Panorama

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe - Wie ist die Lage?

Das Hochwasser vom Juli 2021 hat Spuren hinterlassen, die vielerorts heute noch sichtbar sind. Wie sieht es aus mit Wiederaufbau, Hochwasserschutz und Konsequenzen?

03.07.2026

Die malerische Altstadt von Bad Münstereifel nach der Flut verwüstet, heute flanieren wieder Ausflügler durch die Einkaufsstraßen.Oliver Berg/dpa

Die malerische Altstadt von Bad Münstereifel nach der Flut verwüstet, heute flanieren wieder Ausflügler durch die Einkaufsstraßen.Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Starkregen ließ Bäche und Flüsse über die Ufer treten, ganze Landstriche wurden zerstört: Die Flutkatastrophe am 14. und 15. Juli 2021 brachte ein Hochwasser ungeahnten Ausmaßes und traf Bürger wie Behörden völlig unvorbereitet. Gewaltige Wassermassen zerstörten Häuser, Straßen, Schienen und Felder. Insgesamt kamen mehr als 180 Menschen ums Leben, 49 davon in Nordrhein-Westfalen. 

Das Hochwasser richtete materielle Schäden von rund 13 Milliarden Euro an, vor allem in der Eifel, im Bergischen Land und Teilen des Sauerlands. Was hat sich seit der Flut getan?

Katastrophenschutz wird zentral koordiniert

Der Katastrophenschutz hat sich nach Angaben von Innenminister Herbert Reul (CDU) grundlegend verändert: „Strukturen sind klarer, Zuständigkeiten sauber geregelt, die Akteure besser vernetzt.“ So wurde eine zentrale Landesstelle für Katastrophenschutz eingerichtet, die künftig bei herausragenden Katastrophen Hilfe koordinieren soll. Bereits seit Sommer 2025 gibt es ein zentrales Katastrophenschutzlager, in dem für den Ernstfall etwa Pumpen, Kettensägen und Zelte aufbewahrt werden. Das Sirenen-Netz wird ausgebaut - laut Innenministerium gibt es inzwischen 6.600 Sirenen, weitere 2.000 sind in Planung. Ziel sei ein Warnmix aus Cell-Broadcast, Sirenen, Funk und Fernsehen, damit jeder erreicht werde. 

Mehr Pegel und neue Deiche 

Das Land NRW hat seit 2021 rund 490 Millionen Euro für Hochwasserschutzprojekte bereitgestellt. Damit werden nach Angaben des Umweltministeriums etwa die Sanierung von Deichen und der Bau von Rückhaltebecken gefördert. In Köln sollen 2027 die Arbeiten für den bundesweit größten Hochwasserpolder beginnen, der im Ernstfall das Rhein-Hochwasser um bis zu 17 Zentimeter senken soll. Vorhersagesysteme und Meldeketten wurden laut Ministerium grundlegend modernisiert, etwa durch eine engere Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD). Vor allem an kleineren Flüssen wurden zusätzliche Pegel installiert. 

Mit dem Wiederaufbau des Schienennetzes hat die Deutsche Bahn auch die Elektrifizierung in Angriff genommen.Oliver Berg/dpa

Mit dem Wiederaufbau des Schienennetzes hat die Deutsche Bahn auch die Elektrifizierung in Angriff genommen.Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Die Bahn rollt wieder

In der Eifel sorgte die Flut für Stillstand auf den Schienen: Die Wassermassen hatten Gleise unterspült, Schienen herausgerissen und Brücken zerstört. Inzwischen sind alle Strecken wieder in Betrieb - seit Dezember rollt auch die Erfttalbahn zwischen Euskirchen und Bad Münstereifel wieder. Mit dem Wiederaufbau hat die Deutsche Bahn auch die Elektrifizierung der insgesamt mehr als 160 Kilometer langen Eifelstrecke in Angriff genommen. Ein durchgehend elektrischer Zugbetrieb soll Ende 2028 möglich sein.

Hochwasserschutz-App

Eine Hochwasserschutz-App für Hausbesitzer übersetzt Starkregenereignisse in Gefahrenkarten, außerdem können Kommunen Ansprechpartner für Vorsorgemaßnahmen einstellen. „Die App ermöglicht nach Eingabe einer Adresse eine individuelle Risikoeinschätzung für Starkregen, Hochwasser und Überflutungen und hilft Eigentümerinnen und Eigentümern dabei zu prüfen, auf welchen Wegen Wasser in ein Gebäude eindringen könnte“, erläutert Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU). Die ursprünglich vom Emschergenossenschaft/Lippeverband entwickelte App werde inzwischen mit landesweiten Daten gefüttert.

