Panorama

Einladung an einen Mörder? - „Die Falle“ bei Netflix

Bestsellerautorin Lisa Konrad hat ihr Haus seit dem Mord an ihrer Schwester vor fast zehn Jahren nicht mehr verlassen. Im TV glaubt sie nun den Täter erkannt zu haben. Netflix-Thriller „Die Falle“.

12.10.2026

Friederike Becht und Hans Löw in einer Szene der 6-teiligen Psychothriller-Miniserie „Die Falle“.Martin Menke/Netflix/dpa

Friederike Becht und Hans Löw in einer Szene der 6-teiligen Psychothriller-Miniserie „Die Falle“.Martin Menke/Netflix/dpa

© Martin Menke/Netflix/dpa

Ideal für verregnete Herbsttage: Die sechsteilige Netflix-Serie „Die Falle“ ist ein gelungener Psychothriller und lässt sich locker am Stück schauen. Eine clevere, raffiniert aufgebaute Story mit überraschenden Momenten zieht die Zuschauer rein in die Welt der Erfolgsautorin Lisa Konrad. 

Eine Welt, die aus einer alten Villa besteht, denn Lisa hat das Haus seit fast zehn Jahren nicht verlassen. Seit dem Mord an ihrer Schwester. Nun glaubt Lisa, den Täter im Fernsehen erkannt zu haben. Sie will ihn überführen - dafür muss sie raus aus ihrer Welt.

Die sehenswerte Miniserie basiert auf dem gleichnamigen, 2015 erschienenen Roman von Melanie Raabe und ist ab 13. Oktober bei Netflix zu sehen. Das Buch schaffte es damals auf die Spiegel-Bestsellerliste und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Drehbuchautorin Isabel Kleefeld hat den Stoff als spannendes, psychologisches Spiel fürs Fernsehen adaptiert und zugleich Regie geführt. 

„Die Falle“ ist das vielversprechende Folgeprojekt des Kreativteams von „Liebes Kind“ - der deutschen Netflix-Reihe, die mit einem International Emmy gekrönt wurde und eine der meistgesehenen deutschen Serien des Streaminganbieters weltweit ist.

Leben in Isolation

Lisa Konrad (Friederike Becht) lebt abgeschottet von der Außenwelt. Ihre Psychologin kommt zu Therapiestunden zu ihr ins Haus, eine junge Frau hilft bei Alltagsdingen, und Verleger Norbert Rudow (Matthias Brandt) weiß, wo er seine wertvolle Bestsellerautorin erreichen kann. Für etwas Leben in der Villa sorgt ein fröhlicher Hund.

Als Lisa glaubt, in einer Nachrichtensendung unter den Journalisten den Mörder ihrer Schwester entdeckt zu haben, ist sie geschockt. Sie hatte Anna damals schwer verletzt gefunden und ihren - vermeintlichen - Mörder noch gesehen. Jetzt recherchiert sie und findet heraus: Der Reporter heißt Robert Lenzen (Hans Löw). Weil ihr die Polizei nicht glaubt, fasst Lisa einen Plan, wie sie Lenzen überführen könnte.

Spinnt hier jemand Intrigen?

Sie schreibt einen neuen Roman und macht sich selbst zum Köder, indem sie Lenzen für ein Interview zu sich nach Hause einlädt. Noch nie hat sie ein Interview gegeben. Für den Journalisten wäre das Gespräch eine Sensation. Er kann das Angebot kaum ausschlagen.

Der Zuschauer erfährt inzwischen Dinge, die Lisa nicht weiß, und fragt sich unter anderem: Was weiß der Verleger? Welche Rolle spielt die Psychologin in der Sache? Lisa wird jedenfalls immer tiefer hineingezogen in ein Netz aus Verdächtigungen und Widersprüchen - und es stellt sich immer mehr die Frage, ob hier jemand intrigiert. 

Als Robert Lenzen Lisa zum Interview besucht, scheint sich das Spiel zu drehen. Lockt nicht mehr Lisa Robert in eine Falle, sondern umgekehrt? Dann weiß auch der Zuschauer kaum noch, welcher Figur er trauen kann.

Starke Darsteller

Der Zuschauer fiebert mit Lisa mit und erlebt, wie sie sich aus ihrer Isolation herauskämpft. Schafft sie es, den Mord an ihrer Schwester aufzuklären? Oder wird auch der Zuschauer am Ende getäuscht und in eine erzählerische Falle gelockt? Die Reihe lebt auch von den überzeugenden Darstellern, insbesondere Friederike Becht, die die Handlung über weite Strecken trägt. Stark auch Hans Löw und Matthias Brandt sowie in Nebenrollen zum Beispiel Anna Schudt.

Produzent Friederich Oetker hebt im Netflix-Interview Friederike Becht hervor: Die Darstellerin der Lisa brauche nicht nur eine gewisse körperliche Fitness, um stark zu sein. Man müsse ihr auch zutrauen, dass sie eine gute Autorin ist und dass sie den gefassten Plan durchzieht. „Es muss sich viel abbilden in Friederike Bechts Spiel, weil sie als Lisa Konrad wenig Anspielpartner hat am Anfang in ihrer Isolation. Die Rolle verlangte eine so vielschichtige Schauspielerin, wie Friederike Becht sie ist, um das glaubhaft darzustellen.“

Hitchcock-Feeling

Aus Sicht von Co-Produzent Tom Spieß geht es in dem Stoff um die Selbstermächtigung der Hauptfigur, die nach einem Schock versucht, ihre Autarkie zurückzugewinnen, indem sie dem vermeintlichen Mörder ihrer Schwester eine Falle stellt und ihn in ihr Haus lockt. „Es ist beeindruckend, wie die Geschichte es schafft, durch den riskanten Plan der Hauptfigur, ihr eigenes Tempo und Klima zu erschaffen.“ Das Duell zwischen Lisa Konrad und Robert Lenzen sei einfach fesselnd.

Oetker fühlt gar Hitchcock-Vibes: „Mich hat die Geschichte ein bisschen an „Das Fenster zum Hof“ erinnert, wo auch jemand, der an sein Haus gefesselt ist, einen vermeintlichen Mörder überführen möchte. Dass die Hauptfigur bei „Die Falle“ selbst der Köder ist, ist eine außergewöhnliche Konstellation.“