genüssliches Wälzen gehören zum Hundeleben dazu. Lässt sich der Vierbeiner jedoch beim Spaziergang immer wieder fallen, leckt er ständig seine Pfoten oder hat oft Bauchgrummeln und schleimigen Kot, lohnt sich ein genauer Blick. Hinter solchen Beschwerden können Allergien oder Unverträglichkeiten stecken.
Wie erkenne ich, ob eine Allergie oder eine Unverträglichkeit vorliegt? „Optisch kann man es überhaupt nicht unterscheiden“, sagt Natalie Dillitzer, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik. Und auch Kerstin Wildermuth, Spezialistin für Veterinär-Dermatologie, bestätigt: „Was die Haut angeht, überlappen sich die Zeichen für Futterunverträglichkeit und Allergie.“
Pfotenlecken: Bei Hunden anders als bei Katzen
Dabei fällt den Besitzern zuerst ein starker Juckreiz auf, speziell zwischen den Zehen - oft an den Vorderpfoten mehr als an den Hinterpfoten - unter den Achseln, am Bauch oder auch am Hinterteil. An bestimmten Körperstellen versuchen sie sich ständig zu kratzen oder zu lecken.
„Manche Hundebesitzer verwechseln das Pfotenlecken der Hunde mit dem von Katzen“, sagt Wildermuth. „Sie denken, dass der Hund sich dadurch die Pfoten reinigt. Dabei hat er stattdessen nur quälenden Juckreiz.“
Auch wenn er sich immer wieder wälzt und sich und seinen Kopf an Gegenständen reibt, spricht das nicht dafür, dass er sich besonders wohlfühlt, sondern dass ihn etwas unangenehm juckt.
Sind Ohren ständig entzündet oder dreckig, auch ohne Anzeichen von Entzündungen, kann das ebenfalls ein Hinweis auf eine Allergie oder Unverträglichkeit sein, so Wildermuth, die eine Tierärztliche Spezialpraxis für Dermatologie, Allergologie und Ohrenerkrankungen betreibt.
Gräser, Hausstaub, Eiweiße als Auslöser
Die Liste der Ursachen für Allergien und Unverträglichkeiten ist lang: Sie reicht von Gräserpollen, Schimmelpilzen und Hausstaubmilben über Futtermittel wie Rind, Huhn, Milchprodukte und Weizen bis hin zu Flohspeichel und Insektenstichen.
Bei einer klassischen Allergie handelt es sich laut Wildermuth um eine „überschießende Reaktion des Immunsystems auf Allergene“. Beim Futter werden dafür häufig harmlose Eiweiße als „Bedrohung“ angesehen, die bekämpft werden müssen.
Doch so einfach ist die Ursachenforschung nicht, weiß Natalie Dillitzer, Fachbuchautorin und Gründerin einer tierärztlichen Ernährungsberatung. Hunde nehmen schließlich nicht nur Fette, Proteine und Kohlenhydrate auf, sondern trinken auch überall etwas.
„Wenn der Hund dann Hühnchen gefressen hat und Probleme bekommt, meint der Besitzer, er habe eine Allergie gegen Geflügel. Dabei war es nur irgendeine Ursache aus einer Pfütze, einem Bach oder See, die er beim Trinken daraus aufgenommen und nicht vertragen hat“, so Dillitzer.
Erreger wie Bakterien, Giardien oder Blaualgen und Schadstoffe wie Pestizide, Düngemittel, Streusalz oder Benzin könnten ebenfalls Magen-Darm-Probleme verursachen.
Kombinationsfehler bei der Fütterung
Ein weiteres Beispiel: Man gibt dem Hund Rindfleisch aus der Dose - und sein Magen grummelt und er bekommt schleimigen Kot. „Dann denken viele sofort, er reagiere auf Rind. Vielleicht verträgt er aber einfach das Geliermittel nicht, mit dem das Wasser im Futter gebunden wird.“
Auch Kauartikel, die zusätzlich zu frischem Fleisch gegeben werden, können Probleme bereiten, weil der Hund zu viele Proteine aufgenommen hat. „Man spricht oft von Allergien, aber das sind meiner Ansicht nach nur die allerwenigsten Auslöser. Viel häufiger sind es einfach Kombinationsfehler, die bei der Fütterung passieren“, so die Expertin.
