Panorama

Auto fuhr in Schülergruppe: Nun steht der Fahrer vor Gericht

Mutmaßlich vier Sekunden Rot und fatale Folgen: Rund ein Jahr nach der Tragödie um eine Schülergruppe in Hürth muss sich ein junger Fahrer verantworten. Zwei Menschen wurden aus dem Leben gerissen.

15.05.2026

Spurensuche am Ort der Tragödie: Ein Jahr nach dem tödlichen Unfall an einer Kreuzung in Hürth beginnt vor dem Kölner Landgericht ein Prozess. (Archivfoto)Sascha Thelen/dpa

Spurensuche am Ort der Tragödie: Ein Jahr nach dem tödlichen Unfall an einer Kreuzung in Hürth beginnt vor dem Kölner Landgericht ein Prozess. (Archivfoto)Sascha Thelen/dpa

© Sascha Thelen/dpa

Es ist ein Schultag im Juni, als eine Grundschulklasse in Hürth einen Fußgängerüberweg überquert. Sekunden später wird die Gruppe von einem Auto erfasst - es soll bei roter Ampel ungebremst in die Kreuzung gefahren sein, gelenkt von einem heute 21-Jährigen. Eine Schülerin und ein Schulbegleiter sterben, zwei weitere Schulkinder werden verletzt.

Fast ein Jahr später kommt es nun zum Prozess. Von Montag (18. Mai, 9.30 Uhr) an steht der Fahrer des Wagens vor dem Kölner Landgericht. Ihm wird unter anderem zweifache fahrlässige Tötung sowie zweifache fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, mit einem BMW die Ampel, die bereits vier Sekunden rot gezeigt habe, mit bis zu 57 Kilometern pro Stunde überfahren zu haben. Ohne abzubremsen, soll der damals 20-Jährige in die Gruppe der Viertklässler gefahren sein, die in Begleitung von Lehrern und Begleitpersonen gerade die Straße an einem Fußgängerüberweg bei Grün überqueren wollten. Das Auto habe drei Schüler und einen Schulbegleiter erfasst.

Schülerin und Schulbegleiter sterben an schweren Verletzungen

Zwei Schüler erlitten demnach leichte Verletzungen an den Füßen, die ambulant behandelt worden seien. Eine zehnjährige Schülerin und ein 25 Jahre alter Schulbegleiter seien so hart getroffen worden, dass sie durch die Luft flogen. Beide erlitten schwere Schädel-Hirn-Verletzungen, an denen das Mädchen zwei Tage und der 25-Jährige neun Tage später im Krankenhaus starben.

Kürzlich meldete sich der Vater des getöteten Schulbegleiters zu Wort. In der SWR-Talkrunde „Nachtcafé“ schilderte er, dass sein Sohn noch vier Schüler aus der Gruppe vor dem herannahenden Fahrzeug habe in Sicherheit bringen können. Beim Versuch, auch die Zehnjährige noch zu retten, seien beide aber von dem Auto erfasst worden. 

„Zwanzig, dreißig Zentimeter haben gefehlt, dass er das geschafft hätte“, sagte der Vater in der Sendung. Er und seine Frau hätten eine Stiftung gegründet, um das Andenken an ihren Sohn und seine „intuitive Selbstlosigkeit“ wachzuhalten. Die Organe seien gespendet worden - das Herz schlage heute im Körper eines anderen Menschen weiter. 

Alkohol- und Drogentest verlaufen negativ

Ein Alkohol- und Drogentest bei dem Unfallfahrer fiel negativ aus. Auch eine Ablenkung des Fahrers durch sein Mobiltelefon gilt laut den Ermittlungsergebnissen als ausgeschlossen. Im Prozess wird es darum gehen, wie es zu dem verheerenden Unglück hatte kommen können.

Neben den fahrlässigen Tötungen und Körperverletzungen wird dem 21-Jährigen auch ein Verstoß gegen das Waffengesetz sowie Handel mit Cannabis zur Last gelegt. Laut der Anklage soll der Mann bei der Unfallfahrt eine scharfe Patrone bei sich geführt haben. Zudem sollen bei einer Durchsuchung der Wohnung am Unfalltag rund 122 Gramm Cannabis sichergestellt worden sein.

Da der Angeklagte als Heranwachsender gilt, kann in dem Gerichtsverfahren sowohl Jugend- als auch Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommen. Der Prozess ist mit vier Verhandlungstagen bis 3. Juni terminiert.