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4 Impulse für mehr Leichtigkeit im Alter

Trauer, Krankheit, vielleicht Einsamkeit: Kann es Momente der Leichtigkeit geben, obwohl der sprichwörtliche Rucksack schwer ist? Ja! Ein Experte rät: Gucken Sie in die Luft - und in Ihre Kindheit.

17.04.2026

Im Hier und Jetzt herumblödeln - das Leben ist schließlich ernst genug. Gut möglich, dass sich dann Leichtigkeit einstellt. picture alliance / Westend61

Im Hier und Jetzt herumblödeln - das Leben ist schließlich ernst genug. Gut möglich, dass sich dann Leichtigkeit einstellt. picture alliance / Westend61

© picture alliance / Westend61

Wir alle haben unser Päckchen zu tragen - und gerade im Alter kann das auch mal etwas schwerer ausfallen. Etwa, wenn gute Freunde oder auch der Partner verstorben sind. Oder man selbst wortwörtlich schmerzlich feststellt, dass einem der eigene Körper Grenzen setzt. 

Bleibt da noch Raum für Leichtigkeit, Heiterkeit, Unbekümmertheit? „Ja“, sagt Pädagoge und Buchautor Bertram Kasper („Die größte Reise deines Lebens: Mit Gelassenheit älter werden“). Aus welchen Zutaten Leichtigkeit besteht - und wie man sie in seinen Alltag einladen kann.

Die wichtigste Zutat für Leichtigkeit: Akzeptanz 

Leichtigkeit ins Leben einziehen zu lassen: Das fällt manchen Menschen leichter, manchen schwerer. „Das hat viel mit dem Blick auf sich selbst zu tun“, sagt Bertram Kasper. „Und auch damit, wie man auf Entwicklungen schaut, die das Alter mit sich bringt und die natürlich schwierig sein können.“

Sein Ansatz: Altern als „ständige Akzeptanzübung“ betrachten. Erkennen wir unsere Realität an und schmieden wir einen Plan, wie wir das Beste aus ihr machen können, passiert nämlich etwas Entscheidendes. Wir bleiben nicht im inneren Widerstand, sondern lassen los. „Eine Voraussetzung für Leichtigkeit“, so Kasper, der sich selbst als Altersstratege bezeichnet.

Ein versöhnlicher Blick auf die Vergangenheit

Manchmal raubt uns auch der Blick in die Vergangenheit die Chance auf Leichtigkeit, etwa, wenn das Gehirn endlose „Was wäre gewesen, wenn?“-Schleifen dreht. Hier kann das Konzept der „Ich-Integrität“ des deutsch-amerikanischen Entwicklungspsychologen Erik Erikson (1902-1994) hilfreich sein.

Die „Ich-Integrität“ beschreibt dabei einen Zustand, in dem man wohlwollend auf sein Leben zurückschaut und zugleich anerkennt, dass Dinge nicht immer gut gelaufen sind. Kasper nennt ein Beispiel: „Man kann anerkennen, dass man nicht immer ein guter Vater war, weil man zu viel gearbeitet hat. Aber man macht sich klar: Ich habe mein Bestes gegeben.“

Akzeptieren, loslassen, nett zu sich selbst sein: All das hilft dabei, Leichtigkeit ins Leben einzuladen. Doch nicht jeder kann Muster, die sich über Jahrzehnte gefestigt haben, so einfach überwinden. Besteht ein Leidensdruck, ist psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll.

4 Impulse für mehr Leichtigkeit im Alter 

Leicht fühlen wir uns in Augenblicken, in denen wir präsent sind, unser Kopf also nicht in Vergangenheit oder Zukunft hängt. Vier Ideen, die uns mehr in den Moment holen:

  • Rituale bewusst erleben

Der Kaffee am Morgen auf dem Balkon, der kleine Spaziergang am Nachmittag: Wiederkehrende Rituale schulen uns, auf uns und unsere Umgebung zu achten - und Veränderungen wahrzunehmen. Welche Vögel sitzen da heute im Baum? Wie schmeckt mir der Kaffee heute? Dadurch entsteht eine Präsenz im Moment.

  • Nichtstun üben

In vielen von uns steckt der Glaubenssatz: Ich darf bloß nicht faul sein! Doch: „Nur wenn wir aufhören, ständig etwas erreichen zu wollen, kann Leichtigkeit überhaupt erst entstehen. Es geht nicht um ein Ziel oder Output“, sagt Kasper.

Die extreme Variante davon hat er sich für seinen eigenen Ruhestand vorgenommen: „Ich wollte lernen, einfach mal eine Weile in die Luft zu gucken.“ Es geht also um ein zweckloses Dasein - für das es übrigens in den Niederlanden einen eigenen Begriff gibt: „niksen“.

  • Nach dem Flow-Gefühl suchen 

Ob tanzen, stricken, schrauben, malen: Vergessen wir bei einer Tätigkeit alles um uns herum und erst recht die Zeit, sind wir in einem Flow-Zustand. Auch der ist eng mit Leichtigkeit verbunden. „Ich konzentriere mich dann nämlich voll auf eine einzige Sache“, so Kasper.

Was für eine Sache das genau sein kann? Das lässt sich mit einem Blick in die eigene Kindheit herausfinden. Worin ist man damals stundenlang versunken? Diese Aktivität kann man sich nun - auch nach einer jahrzehntelangen Pause - wieder vornehmen.

  • Mit der Körperhaltung arbeiten

„Wenn sich Menschen so richtig leicht fühlen - egal in welchem Alter - fangen sie wieder an, zu hüpfen“, beobachtet Bertram Kasper. Grazil wie ein Reh über eine Wiese zu springen, ist mit Arthrose und Co. womöglich nicht mehr drin: Aber schwingende, tänzelnde Bewegungen und zu einem Lächeln hochgezogene Mundwinkel sind vielleicht möglich.

Bertram Kasper gibt daher den Impuls, mit dem eigenen Körper zu arbeiten - und ihn bewusst zu bewegen und aufzurichten. „Tanzen und Co. können Erinnerungen aktivieren an Momente voller Leichtigkeit in unserem Leben.“