Auto-Bedienung: Auf möglichst wenig Ablenkung achten
Blinker und Scheibenwischer im Touchscreen-Menü? Das kann gefährlich werden. Die Unfallforschung der Versicherer erklärt, welche Funktionen besser per Taste oder Sprache steuerbar sind.
Auch wenn der Touchscreen irgendwie futuristisch anmutet: Lieber echte Knöpfe, die sich gut fühlen und intuitiv bedienen lassen.Christin Klose/dpa-tmn
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Segen und Fluch zugleich? Moderne Autos haben immer mehr Funktionen. Egal, ob für mehr Sicherheit, Komfort, Navigation, Kommunikation, Unterhaltung, Fahrzeugeinstellungen und so weiter. Doch das alles will ja auch bedient werden. So lassen sich die Features etwa über Touchscreens, Sprache oder ganz klassisch über Tasten, Hebel oder Schalter bedienen. Das kann aber für Ablenkung und dafür sorgen, dass der Blick länger als nur einen ganz kurzen Augenblick von der Straße gewendet wird.
Und eben das ist sehr gefährlich, so die Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Versicherer (UDV). Wer bei Tempo 50 für eine Sekunde abgelenkt sei, fährt der UDV zufolge 14 Meter blind und braucht mindestens weitere 24 Meter Bremsweg, bis das Auto steht. Passiert das bei 100 km/h werden daraus schon 28 Meter Blindfahrt und mindestens 70 Meter Anhalteweg. Daher erlaube die Straßenverkehrsordnung nur eine kurze Blickzuwendung, darunter fallen auch Touchscreens.
Die UDV hat untersucht, wo Ablenkungspotenzial lauert und wie Touch-Displays, Lenkradtasten und Sprachsteuerung gestaltet sein müssen. Wer ein neues Auto sucht, sollte darauf achten, ob sich die Funktionen gut und sicher bedienen lassen. Das sollte vor dem Kauf und bei Probefahrt umfassend ausprobiert werden.
Grundsätzlich gibt die UDV folgende Tipps dazu, was sich am besten wie bedienen lassen und worauf bei der Auswahl geachtet werden sollte.
Sprachsteuerung für komplizierte Aufgaben
Wer während der Fahrt, telefonieren, navigieren, den Radiosender einstellen oder die Playlist auswählten will, sollte das per Sprache machen können. Denn dabei werden visuelle oder motorische Ressourcen nicht benötigt - sprich, man muss nicht hinschauen oder hinlangen. Damit, so die UDV, lenkt die Bedienung per Sprache am wenigsten ab, zumindest wenn das System gut funktioniert. Denn ansonst könnten Fahrer wieder zum Touchscreen wechseln.
Deswegen sollte die Bedienung mit natürlicher Sprache zuverlässig funktionieren, keine speziellen Keywords benötigen und selbst bei Dialekten arbeiten. Die Spracherkennung sollte man unter anderem auch bei realistischen Bedingungen testen, rät die UDV. Etwa mit zusätzlichen Geräuschen im Innenraum wie Musik aus dem Radio oder weiteren Gesprächen. Für die am meisten benötigten Funktionen reicht idealerweise ein einziger Befehl.
Schalter, Tasten und Hebel für wichtige Fahraufgaben
Essenzielle Funktionen fürs Fahren werden am besten mit physischen Schaltern oder Tasten gesteuert. Die UDV nennt unter anderem Blinker, Scheibenwischer, Warnblinker oder Licht. Das gilt idealerweise auch für häufig genutzte Komfortfunktionen - etwa die Lautstärkeregelung. So etwas sollte sich immer an derselben Stelle sofort und intuitiv bedienen lassen. Schalter für Blinker Licht und Co. liegen am besten an der Lenksäule liegen - dort, wo man sie erwartet.
Rastbare Stufen und ein „Klick“ erleichtern die Bedienung ohne Hinzusehen. Ungünstig: Tasten zum Touchen ohne fühlbare Rückmeldung. Tasten auf Lenkrädern sollten nicht zu viele sein und dabei groß genug sein, um sie ohne Hinsehen unterscheiden zu können.
Touch-Bedienung? Ja, aber nur ganz kurz
Um komplexere Sachen wie gespeicherte Naviziele, Telefonnummern oder Fahrzeugeinstellungen aufzurufen, sind Touchscreens „nur die zweitbeste Option nach der Spracherkennung“, so die UDV. Und das auch nur, wenn sie sich schnell ohne lange Blickabwendung zuverlässig bedienen lassen. Denn verstecken sich Funktionen in Untermenüs lassen sich über mehrfache Schritte erreichen, steigt das Ablenkungsrisiko. Wer ein Fahrzeug kaufen will, sollte beim Touchscreen unter anderem auf folgende Dinge achten:
- Er sollte nah am normalen Blickfeld liegen, vor allem nicht zu tief.
- Man sollte ihn bedienen können ohne sich nach vorn beugen zu müssen.
- Wichtige Funktionen sollten sich per Schnellzugriff finden lassen - etwa ein Radiosender oder ein eingespeichertes Ziel.
- Die Buttons sollten groß genug sein - Tippen ist zudem besser als Wischen oder Schieben. Auch eine haptische Rückmeldung ist hilfreich.
- Reagiert der Touchscreen auch mit kalten oder trockenen Fingern?