Panorama

ADAC & Co.: Welche Autoclubs es gibt und was sie bieten

Eine drohende Beitragserhöhung bei Deutschlands größtem Automobilclub sorgt für Schlagzeilen. Zeit für einen Überblick: Was leisten die Clubs von ADAC über ACV bis KS eigentlich alles?

25.03.2026

Automobilclub ist nicht gleich Automobilclub. Pannenhilfe können alle – beim Abschleppen, Ersatzwagen oder Hotelkosten gibt es unterschiedliche Tarife.picture alliance/dpa

Automobilclub ist nicht gleich Automobilclub. Pannenhilfe können alle – beim Abschleppen, Ersatzwagen oder Hotelkosten gibt es unterschiedliche Tarife.picture alliance/dpa

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Die Meldung sorgt für Wirbel: Millionen ADAC-Mitgliedern steht womöglich eine deutliche Beitragserhöhung bevor. Je nach Tarif könnten die Preise zwischen knapp 20 und gut 25 Prozent steigen, wie der „Business Insider“ unter Berufung auf interne Dokumente berichtete. 

Ob und wie sehr die Beiträge steigen, das wird auf der Hauptversammlung des ADAC im Mai entschieden. Gültig würde eine mögliche Erhöhung dann wohl erst 2027 - dennoch ist es guter Anlass, einmal den Markt der Verkehrsclubs zu beleuchten. Was kosten sie und was gibt es für die Mitgliedschaft?

Was sich Autofahrer immer erhoffen, ist professionelle Hilfe bei Pannen. Neben der Pannenhilfe bieten viele Verkehrsclubs aber auch Abschleppdienst, Ersatzfahrzeuge oder Hotelkostenübernahme. Fahrräder oder Mietwagen sind durch eine Mitgliedschaft ebenfalls oft abgesichert, zudem profitieren Mitglieder mitunter von juristischer Erstberatung bei Verkehrsthemen, von Reiseleistungen, Versicherungsangeboten und Tank- oder Mietwagenrabatten. 

Im Detail unterscheiden sich die Angebote also erheblich. Wir haben die fünf mitgliederstärksten Automobilclubs in Deutschland unter die Lupe genommen: den Platzhirsch ADAC und die Mitbewerber AvD, ACE, KS und ACV. 

ADAC (22,7 Mio. Mitglieder)

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) ist der mit Abstand größte Verkehrsclub Deutschlands – sein großes Plus ist die Infrastruktur. Mit seinem Netz an Straßenwachtfahrern kommt er nach eigenen Angaben auf rund 3,6 Millionen Einsätze jährlich. 

In der Regel sei ein Helfer innerhalb von 60 Minuten vor Ort, so der ADAC. Man könne beinahe jede Panne an jedem Fahrzeug der Mitglieder an Ort und Stelle beheben – inklusive Fahrrad und E-Bike, sagt Sprecher Jürgen Grieving.

Den Service lässt sich der ADAC natürlich bezahlen. Es gibt drei Tarife*:

  • Basis ab 54 Euro/Jahr
  • Plus ab 94 Euro/Jahr
  • Premium ab 139 Euro/Jahr

Kommt die berichtete Erhöhung, würden die möglichen neuen Preise von 64 bis 174 Euro für eine Person reichen. Der ADAC kommentierte die Zahlen nicht. Der Club wies aber auf die „außergewöhnliche Kostenentwicklung der letzten Jahre“ hin, von der auch er betroffen sei. 

Je nach Tarif staffelt sich der Schutz von deutschland- bis weltweit, inklusive Abschleppen zur Wunschwerkstatt (innerhalb von 100 Kilometer) und Auslandskrankenschutz im Tarif Premium.

Die personenbezogene Mitgliedschaft gilt auch für Mietwagen und fremde Fahrzeuge. Leere E-Autos schleppt der ADAC bis zur nächsten Ladesäule.

