Der Luchs streift durch NRW - wann wird er heimisch?
Die Samtpfoten lassen sich mitunter auch in NRW blicken, zu Hause sind sie hier bisher aber nicht. Wann sich das ändern könnte und welche Rolle das Bundesland im Artenschutz spielt.
In Nordrhein-Westfalen ist der Luchs bisher noch nicht wieder dauerhaft angesiedelt. (Archivbild)Martin Schutt/dpa
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Gepunktetes Fell, Pinselohren und ein kurzer Stummelschwanz: Gelegentlich sind Luchse in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen zu sehen. Die Raubkatze wurde zuletzt gleich dreimal im Kreis Lippe beobachtet. Das bestätigten das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (Lanuk) und ein Luchs- und Wolfsberater, wie die Pressestelle des Kreises Lippe mitteilte. Ob es sich bei den Sichtungen um ein Exemplar oder mehrere Individuen handelt, bleibt offen.
Auch wenn er immer mal wieder in den NRW-Wäldern zu sehen ist, heimisch ist der Luchs dort bislang nicht, sagt Christine Thiel-Bender, Referentin für Artenschutz beim BUND NRW. Bei den im Kreis Lippe gesichteten Tieren handele es sich wahrscheinlich um Luchse aus einem Grenzgebiet, sagt Ole Anders, Koordinator des Luchsprojektes Harz.
„Die Gebiete trennt nur die Weser. Es ist gut möglich, dass eins der Tiere den Fluss überquert hat“, sagt Anders. Auch Lanuk-Sprecher Wilhelm Deitermann vermutet, dass die Luchse auf den Aufnahmen ursprünglich aus dem Harz-Gebiet stammen.
Erstes Tier soll in fünf Jahren in NRW ausgewildert werden
Rund 200 Luchse leben nach Zahlen des Luchsprojektes Harz heute in Deutschland - 160 von ihnen durchziehen das Gebiet vom Harz bis zur Weser. Das ist das Ergebnis von Wiederansiedlungen der Art, denn die Samtpfote war in deutschen Gebieten 200 Jahre lang ausgestorben.
Zwischen 2000 und 2006 wurden 24 Tiere im Rahmen eines Nachsiedlungsprojektes im Harz freigelassen, berichtet Anders. Ähnliche Aktionen gab es in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und im Pfälzerwald.
Langfristig soll der Luchs auch in Nordrhein-Westfalen heimisch werden. (Archivbild)Hendrik Schmidt/dpa
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Wer einen wilden Luchs in NRW beobachten möchte, benötigt jedoch voraussichtlich noch etwas Geduld. Der BUND und die NRW-Stiftung planen, innerhalb von fünf Jahren das erste Tier in den nordrhein-westfälischen Wald zu entlassen. Im späteren Verlauf würden weitere Tiere ausgewildert, so BUND-Expertin Thiel-Bender. Als potenzieller Ort für die Freilassung kämen demnach große Waldgebiete wie das Rothaargebirge infrage.
Luchspaar soll in Wuppertal für Nachwuchs sorgen
Die Partner arbeiten in NRW mit Zoos zusammen, um geeignete Tiere für die Auswilderung zu finden. Zudem beschäftigt sich der Zoo in Wuppertal mit der Zucht von Luchsen, um das Projekt für NRW voranzutreiben.
So sollen Luchskater Viktor und Luchskatze Missy für Nachwuchs mit einer Perspektive auf die freie Wildbahn sorgen. Sie trafen im Frühjahr in Wuppertal aufeinander. Bisher habe es zwischen den beiden aber noch nicht gefunkt, hatte der Zoo mitgeteilt.
„Das ist ein Schlaraffenland für den Luchs“
Mit dem Projekt soll NRW zum Netzwerkpunkt der bereits besiedelten Gebiete werden. Denn der Luchs ist laut Anders in Deutschland inselartig verbreitet. Das Revier eines Tieres betrage mit 200 Quadratkilometern etwa die Größe des Stadtgebiets Düsseldorf, erklärt Thiel-Bender. Zurzeit seien die einzelnen Luchsbestände jedoch etwa 50 bis 100 Kilometer voneinander entfernt. Das sei zu weit.
Aufgrund der Distanz breite sich der Luchs wesentlich langsamer aus als etwa der Wolf. Zur rascheren Verbreitung müssten die Tiere näher beieinander sein. Im Idealfall treffe ein Kater auf zwei bis drei Weibchen.
Im deutschen Ökosystem war der Luchs lange heimisch. Auch heute trage er hier zum natürlichen Gleichgewicht bei, hebt Lanuk-Sprecher Deitermann hervor. So helfe er, eine zu hohe Rehpopulation einzudämmen. Inmitten potenzieller Beute fühle sich die Raubkatze wohl, sagt Thiel-Bender: „Das ist ein Schlaraffenland für den Luchs.“ Töte der Luchs ein Reh, profitiere davon nicht nur die Samtpfote selbst. Auch andere Tiere äßen von dem Kadaver und der Waldboden werde fruchtbarer.
Jedes Tier hat einzigartiges Muster
Für den Menschen sei der Luchs keineswegs gefährlich, so Thiel-Bender. Auch die Angriffe auf Nutztiere hielten sich in Grenzen. In ganz Deutschland komme es zu etwa zwei bis drei Vorfällen pro Jahr, bei denen jeweils ein bis zwei Tiere gerissen würden.
Ob es sich bei den im Kreis Lippe gesichteten Luchsen um dasselbe oder unterschiedliche Tiere handelt, bleibt bisher unklar. Unterscheiden lassen sich die Raubkatzen an ihrem Fell. Jedes Tier trage ein individuelles Muster, so Thiel-Bender. „Die Punkte bei dem Luchs sind wie die Fingerabdrücke bei dem Menschen“, verdeutlicht die Referentin für Artenschutz.
Da die Tiere auf den Aufnahmen im Kreis Lippe von unterschiedlichen Perspektiven zu sehen sind, sei keine eindeutige Identifikation möglich, wie die Pressestelle des Kreises mitteilt.
Auch Luchs im Sauerland gesichtet
Zuvor hatte das Lanuk auch einen Luchs-Nachweis im Sauerland bestätigt. Eine Fotofalle löste am 30. Oktober 2025 im Kreis Olpe aus. Nur wenige Tage später, am 3. November, wurde den Angaben zufolge derselbe Luchs erneut im Märkischen Kreis fotografiert. In der Zwischenzeit hat der Kater NRW jedoch verlassen: Im Februar lief er vor eine Fotofalle in Hessen.