„Erschreckend“: Angriffe mit Pyrotechnik auf Einsatzkräfte
Brennende Container und Angriffe mit Böllern: Erneut kommt es in der Silvesternacht zu einigen Übergriffen. Doch nicht überall fällt das Fazit alarmierend aus.
Erneut kam es auch in Niedersachsen und Bremen zu Übergriffen auf Polizisten und andere Einsatzkräfte.Moritz Frankenberg/dpa
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In der Silvesternacht ist es auch in Niedersachsen und Bremen vereinzelt zu Angriffen auf Polizisten und Feuerwehrleute gekommen. Die Polizei in der Hansestadt sprach von einer „arbeitsreichen Nacht“. Fünf Polizisten erlitten ein Knalltrauma, konnten ihren Dienst aber fortsetzen. Bei einigen Einsätzen musste die Feuerwehr unterstützt werden, weil sie mit Pyrotechnik beschossen wurde.
Bremens Innensenatorin Eva Högl (SPD) nannte die Angriffe auf die Einsatzkräfte „erschreckend“. In einer Mitteilung wurde sie mit den Worten zitiert: „Wer Polizistinnen und Polizisten angreift, greift unseren Rechtsstaat an. Unsere Einsatzkräfte brauchen Rückendeckung – von der Politik, von der Justiz und von der Gesellschaft.“ Von 18.00 Uhr bis 6.00 Uhr am Neujahrsmorgen sei die Polizei in Bremen zu 300 Einsätzen ausgerückt.
Einsatzkräfte mit Böllern und Raketen beschossen
In Bremen-Tenever brannte es auf dem Dach einer Kindertagesstätte. Die Feuerwehr wurde bei ihrer Arbeit behindert, weil etwa 20 Menschen die Einsatzkräfte mit Böllern und Raketen beschossen. Die alarmierte Polizei wurde laut Pressemitteilung von der „auf 50 Personen angewachsenen Menschenmenge durchgehend beleidigt und mit Böllern beworfen, die direkt vor ihnen explodierten“. Nach Beruhigung der Situation wurden bei Kontrollen Schreckschusswaffen, Messer und Reizgas sichergestellt.
An einer anderen Stelle in der Stadt wurden Altpapier, Unrat und ein E-Scooter abgebrannt. Bei der Festnahme von Tatverdächtigen kam es auch hier zu Angriffen auf die Einsatzkräfte. Die Polizei setzte Reizgas ein. Die Feuerwehr habe den Bereich nicht befahren können, weil sie mit Böllern beschossen wurde, hieß es weiter. Der Brand wurde von einem Wasserwerfer der Polizei gelöscht. Verletzt wurde niemand.
In Bremerhaven wurden am frühen Abend das Polizeirevier in Leherheide und dort parkende Streifenwagen gezielt mit Feuerwerkskörpern aus einer Jugendgruppe heraus beworfen. Größere Schäden entstanden dabei nicht.
Jahreswechsel in Hannover laut Polizei „vergleichsweise ruhig“
In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover gab es laut Polizei „vereinzelt Angriffe auf Einsatzkräfte mit Pyrotechnik“. So wurden Polizisten am frühen Abend auf der Georgstraße mit einem Böller beworfen. Verletzt wurde dabei niemand. Kurz vor und kurz nach Mitternacht kam es zu ähnlichen Vorfällen im Stadtgebiet.
In Hannover wurden Polizisten mit Böllern beworfen.Moritz Frankenberg/dpa
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Zudem wurden Einsatzkräfte bei einem Containerbrand in Hannover-Sahlkamp/Vahrenheide von mehreren Menschen mit Böllern beworfen. Drei Männer wurden den Angaben zufolge in Gewahrsam genommen. Vier Polizeibeamte wurden durch den Böllerwurf und einer zusätzlich durch Widerstand bei der Festnahme leicht verletzt. Bei der Durchsuchung wurde bei einem der Männer eine Schreckschusswaffe gefunden.
Einen weiteren Angriff mit einer Silvesterrakete gab es später bei der Aufnahme eines Brandes. Hierbei wurde kein Polizist verletzt. Gegen Mitternacht versammelten sich auf dem Steintorplatz etwa 1.000 Menschen. Dabei sei es kurzzeitig zu einem Anstieg des Zündens von Feuerwerkskörpern gekommen, die in einzelnen Fällen auch in Richtung von Personen oder Fahrzeugen geworfen wurden, hieß es von der Polizei. Die Lage habe sich aber rasch wieder beruhigt. Insgesamt sei die Nacht im Stadtgebiet Hannover und Laatzen „vergleichsweise ruhig“ verlaufen.
Prügelei wegen fehlgeleiteter Rakete
Wegen einer fehlgeleiteten Silvesterrakete kam es in Emden zu einer Prügelei zwischen zwei Gruppen. Dabei wurden acht Menschen leicht verletzt, vier von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt, wie die Polizei mitteilte. Zu der Schlägerei kam es, als bei der einen Gruppe eine Flasche mit einer Rakete kurz nach dem Zünden umfiel und die Rakete in Richtung der anderen Gruppe flog.
Durch den Feuerwerkskörper wurde zwar niemand verletzt, im Anschluss entwickelte sich kurz nach Mitternacht aber eine Keilerei zwischen den insgesamt zehn Personen, wie ein Polizeisprecher sagte. Nach ersten Erkenntnissen seien alle Beteiligten Erwachsene gewesen. Genauere Informationen zu Alter und Nationalität lagen zunächst nicht vor.
Polizistin leicht am Bein verletzt
In Sulingen im Landkreis Diepholz zündeten Unbekannte eine Feuerwerksbatterie gegen Polizisten. Eine Beamtin wurde am Bein getroffen und leicht verletzt. Ihr Kollege erlitt eine kurzfristige Beeinträchtigung des Hörvermögens. Beide setzten ihren Dienst in der Nacht aber fort.
Auch am Hafen des Fischerdorfs Ditzum in Ostfriesland wurde das neue Jahr mit Feuerwerk begrüßt.Lars Penning/dpa
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Bei einem Containerbrand in Schwarmstedt im Heidekreis wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr mit pyrotechnischen Gegenständen beworfen. Verletzt wurde hier niemand, ein Strafverfahren wegen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte wurde eingeleitet.
Keine größeren Zwischenfälle in Göttingen und Braunschweig
Für Göttingen meldete die Polizei ein „friedliches und durchgehend kooperatives Verhalten beinahe sämtlicher Personen“. Innerhalb der Feuerwerksverbotszone in der Innenstadt habe man vereinzelt das Zünden von Feuerwerkskörpern registriert. Aggressionen oder Übergriffe auf Einsatzkräfte blieben nach ersten Erkenntnissen aus. „Wir konnten ein überwiegend ruhiges und gewaltfreies Silvester in Göttingen verzeichnen“, sagte Einsatzleiter Luis-Miguel Herrmann.
Auch aus Braunschweig, Cuxhaven oder Lüneburg wurden zunächst keine Angriffe auf Einsatzkräfte bekannt.