Panorama

Italiener fliegt 2027 bei „Artemis 3“ mit - kein Deutscher

Mit „Artemis 3“ will die Nasa künftige Mondlandungen vorbereiten. Einer der Astronauten an Bord wird der Italiener Luca Parmitano sein. Was ist mit Alexander Gerst und Matthias Maurer?

09.06.2026

Der italienische Esa-Astronaut Luca Parmitano wird als erster Europäer beim Nasa-Mondprogramm „Artemis“ mitfliegen. (Archivbild)Sergei Ilnitsky/EPA POOL/dpa

Der italienische Esa-Astronaut Luca Parmitano wird als erster Europäer beim Nasa-Mondprogramm „Artemis“ mitfliegen. (Archivbild)Sergei Ilnitsky/EPA POOL/dpa

© Sergei Ilnitsky/EPA POOL/dpa

Früher als bisher vorgesehen wird Europa erstmals mit einem eigenen Astronauten beim Nasa-Mondprogramm dabei sein. Der Italiener Luca Parmitano sei einer der vier Raumfahrer bei „Artemis 3“, sagte Jared Isaacman, Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Starten soll die Mission im kommenden Jahr.

Überraschenderweise ist damit kein deutscher Raumfahrer - weder Alexander Gerst noch Matthias Maurer - dabei. Von der europäischen Raumfahrtagentur Esa hatte es zuletzt geheißen, ein Deutscher werde der erste Europäer, der auf einer Mondmission fliegen werde. Die beiden deutschen Esa-Astronauten Gerst und Maurer hatten anschließend mehrfach betont, diese Chance sehr gern wahrnehmen zu wollen.

Esa-Chef will weiter Deutschen bei Mondmission - aber keine Zusage

„Die Aussage steht weiterhin“, sagte Esa-Chef Josef Aschbacher der Deutschen Presse-Agentur (dpa) nach der Verkündung der „Artemis 3“-Crew. Die Mission „Artemis 3“, die nicht zum Mond, sondern zu Tests in eine Erdumlaufbahn starten soll, sei „natürlich nicht ein Flug zum Mond wie wir ihn klassischerweise sehen würden“.

Außerdem sei die Aussage auf Basis des „Lunar Gateway“-Projekts getroffen worden - einem geplanten Außenposten am Mond, an dem die Esa maßgeblich beteiligt war, den die Nasa nun aber zumindest vorerst eingestampft hat. Deswegen müsse man „neu diskutieren und neu beginnen“. Die Esa sei in einer „guten Ausgangsposition“, sagte Aschbacher, es gebe aber noch keinerlei Zusagen und „ein Flug zur Mondoberfläche ist noch nicht garantiert“.

Esa-Chef: Anforderungsprofil gab Ausschlag für Parmitano

Den Ausschlag für Parmitano habe das von der Nasa vorgegebene Anforderungsprofil gegeben, sagte Aschbacher der dpa. „Sie haben ganz konkret einen Testpiloten gesucht und in unserem Astronautencorps gibt es nur einen Testpiloten und das ist Luca Parmitano.“

Parmitano zeigte sich sichtlich bewegt. „Ich fühle mich von der Rolle, die mir gegeben wurde, geehrt“, sagte der 49-Jährige in Houston. „Vor allem bin ich dankbar.“ An seine Frau, seine beiden Töchter und weitere Teile seiner Familie gewandt sagte Parmitano: „Ihr seid die Energie, die meine Seele nährt, und eure Liebe ist der Funke, der jede Leidenschaft entfacht. Danke, Grazie!“ Dabei brach dem Italiener kurz die Stimme weg.

Parmitano wurde an der italienischen Luftwaffenakademie ausgebildet und war Testpilot. 2009 wurde er als Esa-Astronaut ausgewählt, war zweimal auf der Raumstation ISS und dort mehrfach an Andockmanövern beteiligt. Mit zur „Artemis 3“-Crew sollen zudem die US-Amerikaner Andre Douglas, Frank Rubio und Randy Bresnik gehören, für den Notfall steht Bob Hines als Ersatz bereit. Anders als bei der Mission „Artemis 2“, mit der die US-Amerikanerin Christina Koch zur ersten Frau in der Nähe des Mondes wurde, ist diesmal keine Frau dabei.

Luca Parmitano war zweimal auf der Raumstation ISS. (Archivbild)NASA/dpa

Luca Parmitano war zweimal auf der Raumstation ISS. (Archivbild)NASA/dpa

© NASA/dpa

Tests für die Rückkehr zum Mond

Mit dem „Artemis“-Programm strebt die US-Raumfahrtagentur Nasa eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond an. Mit „Artemis 3“ würden die entscheidenden Abläufe für die Rückkehr der Menschheit zum Mond getestet, hieß es in einer Reaktion der Esa. „Ein großer Schritt nach vorn für die Esa-Nasa-Partnerschaft.“

Auch Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner gratulierte Parmitano. „Luca ist ein absoluter Profi und zudem ein sehr sympathischer Typ“, sagte er der dpa. In Wörners Amtszeit als Generaldirektor der Esa (2015-2021) flog Parmitano 2019 zum zweiten Mal ins All. „Prima, dass ein Europäer am Artemis-Programm teilnehmen kann“, sagte Wörner. „Meine Erwartung und Hoffnung ist, dass auch bei der Landung auf dem Mond ein Europäer dabei ist.“

Nasa-Chef Isaacman hatte „Artemis“-Programm umgeschmissen

Ursprünglich hatte es schon bei „Artemis 3“ eine Mondlandung geben sollen. Nasa-Chef Isaacman hatte die Änderung Ende Februar angekündigt: „Artemis 3“ starte schon 2027, lande aber nicht auf dem Mond. Stattdessen soll das Raumschiff „Orion“ nur in einer Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit, LEO) fliegen, die Crew soll die Kopplung mit einer oder zwei Mondlandefähren erproben. 2028 könnte es dann gleich zwei Mondlandungs-Missionen geben: „Artemis 4“ und „Artemis 5“. In der Vergangenheit gab es allerdings immer wieder Verzögerungen.

Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert waren Anfang April wieder Menschen in die Nähe des Mondes geflogen. Gelandet waren sie nicht. Zur „Artemis 2“-Crew hatten drei US-Amerikaner und ein Kanadier gehört.

Das „Artemis“-Programm – benannt nach der Göttin des Mondes und Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie – war von der Nasa 2017 verkündet worden. Ursprünglich sah es eine bemannte Mondlandung - mit „Artemis 3“ - bis 2024 vor.

Luca Parmitano wurde 2009 als Esa-Astronaut ausgewählt. (Archivbild)Andrey Shelepin/GCTC/dpa

Luca Parmitano wurde 2009 als Esa-Astronaut ausgewählt. (Archivbild)Andrey Shelepin/GCTC/dpa

© Andrey Shelepin/GCTC/dpa