Ist das bloß Frühjahrsmüdigkeit - oder eine Depression?
Erschöpft und antriebslos: Wer wenig schwungvoll in den Frühling startet, rätselt: „Was stimmt nicht mit mir?“ Was die Hormone damit zu tun haben und wann ein Arztbesuch angesagt ist.
Frühjahrsmüdigkeit: Der Wechsel von Winter auf Frühling bringt hormonelle Umstellungen mit sich, die uns müde und schlapp machen können.Christin Klose/dpa-tmn
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Sonnenstrahlen im Gesicht, Vogelgezwitscher in den Ohren: Eigentlich sind es gerade schöne Tage, aber Sie sind einfach nur müde und erledigt?
Das kennt so mancher in diesen Wochen. Dahinter kann Frühjahrsmüdigkeit stecken - oder auch eine behandlungsbedürftige Depression. Wie unterscheidet man das eine vom anderen? Und was hilft?
Wie Frühjahrsmüdigkeit entsteht
Gut zu wissen: Frühjahrsmüdigkeit ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Reaktion auf den Wetterumschwung, so Conrad von Heydendorff, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Der Winter - genauer gesagt: das fehlende Licht - hat Spuren in unserem Hormonhaushalt hinterlassen. Vereinfacht gesagt: Vom Glückshormon Serotonin war dort in den vergangenen Monaten eher wenig vorhanden, vom Schlafhormon Melatonin hingegen recht viel.
Das zunehmende Tageslicht stößt nun hormonelle Veränderungen im Körper an. Er produziert wieder mehr Serotonin und weniger Melatonin. Bei dem Wechselspiel kann es allerdings zu einem Ungleichgewicht kommen - und zwar dann, wenn das Melatonin noch eine Weile die Oberhand behält. Wir fühlen uns dann trotz allerbestem Frühlingswetter müde.
„Zudem weiten sich bei steigenden Temperaturen die Blutgefäße, was den Blutdruck sinken lässt und kurzzeitig zu Müdigkeit und Schwindel führen kann“, so Conrad von Heydendorff.
Frühjahrsmüde oder depressiv? Das sind die Unterschiede
An eine Depression sollte man denken:
- wenn Antriebslosigkeit und Erschöpfung über einen längeren Zeitraum anhalten. Frühjahrsmüdigkeit legt sich nach zwei bis vier Wochen wieder.
- wenn man nicht mehr in der Lage ist, Schönes zu genießen - einem also selbst der erste Kaffee in der Sonne egal ist. „Wer sich auch über Dinge, die früher Spaß gemacht haben, nicht mehr freuen kann und eine tiefe innere Leere verspürt, sollte aufmerksam werden“, so von Heydendorff, der Chefarzt der Median Klinik Sonnenwende Bad Dürkheim ist.
- wenn sich ein sogenanntes „Morgentief“ zeigt. Typisch für eine Depression ist, dass sich Betroffene morgens oft wie gelähmt fühlen und nur schwer in den Tag finden. Zum Abend hin bessert sich die Stimmung etwas. Weiteres Anzeichen: Obwohl Betroffene gigantische Müdigkeit verspüren, finden sie nicht in einen erholsamen Schlaf.
- wenn immer wieder diffuse Ängste, Gedanken wie „Ich bin nichts wert“ oder Schuldgefühle auftauchen.
Dann sollte man keine Scheu haben, einen Arzt oder eine Psychotherapeutin aufzusuchen. Depressionen gelten als gut behandelbare Erkrankung.
Wie wir Frühjahrsmüdigkeit überwinden können
Auf dem Sofa versacken und der Müdigkeit nachgeben? Experten raten zum Gegenteil - zu Bewegung an der frischen Luft. „Schon ein täglicher Spaziergang von 30 Minuten hilft dem Körper, die Hormonumstellung zu beschleunigen“, so von Heyendorff. Licht ist schließlich der wichtigste Taktgeber für unsere innere Uhr.
Zudem können Wechselduschen dabei helfen, den Kreislauf in Schwung zu bringen. Immer eine gute Idee, jetzt aber besonders: eine vitaminreiche Ernährung.