Wer seinem Hund Kartoffeln oder Nudeln zu fressen gegeben hat, und er darauf mit Durchfall reagiert, denkt oft an Unverträglichkeiten von Kohlenhydraten. Meist hat man die Probleme selbst verursacht, wenn die Lebensmittel vorher über Nacht im Kühlschrank waren: Dann bildet sich Dillitzer zufolge resistente Stärke, die die Hunde nicht vertragen. Mit einer Allergie habe das nichts zu tun.
Kargheit bei Zusatzprodukten oft besser als Vielfalt
Ihr Tipp: „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.“ Viele Hunde bekämen zusätzlich zum Futter eine bunte Auswahl an Präparaten, Pilzen und Algen für Fell, Verdauung und Gelenke. „Doch gerade bei Hunden, die Magen-Darm-Probleme haben, sollte man erst einmal die Vielfalt reduzieren. Da ist Kargheit besser.“
Statt fünf verschiedene Leckerchen und Kauartikel nur noch zwei am Tag geben, beobachten und Tagebuch führen. „Wenn es dann keine Symptome mehr gibt, kann ich Nummer 3 dazugeben und wieder neu beobachten.“
Bei der Haut dauere es sehr lange, bis sich Erfolge zeigen. Bei Unverträglichkeiten und Allergien im Darmbereich könne man jedoch schon nach ein bis zwei Wochen eine Besserung erkennen.
Sinnvoll kann auch eine Ausschluss-Diät sein, bei der nur eine Fleischsorte gegeben wird, die der Hund noch niemals zuvor zu fressen bekommen hat. „Es ist ganz selten, dass ein Hund gleichzeitig gegen Huhn, Rind und Wild allergisch ist“, weiß Dillitzer. Mittlerweile bietet der Handel auch exotische Fleischsorten wie Känguru und Strauß an.
Kontinuierliches Management statt nur akuter Behandlung
Schwieriger wird die Behandlung, wenn Hunde tatsächlich allergisch auf Umgebungsallergene reagieren wie etwa Hausstaub. „Das ist etwas, was sie ein Leben lang haben und was wir nicht heilen können. Wir können es nur managen“, sagt Kerstin Wildermuth.
Häufiges Waschen der Hundekörbchen-Decken oder Saugen und Wischen der Wohnung helfen nur ein wenig. Hauptsächlich benötige der Hund eine proaktive Therapie: „Das heißt, man behandelt nicht die Zeit, wenn er einen Schub hat, sondern sucht gezielt nach der richtigen Therapie, die gut passt und alles im Griff hält, damit er ein gutes Leben hat.“
Dafür sei ein „kontinuierliches Management“ erforderlich, um die Folgen langfristig so gut es gehe einzudämmen, damit sie für das Tier „erträglich“ werden. Die Auswahl der Medikamente ist dabei ganz individuell: Je nach Symptomen und wie schlimm diese sind.
„Aber mittlerweile haben wir da relativ viel in der Werkzeugkiste. Doch das muss man aber immer sehr vom Hund abhängig machen“, so die Dermatologie-Spezialistin. Am häufigsten seien Tabletten, aber auch flüssige Suspensionen und Spritzen sind denkbar - bis hin zu einer Hyposensibilisierung.
Roh oder fertig, trocken oder nass? Futter muss passen
Und welches Futter verspricht die wenigsten Probleme zu verursachen? „Da bin ich komplett neutral“, sagt Ernährungsexpertin Natalie Dillitzer. „Ob roh, gekocht, mit oder ohne Fleisch oder Fertigfutter, ob nass oder trocken: Für mich gibt es nichts, was besser oder schlechter ist.“
Das Futter müsse zum Hund passen und zur Lebenssituation des Besitzers, „also zu seiner persönlichen Einstellung, zu seinem Wunsch, ob selbstzubereitetes Futter oder Fertigfutter verfüttert werden soll, zu seinem Geldbeutel und zu seiner Zeit.“
Ständiges Kratzen kann ein Hinweis auf eine Allergie oder Unverträglichkeit sein.Markus Scholz/dpa-tmn
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