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Jobwechsel in unsicheren Zeiten: Soll ich es wagen?

Weg aus dem gemachten Nest, rein ins Ungewisse: Das kann ungeachtet der unsicheren wirtschaftlichen Lage derzeit der perfekte Karriereschritt sein. Wer jetzt wechseln sollte - und wer nicht.

28.10.2026

Blick in die Zukunft: Wer seinen Job wechseln möchte, sollte das nicht ohne Plan tun.picture alliance / dpa-tmn

Blick in die Zukunft: Wer seinen Job wechseln möchte, sollte das nicht ohne Plan tun.picture alliance / dpa-tmn

© picture alliance / dpa-tmn

Die Tätigkeit in der bisherigen Firma hinter sich lassen und bei einem anderen Unternehmen beruflich neu durchstarten: Das bringt frischen Wind ins Berufsleben und eröffnet oft neue Perspektiven.

Doch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten scheuen viele Beschäftigte einen Arbeitgeberwechsel. Aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus halten sie am alten Job fest - Sicherheit wiegt häufig stärker als der Wunsch nach beruflicher Veränderung oder höherem Gehalt.

Dabei lohnt es sich gerade in einer allgemeinen Krisenstimmung, sich aktiv mit seinen beruflichen Vorstellungen und Wünschen auseinanderzusetzen, wie Georg Scheiber von der Beratungsgesellschaft von Rundstedt in Nürnberg sagt. Beschäftigte sollten sich kritisch fragen, welches Standing sie aktuell in ihrem Unternehmen haben und ob sie dort eine Zukunft sehen.

Wer bei dieser Analyse feststellt, dass der eigene Job wackeln könnte, sollte sich aktiv nach einem neuen Arbeitgeber umschauen. „Besser ist es, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen, statt es dem Arbeitgeber zu überlassen“, so Scheiber. Für alle, die strategisch vorgehen, könne ein Wechsel gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten der richtige Schritt sein.

Was für einen Wechsel spricht

Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz: Ist der aktuelle Arbeitgeber Teil einer schwächelnden Branche wie etwa des traditionellen Einzelhandels, kann ein Wechsel in eine Wachstumsbranche wie beispielsweise die erneuerbaren Energien den Arbeitsplatz langfristig sichern. Einen Branchenwechsel sollten Beschäftigte frühzeitig planen. „Wechselwillige müssen für sich ausloten, welche Weiterbildung oder Umschulung sie brauchen, damit der Übergang in die andere Branche gelingt“, sagt Scheiber.

Mehr Geld: Wer in der bisherigen Branche bleiben möchte, kann bei einem anderen Unternehmen oft eine höhere Gehaltssteigerung erzielen als im Fall einer internen Beförderung. „Voraussetzung ist, dass die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt gerade stark nachgefragt sind“, so Scheiber. Das können zum Beispiel technische und digitale Kompetenzen etwa im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) und Datensicherheit sein.

Kürzerer Pendelweg: Auch ein im Vergleich zum bisherigen Unternehmen kürzerer Pendelweg ist laut Scheiber oft ein starkes Argument für einen Arbeitgeberwechsel. Denn weniger Zeit auf der Straße im Stau oder in der Bahn sorgt für eine bessere Lebensqualität und spart Geld.

Bessere Konditionen: Auch bessere Karrierechancen oder passendere Aufgaben können für einen Arbeitgeberwechsel sprechen. „Ein Grund für den Wechsel kann etwa auch sein, dass im neuen Unternehmen im Gegensatz zum alten öfter in der Woche Homeoffice möglich ist und sich so Privat- und Berufsleben besser verbinden lassen“, sagt Scheiber.

Was gegen einen Wechsel spricht

Ein Gegenargument ist das Prinzip „Wer zuletzt kommt, geht zuerst“. Das bedeutet, dass neue Mitarbeitende bei Stellenstreichungen oft als Erste die Kündigung bekommen. Weitere Argumente sind:

Geringerer Kündigungsschutz: In den ersten sechs Monaten beim neuen Arbeitgeber gilt zudem der gesetzliche Kündigungsschutz nicht. „Der neue Arbeitgeber kann das Beschäftigungsverhältnis ohne Angaben von Gründen mit einer Frist von zwei Wochen kündigen“, sagt Kathrin Schulze Zumkley, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Gütersloh.

Beim bisherigen Arbeitgeber hingegen haben langjährige Beschäftigte in aller Regel einen hohen Kündigungsschutz. „So beträgt die gesetzliche Kündigungsfrist beispielsweise bei einer zehnjährigen Betriebszugehörigkeit vier Monate zum Monatsende“, sagt Schulze Zumkley.

Die Rente ist nah: Scheiber rät Beschäftigten, die nur noch drei bis fünf Jahre bis zur Rente haben, von einem Arbeitgeberwechsel ab. Sollte es im neuen Betrieb auf fachlicher oder menschlicher Ebene nicht passen, drohen kurz vor der Rente unnötiger Stress und eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld I, falls das Arbeitsverhältnis auf eigenen Wunsch endet.

Job ist befristet: Ebenfalls keinen Sinn macht es, von einem Job mit unbefristetem Arbeitsvertrag in einen mit befristetem Vertrag zu wechseln - auch wenn die Tätigkeit noch so verlockend ist.

Lange keine Weiterbildung absolviert: Auch Beschäftigte, die seit Jahren keine Weiterbildung absolviert haben, sollten aus Sicht von Scheiber einen Arbeitgeberwechsel gut überlegen. Denn die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass ihre Kenntnisse und Fähigkeiten nicht auf dem neuesten Stand sind und es zu Schwierigkeiten im neuen Job kommt. Besser: Erst weiterbilden, dann bewerben.

Bei einer Wechselabsicht strategisch vorgehen

Wer Pros und Contras abgewogen hat und an der Absicht festhält, den Arbeitgeber in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zu wechseln, sollte strategisch vorgehen. „Es ist wichtig, genau für sich auszuloten, was man für sich mit dem Wechsel erreichen will“, sagt Scheiber.

So sei es sinnvoll, eine Liste mit Unternehmen zu erstellen, die zu den eigenen Werten und Karrierezielen passen. Zeichnet sich ein Favorit ab, sollte man sich unbedingt genau mit der Firma auseinandersetzen. Wie sieht das Geschäftsmodell aus - passt es zu meinen Plänen und Wünschen? Wie ist die Kunden- und Auftragsstruktur?

Antworten auf diese Fragen finden sich auf Unternehmenswebsites sowie in Geschäftsberichten, die oft ebenfalls online einsehbar sind. „Auch Arbeitgeber-Bewertungsportale sowie berufliche Netzwerke sind oft hilfreich, um sich ein Bild über ein bestimmtes Unternehmen zu machen“, so Scheiber.