Zu den Stärken des ADAC zählen seine internationale Ausrichtung, vielseitige Beratungsleistungen und die hohe Erfolgsquote bei der Kernleistung aller Verkehrsclubs: der Pannenhilfe. 

Dafür müssen Kunden aber auch schon jetzt vergleichsweise hohe Beiträge bezahlen. Viele Komfortleistungen gibt es erst in den oberen Tarifen.

AvD (1,5 Mio. Mitglieder und Kunden)

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) positioniert sich als serviceorientierte Alternative mit klarer Interessenvertretung für Autofahrer. Es gibt eine 24/7-Notrufzentrale in Frankfurt am Main. Ein Helfer ist nach Clubangaben im Schnitt in 30 bis 45 Minuten vor Ort.

„Im Vergleich zu anderen Automobilclubs hebt sich der AvD durch seine deutlich höhere Servicequalität ab“, sagt Sprecherin Lisa-Maria Riedel und verweist auf Online-Bewertungen. Die genaue Anzahl der Mitglieder will der AvD nicht veröffentlichen, die Zahl von 1,5 Millionen umfasst sowohl Clubmitgliedschaften als auch Geschäftskunden. 

Drei Tarife mit Preisen* zwischen 49 und 129 Euro staffeln den Schutz: 

  • Help (Deutschland) für 49 Euro
  • Help Plus (weltweit) für 46 bis 92 Euro
  • Help Plus Familie (weltweit) für 64 bis 129 Euro

Letzterer bietet unter anderem auch das Abschleppen zur Wunschwerkstatt bis 50 Kilometer Umkreis und einen erweiterten Fahrradschutz.

Die Mitgliedschaft ist personenbezogen und gilt auch für Mietwagen oder fremde Fahrzeuge. Bei E-Autos wird ein leerer Akku als Panne gewertet und das Auto zur Ladesäule geschleppt.

Zu den Stärken des AvD zählen die kurzen Wartezeiten, ein umfassender Fahrradschutz und konkrete Vorteile wie 2 Cent Tankrabatt. Wer viel im Ausland unterwegs ist, erhält Top-Leistungen nur in höheren Tarifen. 

ACE (mehr als 600.000 Mitglieder)

Der Auto Club Europa (ACE) versteht sich zugleich als zuverlässiger Pannenhelfer und solidarischer Mobilitätsbegleiter. Beim ACE stehe der Mensch mit seiner alltäglichen Mobilität im Mittelpunkt, nicht das Auto allein, sagt Sprecherin Elena Marcus-Engelhardt. 

Diese Tarife gibt es*: 

  • Classic (82 Euro)
  • Comfort (105 Euro)
  • Comfort+ (140 Euro) 

Dafür gibt es etwa europaweite Pannenhilfe und der Schutz für den gesamten Haushalt inklusive – vom Pkw bis zum Fahrrad. Im ersten Jahr zahlen Neumitglieder einen ermäßigten Preis.

Je nach Tarif reichen die Leistungen vom Abschleppen zur Fach- oder Wunschwerkstatt (bis 50 Kilometer), Mietwagen und Übernachtung bis zu erweiterten Notfall- und Rechtsleistungen. E-Autos werden bei leerem Akku zur nächsten Ladesäule gebracht. 

Positiv hervorzuheben sind das Fahrrad-Abschleppen ab Haustür (ab Comfort) und eine klare Familienorientierung. 

Einschränkung: Klassische Kurzzeit-Mietwagen und Carsharing sind vom Schutz ausgeschlossen.

KS (rund 600.000 Mitglieder)

Der Kraftfahrer-Schutz e.V. (KS) ist ein traditionsreicher Beihilfe-Club mit klarer Ausrichtung auf Verkehrssicherheit. Wer beim Automobilclub KS Mitglied werde, entscheide sich für „starken, europaweit geltenden Schutz, persönliche Nähe und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis“, so Präsident Ole Eilers.

