BZ-Podiumsdiskussion: Bürgermeisterkandidaten loben Corona-Hilfspaket
Die drei Bürgermeisterkandidaten, Amtsinhaber Manuel Deitert (CDU), Christoph Sprenger (SPD) und Bruno Hartling (Grüne), haben bei der BZ-Podiumsdiskussion im Gasthof Alter Garten am Freitagabend über die Themen Finanzen, Coronavirus, Gewerbeflächen und die Einwohnerzahl gesprochen. Hier gibt es eine knappe Zusammenfassung der einzelnen Blöcke.
Auf dem BZ-Podium im Gasthof Alter Garten (v. l.): Redakteur Edgar Rabe, Bruno Hartling (Grüne), Christoph Sprenger (SPD), Bürgermeister Manuel Deitert (CDU) und Redakteur Tim Schulze.
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KLEIN REKEN . Zum Corona-Hilfspaket der Kommune sagte Hartling, der Beschluss habe einen Lichtblick dargestellt, als in der Krise noch keine Erholung in Sicht gewesen sei. Man habe in der Gemeinde ein Aufatmen gespürt. Sein Fazit: Es sei eine „Super-Entscheidung“ gewesen.
Christoph Sprenger sah es ebenso. „Das war der richtige Schritt.“ Den Bürgern die Gutscheine zukommen zu lassen, sei ein wichtiges Zeichen gewesen, das Geld in Reken auszugeben.
Manuel Deitert erinnerte daran, dass die Gemeinde damit schon „sehr früh auf die Reise“ gegangen sei. Nur: „Das muss man sich auch leisten können“, räumte er mit Blick auf das knapp 700.000 Euro schwere Paket ein. Aber die Rücklage sei gut gefüllt. Angesichts der positiven Resonanz könne man überlegen, in der Zukunft ähnliche Zeichen zu setzen.
Wie wichtig ist die Schuldenfreiheit?
Zur Schuldenfreiheit sagte der Amtsinhaber: Diese sei kein betriebswirtschaftliches, sondern ein strategisches Ziel. „Die Rekener sind stolz darauf.“ Es sei der Anspruch der Kommune: „Wir nehmen keine Schulden auf.“ In der Gemeinde gebe es Betriebe, die bislang gut durch die Krise gekommen seien. Es sei sein Ziel, „die Steuern konstant zu halten“.
Bruno Hartling verwies auf eine Abwägung mit der Lebensqualität im Ort. Dann sei nicht allein die Verschuldung entscheidend. In Reken werde sparsam gewirtschaftet. „Es gibt hier keine blinkende Blechblume auf dem Kreisverkehr.“ Die Schuldenfreiheit sei für ihn aber keine strikte Grenze.
Christoph Sprenger betonte: „Uns geht es in Reken gut.“ Es gebe eine gute Ausgangslage, zumal vernünftig gewirtschaftet werde. Das Festhalten an der „schwarzen Null“ sei angesichts der Coronavirus-Pandemie aber gewagt. Denn: „Niemand kann sagen, wie schwer Corona uns noch treffen wird.“
Deitert sagte: Einen weiteren Lockdown werde es nicht geben. Und: Es gebe kaum einen Ort auf der Welt, an dem man „so gut durch die Krise gekommen ist, wie bei uns in Deutschland“.
Verkehr ist ein Problem
Braucht Groß Reken mehr Geschäfte? „Wir haben einiges geschafft“, sagte Manuel Deitert. Es sei wichtig, Einzelhandelsstrukturen zu schaffen, um die Menschen im Ort zu halten. Das sei „wunderbar gelungen“. Nur: Das bedeute mehr Verkehr. Ein Gutachten habe gezeigt, dass eine Einbahnstraßen-Regelung nicht positiv für die Hauptstraße wäre. Es sei „sehr anspruchsvoll“, eine Lösung zu finden.
