Raesfeld

Freiheit haben zu wählen

Judith Kolschen wollte den Erler Bürgerschützen betreten, doch so einfach ging das nicht. In ihrem Gastbeitrag in der BZ-Reihe „Frau sein“ schildert sie ihre Sicht auf das Geschehene.

12.03.2021

Judith Kolschen.

Judith Kolschen.

© Bosse

BZ-Gastbeitrag von Judith Kolschen

ERLE. Mitmachen bei den Schützen, Mitglied werden bei den Erler Bürgerschützen – das ist eigentlich kein großer Akt. Antrag unterschreiben, Mitgliedsbeitrag bezahlen – fertig ist die Chose. Es sei denn, man ist kein Mann, sondern eine Frau. Ich wollte mitmachen. Doch das Unterfangen war nicht von Erfolg gekrönt (die BZ berichtete). Die ganze Geschichte hat zum einen gezeigt, wie weit wir noch entfernt sind von Gleichberechtigung, und wie Macht weiterhin genutzt wird, um auszugrenzen. Zum anderen aber gab es Diskussionen, wertvollen Dialog und bei manchen auch Bereitschaft zu Veränderung, das lässt hoffen auf die Zukunft. So sehe ich das heute.

Etwas streitig machen

Was mich persönlich sehr bewegt, ist die Tatsache, dass wir uns gegenseitig oft etwas streitig machen wollen. Zum Beispiel, was Rollenverteilung angeht: Wieso lassen wir denn Menschen nicht die Freiheit, sich zu entscheiden, ob traditionelle Rollenverteilung oder modernes Teilen aller Aufgaben? Wichtig ist meines Erachtens, dass wir wirklich Freiheit haben zu wählen und dass wir aufhören, andere Lebensmodelle herabzuwürdigen.

Ich würde immer noch gern Mitglied im Schützenverein werden, um aktiv auch durch mein Wahlrecht den Verein mitzugestalten. Aber ich finde es auch völlig in Ordnung, wenn andere Frauen das nicht wollen. Ich hätte nur gern die Freiheit für alle, sich das auszusuchen.

Freiheit haben zu wählen

© Bosse