Tatsächlich liegt der Jahresbeitrag* bei 27 Euro (Familie 33 Euro) und damit deutlich unter den günstigsten Tarifen der Mitbewerber. Man muss aber genau prüfen, ob das Leistungspaket den eigenen Bedürfnissen entspricht.

Im Basismodell erstattet der Club etwa bis 200 Euro für Pannen- oder Abschlepphilfe und bis 1.050 Euro bei Wildschäden. Erst mit einem zusätzlichen Schutzbrief (ab 49 Euro) entsteht ein vollwertiger Mobilitätsschutz mit Leistungen wie Wunschwerkstatt, Mietwagen oder weltweitem Krankenrücktransport.

Stärken des Automobilclub KS sind der günstige Grundbeitrag und die hohe Wildschadenbeihilfe. 

Aber: Die reine Clubmitgliedschaft ist kein klassisches Voll-Schutzbriefpaket, sondern ein Zuschussmodell mit festen Höchstbeträgen.

ACV (mehr als 520.000 Mitglieder)

Der Automobil-Club Verkehr (ACV) komplettiert die Top 5 der mitgliederstärksten Automobilclubs. „Der ACV ist der Automobilclub für alle, die im Alltag mobil bleiben wollen und dabei von einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis profitieren möchten“, sagt Sprecher Philipp Mathey. 

Diese Tarife gibt es:

  • Im Tarif Komfort (75 Euro*) gilt europaweiter Schutz für die ganze Familie
  • Der Premium-Tarif (121 Euro*) erweitert es auf weltweite Hilfe, Wunschwerkstatt (50 Kilometer) und Mietwagen ab Haustür. 

Die personenbezogene Mitgliedschaft schließt Mietwagen und Carsharing aus. E-Autos mit leerem Akku werden zur nächsten Ladestation geschleppt. Zusätzlich gibt es eine ACV-Ladekarte.

Pluspunkte beim ACV sind der integrierte Fahrrad- und Reiseschutz sowie die Hilfe bei Kaskoschäden. Minus: Einige Leistungen gibt es nur im Premium-Tarif.

Für wen lohnt sich ein Automobilclub?

Vor allem für Menschen, die regelmäßig und auch längere Strecken fahren. Wenn man viel unterwegs sei und das Auto zu mehr nutze, als damit nur zur nahegelegenen Arbeitsstelle zu kommen, könne sich eine Clubmitgliedschaft durchaus bezahlt machen, sagt Henriette Neubert vom Ratgeber-Portal „Finanztip“. 

Auch für Halter älterer Fahrzeuge, bei denen das Pannenrisiko statistisch steigt, kann sich die Mitgliedschaft lohnen. Diese Mobilitätsgruppe könne auch von den Zusatzleistungen der Verkehrsclubs profitieren, die ein Schutzbrief der Versicherung nicht bietet. 

Pannenhilfe auf anderem Weg

Stichwort Schutzbrief: Wer vor allem auf Pannenhilfe Wert legt, sich aber nicht an einen Automobilclub binden möchte, hat in der Regel die Möglichkeit, seine Kfz-Versicherung damit zu erweitern. „Bei Jahresbeiträgen ab rund 20 Euro ist das sogar die günstigere Alternative im Vergleich zu einer Mitgliedschaft in einem Automobilclub“, sagt Henriette Neubert. Ein Schutzbrief mit Pannenhilfe kann auch einzeln abgeschlossen werden, losgelöst von der Autoversicherung. 

Eine weitere Möglichkeit ist die Pannenhilfe direkt vom Autohersteller, die es jedoch meist nur bei Neuwagen und nur für eine begrenzte Zeit gibt. „Sie kostet in der Regel nichts extra, ist aber oft an Vorgaben wie eine regelmäßige Durchsicht in einer Vertragswerkstatt gebunden“, so Neubert. 

*Die Preise beziehen sich auf die regulären Tarife. Im Rahmen von Aktionen und Ermäßigungen können die Mitgliedschaften auch günstiger sein.