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Fisch mit gutem Gewissen? So klappt nachhaltiger Einkauf

Ob als Delikatesse, Alternative zum Fleisch oder traditionell an Karfreitag: Fisch ist beliebt. Worauf man beim Kauf achten kann, um Fischbestände und Meere zu schützen.

02.04.2026

Nachhaltiger Fischverzehr: Regionale Plattfische wie Scholle aus der Ostsee können Verbraucher bedenkenlos kaufen.picture alliance / dpa-tmn

Nachhaltiger Fischverzehr: Regionale Plattfische wie Scholle aus der Ostsee können Verbraucher bedenkenlos kaufen.picture alliance / dpa-tmn

© picture alliance / dpa-tmn

Fisch kommt in Deutschland gern auf den Teller: Im Schnitt verzehrt jeder rund 12,8 Kilo pro Jahr. Kein Wunder, Fisch ist gesund. Er liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Seefisch enthält zudem Jod. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher, ein- bis zweimal pro Woche Fisch zu essen.

Doch es ist gar nicht so einfach, nachhaltigen Fisch zu finden. „Knapp 40 Prozent der Fischbestände weltweit sind überfischt. Und einige Fangmethoden zerstören das sensible Ökosystem in den Meeren“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. 

„Bei vielen Speisefischen müssen sich Verbraucher aktiv darum kümmern, sich zu informieren, welcher Fisch nachhaltig gefangen und somit noch in Ordnung ist“, so Valet. Das gelte besonders für beliebte Speisefische wie Lachs, Thunfisch oder Forelle.

Worauf können Verbraucher also achten, wenn sie Fisch kaufen wollen? Und ist Fisch aus Aquakulturen die bessere Alternative zu Wildfang aus dem Meer?

Erste Orientierung: Welche Fische sind empfehlenswert? 

Wer im Laden steht, will beim Fischkauf in der Regel nicht lange nachdenken. Als grobe Orientierung, welchen Fisch man bedenkenlos kaufen kann, hilft laut Valet diese Einteilung: 

  • Regionale Plattfische wie Scholle, Flunder oder Kliesche aus der Ostsee
  • Miesmuscheln aus Leinenkultur
  • Echter Bonito und Weißer Thun aus fast allen Fanggebieten - besonders empfehlenswert aus dem west­lichen und mitt­leren Pazifik mit Hand- oder Angelleinen gefangen.
  • Ketalachs und Rotlachs aus Alaska
  • Ostsee-Heringe aus dem Golf von Riga

Ihr Lieblingsfisch ist nicht dabei? Dann hilft die „Guter Fisch“-Liste, aus der diese Angaben stammen. Sie nennt insgesamt 14 empfehlenswerte Wildfischarten. Die Liste wird jeden Dezember aktualisiert. Herausgegeben wird sie von WWF, Nabu, der Deutschen Umwelthilfe, der Verbraucherzentrale (VZ) und dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Der WWF hat zudem einen eigenen Fisch-Ratgeber und bietet seit 2025 einen Sushi-Ratgeber an.

Wichtig: Bei Wildfischen sind meist nicht komplette Fischarten, sondern bestimmte Bestände in bestimmten Gebieten von Überfischung betroffen. Wollen Verbraucher empfehlenswerte Meeresfische kaufen, sollten sie darauf achten, dass die Angaben aus der Liste genau übereinstimmen - mit:

  • der Fischart
  • dem Fanggebiet
  • der Fangmethode

„Frischer Fisch in Deutschland muss entsprechend gekennzeichnet sein“, sagt Valet. Das gilt auch für Räucherfisch, Tiefkühl-Produkte oder Krebs- und Weichtiere. Verarbeitete Produkte wie Fisch-Suppe oder -Bulette sind von dieser Kennzeichnungspflicht hingegen ausgenommen. 

Tipp: Bei verarbeiteten Fisch-Produkten können Verbraucher sich an der Händlerliste der VZ Hamburg orientieren. Die Verbraucherschützer haben dafür bei bekannten Supermarktketten und Händlern nachgefragt, welche Produkte die Vorgaben der „Guter Fisch“-Liste erfüllen.

Und worauf kommt es bei den Fangmethoden an? 

