Raesfeld: Hof Süthold verzichtet auf Viehzucht
Peter Süthold und seine Ehefrau Dorothee haben vor einigen Jahren ihren traditionsreichen Familienhof samt Kuhstall und Zugpferden aufgegeben. Wie der Hof von Kühen und Pferden zu Marmelade und Likören kam, haben uns die Raesfelder erklärt.
Familie Süthold vor ihrer neuen Selbstbedienungs-Hütte am Rande des eigenen Hofs.
© Luca Bramhoff
Von Kühen und Pferden hin zu Marmelade und Likören
RAESFELD. Die landwirtschaftliche Arbeit im Viehzuchtbereich hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Deshalb und weil die Gewinnspannen für Landwirte in der Fleischindustrie immer geringer werden, gab Peter Süthold aus Raesfeld mit seiner Ehefrau Dorothee vor einigen Jahren seinen traditionsreichen Familienhof samt Kuhstall und Zugpferden auf und ging Wege, die aus seiner Sicht zukunftsorientierter sind.
Begonnen hatte der gelernte Landwirt mit der beruflichen Umorientierung bereits vor rund 20 Jahren, als er seinen Kuhstall zu einer Produktions- und Waschküche umbaute. „Nach langer Zeit als Verarbeiter in einem Schlachtbetrieb wollte ich mich von der eintönigen Arbeit abwenden“, so Süthold. Daraufhin wechselte er seine Profession und wurde Vertreter für Marmeladen. Sein Angebot weitete er daraufhin von Marmeladen auf Liköre aus und produziert bis heute eigenen Obstpunsch, Eierlikör und Marmeladen, die er über das Internet und im eigenen Hofladen vertreibt. Einen guten Geschäftssinn soll er bereits zu Schulzeiten gehabt haben. „Ich habe schon in der Berufsschule mein eigenes Gewerbe angemeldet und geschmierte Brötchen verkauft“, erzählt Süthold stolz.
Interesse für die mobile Gastronomie entdeckt
Ebenfalls in dieser Zeit entdeckte er sein Interesse für die mobile Gastronomie, aus welcher sich schnell die Idee entwickelte, zusätzlich einen Imbisswagen mit Reibekuchen zu betreiben. „Ein Bauer macht keine Pommes“, betont er. Nach einiger Zeit konnte Peter Süthold diesen Wagen nicht mehr vollkommen alleine betreiben. Weshalb er sich damals zwei Festangestellte mit ins Boot holte. Einer davon war ein Kosovare, dem Peter Süthold dabei half, in Deutschland Fuß zu fassen.
Angestellter „Sybby“ Wojton bei der Arbeit.
© Luca Bramhoff
Bis heute arbeiten die beiden laut eigener Aussage gerne für den Landwirt und Gastronom. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie war sein Imbissangebot vor allem in Ruhrgebietsstädten wie Gelsenkirchen und Recklinghausen beliebt. „Die Leute kaufen den Hof mit“, sagt Süthold, „In den Großstädten will der Kunde einfach das Landgefühl erleben.“ Selbst auf Street-Food-Festivals fuhr Süthold mit seinem Trecker unter dem Namen „Peters Foodtrecker“ und bot dort seine selbstgemachten Burger vom Land an.
Herben Rückschlag erlitten
Doch wie jeder Gastronom erlebte der Selbstständige im vergangenen Jahr einen herben Rückschlag durch die Coronavirus-Pandemie. Bauernmärkte, Festivals und Feste im privatem Kreis fanden nicht mehr statt ,und es gab keinen Bedarf mehr für den Imbisswagen. Entmutigen ließ sich Süthold davon jedoch nicht, sondern war sogar umso motivierter, eine Lösung zu finden. „Als Selbstständiger muss man immer flexibel sein und sich dem Markt anpassen“, erklärt er. So bietet er nun zum Beispiel Eier aus eigener Freilandhaltung an und investierte aus Überzeugung in diese. „Es lohnt sich absolut sein Kapital in die Freilandhaltung anzulegen, denn die Leute zahlen gerne mehr dafür“, erklärt der Landwirt. Die Eiscreme kommt jedoch nicht aus seiner Produktion, sondern von einem Konditormeister aus Werne, der sich auch aufgrund der Pandemie ein neues Geschäftskonzept ausdenken musste. „Das Eis kommt mit Abstand am besten an“, so Süthold. So habe er an manchen warmem Sommertag den Automaten schon Mittags wieder auffüllen müssen, weil er restlos leergekauft war. Jedoch betont der Landwirt, dass er nur durch die Selbstbedienungs-Hütte nicht überleben könne.
Aus diesem Grund freute er sich umso mehr, dass er auf dem Stadtfest in Borken und dem Herbstmarkt in Raesfeld endlich wieder Kunden in seinem Imbisswagen bedienen durfte. „Der Andrang war recht groß, und wir hoffen, dass es mit den Weihnachtsmärkten so weiter geht“, ergänzt Süthold.
© Luca Bramhoff