Panorama

Erst Sex, dann kennenlernen bei RTLzwei: „Maison Tabou“

Ein neues Dating-Reality-TV-Format macht auf geheimnisvoll und setzt auf Blind-Dates und sexuelle Spannung vor der Kamera. Wie erotisch ist das?

30.09.2026

In dem Dating-Format treffen Singles zunächst anonym aufeinander.RTLzwei/dpa

In dem Dating-Format treffen Singles zunächst anonym aufeinander.RTLzwei/dpa

© RTLzwei/dpa

Erotik im Fernsehen ist ein schwieriges Geschäft. Der Streamingdienst RTL+ und RTLzwei - der für Reality-TV und Doku-Soaps bekannte Privatsender aus Grünwald bei München - versuchen nun etwas Neues in diesem Bereich, indem sie den Fokus auf Sexualität setzen statt aufs Kennenlernen per Gespräch. Dabei wird aber nicht zu viel gezeigt, was im Fernsehen aus Jugendschutzgründen tabu wäre.

Es ist wohl eines der gewagtesten TV-Experimente des Jahres: die RTLzwei-Reihe „Maison Tabou“ (TV-Premiere: 30.9. spätabends; alle Folgen sieben Tage vorab auf RTL+; Folge eins also seit 23.9. online). 

„Maison Tabou“ entsteht in Zusammenarbeit der Produktionsfirma Ufa Show & Factual mit einer Erotikmarke, die Merchandise und Sextoys dazu anbietet.

Wird aus sexueller Spannung echte Begierde?

Im Mittelpunkt des Formats steht die Frage, die sich wohl auch viele Zuschauerinnen und Zuschauer im echten Leben nach einem One-Night-Stand stellen oder stellen würden: Kann aus einer zunächst nur rein sexuellen Erfahrung, einer gemeinsamen Nacht, auch mehr werden? 

Oder wie die Macher es formulieren: „Kann zwischen zwei Menschen eine echte Verbindung entstehen, wenn Erwartungen und klassische Dating-Konventionen in den Hintergrund treten?“ 

Der Ablauf sieht so aus:

  • Anonymes Einchecken: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen in eine Art Hotel und legen beim Check-in Name und Alltagsidentität ab. Sie geben sich einen Fantasienamen und bekommen ein Zimmer.
  • Zur Tat schreiten: Nachdem die Teilnehmenden ein wenig von sich erzählt und sich zurechtgemacht haben - mit Kostüm oder Fetischklamotten - geht es im weiteren Ablauf darum, mit jemand anderem zusammengeführt zu werden und körperliche Nähe zu suchen.
  • Die Enthüllung: Erst beim gemeinsamen Frühstück am folgenden Morgen fallen die Masken (manchmal sogar im Wortsinn) und die wahren Identitäten werden preisgegeben. Danach entscheiden die Paare, ob sie weiterhin miteinander zu tun haben möchten.

Über das Geschehen wacht die Off-Stimme von „Madame“. Zu Gesicht bekommen die Singles und Zuschauenden die geheimnisvolle Hausherrin aber nicht. 

Sexpositiv-Trend kommt im Mainstream an

In Folge eins ist etwa der muskulöse Brasilianer Ray (30) dabei, der von sich sagt, er sei pansexuell, fühle sich weder heterosexuell noch schwul: „Ich steh‘ auf Menschen.“

Aurora (36) erzählt hingegen, sie möge Sinnliches, „nicht dieses sinnlose Rumpoppen“: „Ich brauche Sicherheit.“ Sie lässt sich mit Augenbinde von Noel (28), der auf eine gewisse Reife steht, wie er sagt („Mit’m zwanzigjährigen Küken könnt‘ ich nix anfangen“) unter anderem peitschen. 

„Maison Tabou“ nimmt den oft noch randständigen Sexpositiv-Trend im Mainstream-Medium Fernsehen auf. Es geht also darum, Scham zu überwinden, Einvernehmlichkeit (Consent) herzustellen und unterschiedliche sexuelle Orientierungen zu respektieren. Sexualität wird als etwas Natürliches und Schönes verstanden, das frei von Schuldgefühlen oder Tabus ausgelebt werden darf. 

Alle sexuellen Handlungen basieren auf dem jederzeit widerrufbaren Einverständnis aller Beteiligten. Viele Identitäten, Vorlieben (Kinks/Fetische) und Beziehungsformen werden gleichberechtigt akzeptiert.

Wie sexy das alles ist, wird wohl jede Zuseherin und jeder Zuseher anders sehen. Auch ob ihr oder ihm die Teilnehmenden Lust auf mehr machen.

Mysteriös gibt sich RTLzwei, was die Dauer des Formats angeht: „Die genaue Folgenanzahl geben wir derzeit noch nicht bekannt“, sagt ein Sendersprecher. „Die Matches bei „Maison Tabou“ finden zunächst zwischen Mann und Frau statt. Im weiteren Verlauf können sich aus der Dynamik zwischen den Teilnehmenden jedoch auch unterschiedliche Konstellationen und Begegnungen ergeben, die über das klassische Match hinausgehen.“