Politik Inland

Angriff bei Berliner CSD - Entsetzen und Solidarität in NRW

Der tödliche Angriff am Rande des CSD in Berlin schockiert auch in NRW. Ein Tatverdächtiger mit islamistischen Bezügen wird gesucht. Abscheu und Entsetzten, auch Warnungen und Kritik sind zu hören.

26.07.2026

Trauer und Mitgefühl sind groß. Sebastian Gollnow/dpa

Trauer und Mitgefühl sind groß. Sebastian Gollnow/dpa

© Sebastian Gollnow/dpa

Der tödliche Angriff am Rande des Berliner CSD hat auch in Nordrhein-Westfalen für Entsetzten sowie Mahnungen und Kritik gesorgt. Ministerpräsident Hendrik Wüst verurteilte den Vorfall als einen „abscheulichen Angriff auf unsere Freiheit“. Die schreckliche Tat sei erfolgt während Hunderttausende Menschen friedlich für eine offene und vielfältige Gesellschaft feierten, schrieb der CDU-Regierungschef auf der Plattform X. 

Die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) postete auf X, der Angriff treffe die gesamte Gesellschaft und mache „brutal deutlich, dass nichts selbstverständlich ist.“ Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) schilderte, die Polizei suche einen Tatverdächtigen, der sich den Erkenntnissen zufolge radikalisiert habe und der islamistischen Szene angehöre. Er sei 2005 in Deutschland geboren, deutscher Staatsbürger und habe einen libanesischen Hintergrund. Alles deute auf einen islamistischen Terroranschlag hin.

Der Bundespräsident äußert sich in Hamm 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der am Sonntag zum Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland nach Hamm gekommen war, nannte die Tat einen „Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“. Er zeigte sich erschüttert über den mutmaßlichen Anschlag beim CSD, „bei dem Hunderttausende Menschen aus aller Welt friedlich und fröhlich feiern wollten, ein Zeichen setzen wollten für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben“. 

Mindestens eine Tote und zahlreiche Verletzte

Am Rande der Großveranstaltung war am Samstag ein Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren, mindestens eine Frau wurde getötet. 29 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Bei der Tat setzte der Tatverdächtige laut Ermittlern auch eine Machete ein. Er floh, nach dem Mann wird gefahndet. 

Die Tat erschüttert bundesweit. Sebastian Gollnow/dpa

Die Tat erschüttert bundesweit. Sebastian Gollnow/dpa

© Sebastian Gollnow/dpa

Innenminister Reul will Polizei verstärkt sensibilisieren

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Der mutmaßliche Anschlag beim Christopher Street Day in Berlin macht erneut deutlich, welche Gefahr von islamistischen Einzeltätern ausgeht - Menschen, die ohne Vorwarnung losziehen und Anschläge begehen.“

Er kündigte als Konsequenz an: „Wir werden aktuell die Polizei im Land für die laufenden und anstehenden Veranstaltungen und Feste noch einmal sensibilisieren.“ Klar sei: „Wir dürfen uns unsere Freiheit, unser öffentliches Leben und unsere Feste nicht von Terroristen nehmen lassen. Genau das wäre ihr Ziel - und genau das werden wir nicht zulassen.“

Entsetzte Stimmen auch von Opposition

Der SPD-Spitzenkandidat zur NRW-Landtagswahl Jochen Ott nannte die Tat „einen Angriff auf unser freies Leben und auf die Liebe.“ Auch der FDP-Vorsitzende Henning Höne zeigte sich tief betroffen. Zugleich kritisierte er: „Der Staat versagt bei zentralen Sicherheitsaufgaben, wenn es immer wieder das gleiche Bild gibt: Der Verdächtige ist den Sicherheitsbehörden bekannt und wird dem islamistischen Milieu zugerechnet.“. Islamismus müsse gezielt bekämpft werden. 

AfD-Vize-Fraktionschef Sven Tritschler postete auf X, er möge den CSD zwar nicht, aber in Deutschland müsse jeder „für alles auf die Straße gehen“ dürfen. „Das Gift des Islamismus“ stelle diese Grundüberzeugung infrage, monierte Tritschler, der auch Bundesparteivize ist.

Köln zeigt sich solidarisch.(Archivbild) Thomas Banneyer/dpa

Köln zeigt sich solidarisch.(Archivbild) Thomas Banneyer/dpa

© Thomas Banneyer/dpa

Größte NRW-Stadt zeigt sich solidarisch 

Die Millionenstadt Köln betonte ihre Solidarität: Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sprach von einem Angriff gegen die Werte, für die der CSD stehe - Freiheit, Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander. „Köln steht fest an der Seite der queeren Community“, betonte der SPD-Politiker. „Als Stadt der Vielfalt werden wir auch künftig alles dafür tun, dass Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität frei, sicher und ohne Angst leben und feiern können.“ 

Die Queere Kirche in Köln und Region lud für Sonntagabend zu einem Gottesdienst in die evangelische St. Johannes-Kirche ein. Man wolle Raum geben für Trauer, Klage, Gebet und Solidarität, kündigten die Veranstalter an, die zum evangelischen Kirchenkreis-Mitte gehören.