Christoph Sprenger regte an, in den Nebenstraßen über Einbahnstraßen-Regelungen nachzudenken. Auf der Hauptstraße würde eine solche Lösung bei den Bussen zu Problemen führen. Über einen autofreien Ortskern sagte er, dieser könne nur ein Thema sein, wenn es Alternativen zum Auto gebe. „Die Anwohner müssen zu ihren Häusern kommen.“
Bruno Hartling schlug vor, für die Hauptstraße ein Verkehrsgutachten anfertigen zu lassen. Man müsse die bestehenden Händler bei den Planungen mit ins Boot holen. „Dann kann das eine runde Sachen werden.“ Über die Idee eines autofreien Ortskerns sagte Hartling: „So etwas muss auch lebenspraktisch sein.“
Pro Nachverdichtung bei Gewerbegebieten
Bei der Entwicklung des Bahnhof Rekener Gewerbegebiets sei Nachverdichtung ein wichtiges Instrument, bevor neue Flächen ausgewiesen werden, sagte Manuel Deitert. Das werde von der Bezirksregierung auch erwartet. Bei der Vergabe von Gewerbeflächen sei das Verhältnis zur Anzahl der Arbeitsplätze zu beachten, betonte er. Diese seien ein wichtiger Faktor.
Christoph Sprenger sagte, Arbeitsplätze zu schaffen, sei generell wichtig. Es dürfe aber nicht alles über diesen Aspekt entschieden werden. Er warb für Absprachen der Unternehmen untereinander und brachte die Idee einer „offenen Werkstatt“ ins Gespräch, in der durch Zusammenarbeit mehrerer Betriebe Synergie-Effekte erzielt werden könnten.
Bruno Hartling plädierte für ein GewerbeflächenKataster. „Das wäre hilfreich.“ Bei Ansiedlungen sei auch zu berücksichtigen, „wie nachhaltig ist das Projekt“. Wie Deitert und Sprenger betonte Hartling die Bedeutung der Nachverdichtung. Man müsse mehr Druck erzeugen, sodass ungenutzte Gewerbeflächen bebaut werden könnten.
Jugendliche mehr beteiligen
Christoph Sprenger und Bruno Hartling stehen auf Nachfrage aus dem Publikum der Idee eines Jugendparlaments in Reken positiv gegenüber. Sprenger: Nicht die Bezeichnung, der Inhalt sei entscheidend. Hartling: Politikverdrossenheit sei ein großes Problem.
Manuel Deitert sagte, er bekomme viele Fragen von jungen Leuten, teilweise sogar aus dem Schulunterricht. „Kinder dürfen keine Angst haben, ins Rathaus zu kommen.“ Er regte Treffen des Schulausschusses mit den Schülersprechern an. Er sei aber kein Freund eines starren Jugendparlaments.
Stelle eines Hundekot-Beauftragten ist umstritten
Bei der Hundekot-Problematik gingen die Meinungen auseinander. Straßenverkehr und Hunde seien zwei große Themen, sagte Manuel Deitert. Wie berichtet, überlegt er, eine zusätzliche Stelle am gemeindlichen Bauhof zu schaffen, um dem Kot-Problem zu begegnen. Reken sei eine Flächengemeinde und das Problem so groß, dass dies sinnvoll sei. Er schloss nicht aus, die Hundesteuer dafür geringfügig anzuheben.
Christoph Sprenger sagte, es sei gut, mehr Mülleimer aufzustellen, wo es sinnvoll ist. Tütenspender zu etablieren sei eine gute Idee. Diese sollten „schnell und regelmäßig“ nachgefüllt werden. Sein Appell: Hundehalter sollten selbst Verantwortung übernehmen. Die Steuererhöhung sei eine Möglichkeit. Ob eine neue Stelle nötig sei, „wage ich zu bezweifeln“.
Auch Bruno Hartling appellierte an die Verantwortung der Hundehalter. Letztlich seien Strafen nötig, wenn Hundekot die Straßen verschmutze und die Halter dies ignorierten. Die zusätzliche Stelle lehnte er ab. „Wir brauchen keinen Integrationsbeauftragten für Hundescheiße. Da bin ich dagegen.“
Hier können Sie die ganze Podiumsdiskussion noch einmal verfolgen.

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