Untersuchungsausschuss im Landtag

Vor einem Jahr schloss der Untersuchungsausschuss im Landtag seine Arbeit ab. Der Abschlussbericht listet zahlreiche Mängel beim Krisenmanagement während der Flut auf, zum Beispiel unzureichende Frühwarnsysteme, schlechte Kommunikation, eine fehlende landesweite Unwetterwarnung, lückenhafte Lagebilder und die Unterschätzung der drohenden Gefahr durch Staatskanzlei und Ministerien. Als Folge habe die CDU-geführte Landesregierung Maßnahmen zur Bewältigung der Krise „deutlich verspätet“ ergriffen, heißt es in dem Bericht. Auch in den Kommunen hätten die Warnketten nicht funktioniert.   

Die Folgen des Hochwassers sind auch heute noch an vielen Stellen sichtbar.Oliver Berg/dpa

Die Folgen des Hochwassers sind auch heute noch an vielen Stellen sichtbar.Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Psychische Folgen

Noch immer haben einige Menschen aus den Hochwasser-Gebieten mit den psychischen Folgen zu kämpfen. „Die Anrufe sind natürlich weniger geworden, aber der Bedarf ist noch da“, sagt Michael Mönks vom Netzwerk psychosoziale Hilfe Bad Münstereifel. „Viele Menschen waren erstmal mit dem Wiederaufbau beschäftigt und haben ihre Emotionen verdrängt - doch die kommen dann auf einmal hoch.“ Häufig sei ein bestimmter Anlass wie das Helferfest zum Jahrestag ein Trigger. Oft reiche es schon, dass den Anrufern einfach jemand zuhöre, bei Bedarf werde auch der Kontakt zu Psychologen hergestellt. Seit der Flut hätten die Ehrenamtler des Netzwerks insgesamt mehr als 1.500 Gespräche geführt. 

Lage in den Kommunen

Der Wiederaufbau läuft, doch in manchen besonders betroffenen Kommunen wird er wohl noch Jahre dauern. Einige Beispiele:  

  • Der Kreis Euskirchen ist nach eigenen Angaben sichtbar vorangekommen, aber noch nicht „fertig wiederaufgebaut“. „Der Alltag ist vielerorts zurück, viele Straßen, Brücken, Kitas, Spielplätze und Versorgungsinfrastrukturen sind wiederhergestellt.“ Eine Reihe größerer Projekte sei aber weiter offen. Mehrere Schulen werden noch neu gebaut. Für den Wiederaufbau der kommunalen Infrastruktur haben der Kreis und die betroffenen Kommunen - vor allem Schleiden und Bad Münstereifel - insgesamt mehr als eine Milliarde Euro aus dem Fluthilfefonds von Bund und Ländern erhalten.

 

  • Durch die malerische Altstadt von Bad Münstereifel flanieren wieder Touristen. Nach der Flut war die Haupteinkaufsstraße von tiefen Kratern durchzogen, viele Geschäfte waren komplett zerstört. Dieser Bereich ist nach Angaben der Stadt komplett wiederhergestellt, die Seitenstraßen dagegen seien noch nicht alle fertig. Seit kurzem ist das Schwanen-Apothekenmuseum wieder geöffnet. Das Feuerwehrgerätehaus, das Stadtarchiv und eine Kläranlage müssen noch komplett neu gebaut werden.

 

  • In Stolberg hatte das Hochwasser das historische Rathaus zerstört. Im Laufe dieses Jahres soll es so weit wiederhergestellt sein, dass dort wieder Ratssitzungen und Trauungen stattfinden können. Das zehnstöckige Verwaltungshochhaus aus den 1970er Jahren dagegen musste abgerissen werden und wird komplett neu errichtet. Mit voraussichtlich rund 95 Millionen Euro ist dies laut Stadt eine der größten Einzelmaßnahmen des Wiederaufbaus in NRW. 

 

  • In Erftstadt hatten die Fluten eine Kiesgrube zum Einsturz gebracht. Durch einen Erdrutsch kippten mehrere Häuser ins Wasser. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt wegen Baugefährdung und fahrlässigen Herbeiführens einer Überschwemmung gegen zwölf Personen, darunter den Eigentümer des Tagebaus und Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg als zuständiger Aufsichtsbehörde. Ein Ende der Ermittlungen ist nach Angaben eines Sprechers noch nicht absehbar.
Die Haupteinkaufsstraßen in der malerischen Altstadt sind wieder hergestellt, in den Seitenstraßen dagegen wird noch gebaut. Oliver Berg/dpa

Die Haupteinkaufsstraßen in der malerischen Altstadt sind wieder hergestellt, in den Seitenstraßen dagegen wird noch gebaut. Oliver Berg/dpa

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Inzwischen sind alle durch die Flut zerstörten Bahnstrecken wieder in Betrieb.Oliver Berg/dpa

Inzwischen sind alle durch die Flut zerstörten Bahnstrecken wieder in Betrieb.Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Bis der Wiederaufbau in den stark betroffenen Kommunen abgeschlossen ist, wird es noch Jahre dauern.Oliver Berg/dpa

Bis der Wiederaufbau in den stark betroffenen Kommunen abgeschlossen ist, wird es noch Jahre dauern.Oliver Berg/dpa

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