Prozess gegen Brüder aus Werth: Tat wurde auch gefilmt
Mehrere Zeugen sind am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen die Brüder aus Werth (26 und 30 Jahre alt) angehört worden. Sie sollen Ende September vergangenen Jahres in ihrer Wohnung einen Mann gefesselt, gefoltert, vergewaltigt und mit dem Tode bedroht haben. Auch Videoaufnahmen der Tat wurden bei der Verhandlung gezeigt.
Im Prozess wurden nun mehrere Zeugen verhört.
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ISSELBURG. Neben der Befragung von Zeugen wurde der gesamte Telefonverkehr zwischen den Angeklagten, ihrem Opfer und anderen Personen verlesen. Dabei ging es um Einzelverbindungen, Chatverkehre und Standortermittlungen. Wer hat von wo mit wem telefoniert, per Whats-App geschrieben und Filme und Fotos über Whats-App, Instagram und TikTok verschickt und empfangen. Der gesamte Bericht umfasste 84 Seiten. Zur Verlesung kam auch der Spurensicherungsbericht. Eingespielt wurde zudem ein kurzer Videofilm, der das gefesselte Opfer und eine Hand mit einer Pistole zeigt. In einer kurzen Frequenz wird dem Opfer der Pistolenlauf in den Mund gesteckt. Hierbei fragt jemand dieses, ob er abdrücken soll.
Opfer leidet unter Angst und Schlafstörungen
Zu den Zeugen gehörte der Vater des Opfers. Er berichtete, dass er selbst von den Vorfällen nicht durch seinen Sohn, sondern von seiner Frau erfahren habe. Ihr gegenüber habe er von den Vorfällen berichtet. „Mit mir spricht mein Sohn nicht gern über die Geschehnisse.“ Er beschreibt ihn als sehr nervös, ängstlich und unter Schlafstörungen leidend.
Wie schon in den ersten beiden Verhandlungstagen deutlich wurde, dreht sich vieles um die Frau aus Alpen, die mit den Brüdern bekannt war und zeitweise mehrere Tage in Werth wohnte. In ihrer Befragung erklärte sie, den älteren Bruder seit ihrer Kindheit zu kennen und beurteilte ihn „eigentlich als immer lieb und umgänglich“. Den jüngeren habe sie erst in der Wohnung kennengelernt.
Die Bewährungshelferin des älteren Bruders berichtete, dass er eine kurze Haftstrafe wegen anhaltender Schwarzfahrerei abgesessen habe. Zudem spiele der Drogenkonsum eine Rolle bei ihm. Er habe einen Schuldenberg im mittleren fünfstelligen Bereich. Sie beschrieb den Angeklagten als sprunghaft. Ähnlich argumentierten auch weitere Zeugen, wie eine Krankenschwester und ein Berufsbegleiter. Daraus ging hervor, dass der fast tägliche Drogenkonsum in unterschiedlicher Form von Cannabis und gelegentlich wohl auch stärkeren Drogen sicherlich zu der Unzuverlässigkeit geführt habe.
In Bäckerei zusammengebrochen
Auch eine Mitarbeiterin der Bäckerei, die in der Nähe zur Wohnung liegt, wurde befragt. Sie schilderte, dass zwei Männer am 20. Oktober 2023 gegen 14.30 Uhr die Bäckerei betraten, um dort einzukaufen. Einer der Männer sei etwa zwei Stunden später erneut gekommen und habe erzählt, dass er vergewaltigt worden sei. Anschließend sei er vor der Theke zusammengebrochen. Eine weitere Angestellte habe dann sofort die Polizei gerufen.
Als Zeuge geladen war auch ein Mann aus Goch, der mit beiden Brüdern in Kontakt stand. Gegen den Mann wird allerdings wohl auch ermittelt, da er von dem Festhalten und den Gewalteinwirkungen auf das Opfer durch die beiden Brüder gewusst haben soll. Der nächste Verhandlungstag ist auf den 16. Mai festgelegt.

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