Panorama

Gesperrte A565-Brücke: Ergebnisse in nächsten zwei Wochen

Seit Mittwoch ist die vielbefahrene A565-Rheinbrücke für Autofahrer dicht, die Auswirkungen für den Verkehr in der Region sind massiv. Wie geht es mit dem maroden Bauwerk weiter?

04.06.2026

Die Bonner Brücke im Verlauf der Autobahn 565 zählt zu den wichtigsten Verkehrsachsen der Region. Benjamin Westhoff/dpa

Die Bonner Brücke im Verlauf der Autobahn 565 zählt zu den wichtigsten Verkehrsachsen der Region. Benjamin Westhoff/dpa

© Benjamin Westhoff/dpa

Die Autobahn GmbH rechnet innerhalb der nächsten beiden Wochen mit Ergebnissen, wie es mit der am Mittwoch überraschend gesperrten A565-Rheinbrücke in Bonn weitergeht. „Wir erhoffen uns, in den nächsten zwei Wochen ein umfassendes Schadens- und Lagebild zu haben, um daraus ableiten zu können, was mit dem Bauwerk passiert“, sagte Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH, der Deutschen Presse-Agentur.

Risse und Korrosionsschäden entdeckt

Die vielbefahrene Autobahnbrücke über den Rhein war am Mittwoch wegen neu entdeckter Schäden bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt worden. Unter anderem seien Risse im Beton und Korrosionsschäden im Betonstahl festgestellt worden, sagte Brandenburger.

Die Bonner Nordbrücke ist Teil der Autobahn 565 und die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region. Über sie rollte bis zur Sperrung deutlich mehr Verkehr als über die lange gesperrte Rahmede-Talbrücke der Sauerland-Linie A45. 

Laut Autobahn GmbH werden technische Möglichkeiten geprüft, mit denen die marode Brücke aus den 1960er Jahren wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. „Am Ende geht es darum, ob die Brücke gehalten werden kann oder das Bauwerk gesperrt bleiben muss“, sagte Brandenburger. Eine abschließende Bewertung könne es erst nach Abschluss der Untersuchungen und statischen Berechnungen geben. Mehrere Gutachter seien einbezogen.

Die vielbefahrene Autobahnbrücke über den Rhein war am Mittwoch wegen neu entdeckter Schäden bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt worden. Benjamin Westhoff/dpa

Die vielbefahrene Autobahnbrücke über den Rhein war am Mittwoch wegen neu entdeckter Schäden bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt worden. Benjamin Westhoff/dpa

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Die Sperrung werde erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr in der Region haben, erklärte die Autobahn GmbH. „Die Sicherheit der Menschen, die täglich über diese Brücke fahren, ist nicht verhandelbar.“ In Abstimmung mit den Behörden seien Ausweichrouten vorbereitet worden.

ADAC: „Vollkatastrophe für die Region“

Der Bonner Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) berief einen Krisenstab ein - eine Task Force „Nordbrücke“, wie die Stadt am Mittwoch mittelte. Die Autobahn GmbH habe versichert, dass die Brücke für sie ab sofort „Priorität Nummer eins in NRW“ sei. Nach Angaben einer Sprecherin war Déus am späten Mittwochvormittag über die kurzfristige Sperrung der Brücke informiert worden.

Die Maßnahme sei „eine Vollkatastrophe für die Region“, sagte Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein. Der ADAC hatte im vergangenen Jahr in einer Modellstudie die Sperrung der Nordbrücke simuliert und berechnet, dass Autofahrer dann pro Jahr Umwege von insgesamt 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen müssten, Lkw von 5,5 Millionen Kilometern. 

Viele Autofahrer würden in den Kölner Raum ausweichen und dort das ohnehin schon am Limit laufende Verkehrssystem belasten. Der volkswirtschaftliche Schaden wird sich nach Einschätzung des ADAC auf mehr als 170 Millionen Euro belaufen.

IHK: Minister soll Brücke zur Chefsache machen

Auch die IHK Bonn/Rhein-Sieg sprach am Mittwoch von einer Katastrophenmeldung. „Die Rheinbrücken sind die Lebensadern unserer Region. Die Nordbrücke muss spätestens jetzt Chefsache des Verkehrsministers werden“, forderte IHK-Präsident Stefan Hagen. 

Ähnlich äußerte sich der Präsident der Handwerkskammer zu Köln, Thomas Rademacher: „Die Rheinbrücken bilden das Rückgrat unserer Region – ohne sie steht der Verkehr still und der wirtschaftliche Schaden wird immens sein.“

Weiträumige Umfahrungen führen über die A3 oder die A61. Benjamin Westhoff/dpa

Weiträumige Umfahrungen führen über die A3 oder die A61. Benjamin Westhoff/dpa

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„Wir werden jetzt so schnell wie möglich klären, welche Belastung die Brücke noch aushält und wie das weitere Vorgehen sein kann“, erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) am Donnerstag. Er wolle sich am Freitag vor Ort ein Bild von der Lage machen.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagte, für die Menschen in der Region bedeute die Sperrung große Belastungen. „Wir sichern dem Bund, der Stadt Bonn und der Region Rhein-Sieg unsere Unterstützung zu, um die Folgen so weit wie möglich abzumildern.“

Sperrung betrifft auch weitere Abschnitte der A565

Die Sperrung betrifft laut Autobahn GmbH nicht nur die Brücke selbst, sondern auch weitere Abschnitte der A565 zwischen dem Autobahnkreuz Bonn-Nord und dem Autobahndreieck Bonn-Nordost. So sind in Fahrtrichtung Koblenz keine Überfahrten mehr von der A59 aus Köln und Königswinter auf die A565 möglich. In Fahrtrichtung Siegburg sind im Kreuz Bonn-Nord sämtliche Verbindungen auf die A565 nach Siegburg gesperrt. Weiträumige Umfahrungen führen über die A3 oder die A61. 

Brücke bereits seit Februar für Lkw gesperrt

Bereits seit Februar gilt auf der betroffenen A565-Brücke ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen. Bis dahin fuhren dort täglich rund 100.000 Fahrzeuge über den Rhein, davon gut fünf Prozent Schwerlastverkehr. Zum Vergleich: Bei der Rahmede-Talbrücke bei Lüdenscheid waren es bis zu deren Sperrung rund 64.000 Fahrzeuge täglich. 

Bereits seit Februar gilt auf der betroffenen A565-Brücke ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen.Benjamin Westhoff/dpa

Bereits seit Februar gilt auf der betroffenen A565-Brücke ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen.Benjamin Westhoff/dpa

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Bei Überprüfungen an der 660 Meter langen Brücke waren bereits damals zahlreiche Schäden aufgefallen. Zudem gibt es an einem Teil der Konstruktion statische Probleme. Der geplante Neubau soll nach früheren Angaben frühestens in den 2030er Jahren beginnen. 

Laut ADAC ist fast ein Drittel der rund 6.200 Autobahnbrücken in NRW sanierungsbedürftig. Als aktuelles Sorgenkind gilt etwa auch die Wiehltalbrücke auf der A4 zwischen Köln und Olpe. An der A45 bei Lüdenscheid war die marode Rahmede-Talbrücke von Ende 2021 an vier Jahre lang für den Verkehr gesperrt - seit vergangenem Dezember rollt der Verkehr über eine neue Brücke.