Der Fisch sollte nicht mit Grundschleppnetzen gefangen worden sein. „Diese Netze sind kritisch zu betrachten. Denn sie pflügen den Meeresboden um und zerstören dadurch ganze Ökosysteme“, sagt Valet. Auch der Beifang sei bei dieser Fangmethode sehr hoch. Das heißt, kleine oder junge Fische werden unnötigerweise mitgefangen. Dennoch werden diese Netze - zum Teil sogar in Meeresschutzgebieten - weiter eingesetzt.

Empfehlenswerte Fangmethoden sind in der Regel Reusen oder Fallen. Auch Handleinen oder Angelleinen sind etwa beim Thunfisch laut Valet sinnvoll.

Von welchen Fischarten wird abgeraten?

„Wer auf einen verantwortungsvollen Fischkonsum wert legt, sollte beim Kauf auf bestimmte Fischarten verzichten, damit kein Fisch aus bedrohten Beständen im Einkaufswagen landet“, sagt Valet. Nicht empfehlenswert und deshalb auch nicht mehr auf der „Guter Fisch“-Liste sind unter anderem:

  • Dorsch (Kabeljau) aus der Ostsee
  • Makrelen aus der Nordsee
  • tropische Garnelen aus Wildfang
  • Granatbarsch

Tabu sollten laut Valet diese Fischarten sein, da sie weltweit bedroht sind:

  • Aal
  • Hai - besonders Dornhai, bekannt als „Schillerlocke“
  • Rochen

Wer sich für Details zu Fischarten und Fischbeständen interessiert, kann sich auch aktuell informieren auf Fischbestände-online, einer Internetseite des Thünen-Instituts für Fischerei.

Übrigens: Geht es Verbrauchern um Nachhaltigkeit, sollten sie auch auf Fisch verzichten, der aus fernen Fanggebieten mit dem Flugzeug transportiert wurde. „Die Klimabilanz ist da einfach miserabel“, sagt Valet.

Sind Aquakulturen eine nachhaltige Alternative?

Viele Bestände im Meer sind überfischt - ist es sinnvoll, auf Fisch aus Aquakulturen auszuweichen? „Ganz so einfach ist es leider nicht“, so Verbraucherschützer Valet: „In Aquakulturen werden oft Raubfische gehalten, etwa Lachs oder Forellen. Diese Fische brauchen viel Nahrung. Das Fischmehl und das Fischöl, mit dem sie gefüttert werden, kommt in der Regel aus dem Meer.“ Damit sei also nichts gewonnen.

„Bedenkenlos kann man hingegen Karpfen aus der Zucht kaufen. Karpfen sind Friedfische und geben sich mit pflanzlicher Nahrung und Würmern zufrieden“, erklärt Valet.

Bei Aquakulturen kommen zum Teil aber auch Chemikalien und Medikamente zum Einsatz, die die Umwelt belasten. Am besten achtet man Valet zufolge auf Bio-Fisch. „Die Bestände sind hier meist kleiner und der Einsatz von Antibiotika stark eingeschränkt. Zudem darf kein gentechnisch verändertes Soja gefüttert werden.“

Woran können sich Verbraucher noch orientieren? 

Auch Siegel können Orientierung geben. „Bei Aquakulturen sticht das EU-Bio-Siegel besonders positiv heraus“, sagt Valet. Bei Aquakulturen kann man zudem auf das ASC-Siegel achten - die Abkürzung steht für Aquaculture Stewardship Council. 

Für Wildfang gibt es analog dazu das MSC-Siegel, die Kurzform für Marine Stewardship Council. „Fischprodukte mit diesen Siegeln sind auf jeden Fall besser als ohne, deshalb können sich Verbraucherinnen und Verbraucher gut daran orientieren. Es gibt aber auch immer wieder berechtigte Kritik an schwachen Nachhaltigkeitskriterien“, so Valet. Es kommt auf Details an, etwa die Fangmethode und die Mengen an. Daher sollte man den Siegeln nicht blind vertrauen. Mehr Informationen über Fisch-Siegel findet man etwa bei der Verbraucherzentrale, beim Nabu sowie der Stiftung Warentest

Wer sich unsicher ist oder sich nicht mit Details beschäftigen will, fragt im Fischladen seines Vertrauens gezielt nach nachhaltig gefangenem Fisch.