Raesfeld

Tatra-Löschfahrzeuge nur aus Raesfeld

Beim Militär haben sich Lastwagen der Firma Tatra bewährt. Auch Feuerwehren in Ostdeutschland setzen zur Waldbrand-Bekämpfung auf diese Autos, auf die sich die Raesfelder Firma Friedrich spezialisiert hat.

07.05.2021

Mit den Düsen an der Vorderseite des Lkw kann Löschwasser auf den Boden gesprüht werden.

Mit den Düsen an der Vorderseite des Lkw kann Löschwasser auf den Boden gesprüht werden.

© Rentel

Familie Friedrich deutschlandweit einziger Vertragshändler

RAESFELD. Ein Löschfahrzeug der tschechischen Marke Tatra, das in Brandenburg oder in Mecklenburg-Vorpommern ausrückt, um einen Waldbrand zu bekämpfen, ist vorher mit Sicherheit durch die Hände von Gerhard Friedrich und seinen Söhnen Maik und Lars gegangen. Ihre gleichnamige Metallbaufirma im südlichen Raesfelder Gewerbegebiet ist deutschlandweit der einzige Vertragshändler und Importeur dieser Allrad-Fahrzeuge. Seit dem Jahr 2001 ist das Unternehmen dort tätig und hat sich in jüngster Zeit zunehmend auf den Feuerwehr-Bereich spezialisiert.

Fahrgestelle und Aufbauten

Zwar kommen die Fahrgestelle und der Spezialaufbau für Wassertank und Gerät aus Tschechien, aber die Raesfelder kümmern sich um die Absprachen mit den deutschen Kunden. Zudem gehört es zu ihren Aufgaben, die selbst produzierten Front- und Dachwerfer fürs Wasser sowie die feuerwehrtechnische Kreiselpumpe nach den deutschen Normen zu installieren. Hiesige Vorgaben mit den tschechischen Firmen zu realisieren, sei zunächst nicht einfach gewesen, sagt Lars Friedrich.

„Das ist eine Nische“, sagt er über die Feuerwehr-Tatra. Aber: „Immer mehr Feuerwehren setzen bei der Waldbrand-Bekämpfung auf Fahrzeuge aus Raesfeld“, freut sich die Familie. Neben Geschäftsführer Gerhard Friedrich und den Söhnen, die das Unternehmen auf absehbare Zeit übernehmen sollen, ist auch Mutter Annette im Geschäft tätig. Hinzu kommen zwei Festangestellte. „Personal zu finden, ist sehr schwierig“, sagt Gerhard Friedrich. Er hat 1971 bei Tatra und der Firma Semex in Dorsten angefangen. „1997 wurde der Betrieb geschlossen“, erinnert er sich.

Robuste Technik

„Rund 60 Prozent der Fahrzeuge sind beim Militär im Einsatz“, erklärt sein Sohn Lars. Die dort gefragte robuste Technik und die hohe Geländegängigkeit machen die Tatra-Lkw für die Feuerwehren interessant. Um die Marke vorzustellen, haben die Raesfelder einen Dreiachser vor Ort. Bei einer Probefahrt hat Lars Friedrich gezeigt, dass diese Lkw auch in schwierigem Gelände vorankommen. Ein 420-PS-Diesel des amerikanischen Herstellers Cummings samt Automatikgetriebe sorgt für den nötigen Schub. Zur Ausstattung des Autos gehören neben dem Allradantrieb auch Einzelradaufhängung sowie ein höhenverstellbares Fahrwerk mit Reifendruck-Regelanlage. Heißt: Der Fahrer kann das Auto um bis zu neun Zentimeter absenken und bis zu zwölf Zentimeter anheben. Bis zu 1,20 Meter tief darf ein Gewässer sein, der Allradler kommt da durch.

Relativ geringe Höhe

Die relativ geringe Fahrzeughöhe von rund drei Metern soll dabei helfen, dass bei der Fahrt im Wald möglichst wenige Äste abgeknickt werden. 8000 Liter Wasser und 500 Liter Schaum kann dieser Tatra schleppen. Über Düsen am Boden wird das Chassis beim Löscheinsatz gekühlt. Weitere Düsen sitzen vorne am Lkw, um Löschwasser auf den brennenden Boden zu bringen.

16 Vertragspartner helfen den Raesfeldern bei Service und Ersatzteilen. „Wenn es brennt, dann fahren wir selber hin“, sagt Maik Friedrich im Feuerwehr-Jargon. Etliche Jahre habe es gedauert, deutsche Feuerwehren mit Tatra vertraut zu machen, sagt sein Bruder. Derzeit ist die Familie bestrebt, auch in Nordrhein-Westfalen damit Fuß zu fassen. „Je mehr Achsen, desto günstiger wird es“, sagt Lars Friedrich über den Preisvergleich mit deutschen Wettbewerbern. 46 Löschfahrzeuge haben die Raesfelder bis jetzt verkauft.

Im Heck des Lkw sitzt die Pumpe für das Löschwasser.

Im Heck des Lkw sitzt die Pumpe für das Löschwasser.

© Rentel

Maik, Gerhard und Lars Friedrich (v. l.) setzen auf tschechische Technik.

Maik, Gerhard und Lars Friedrich (v. l.) setzen auf tschechische Technik.

© Rentel