Raesfeld

Eva Stenkamp berichtet von ihrer Arbeit

Ein halbes Jahr ist Eva Stenkamp inzwischen auf Madagaskar und im zweiten Missionsbericht schildert sie ihre Erfahrungen. „Mittlerweile habe ich mich ganz gut eingelebt, vieles ist zum Alltag geworden“, stellt die Medizinerin fest.

11.04.2022

Eva Stenkamp (r.), die anderen Volontäre und die Offiziellen des Medizin-Zentrums haben den Präsidenten der Insel empfangen.

Eva Stenkamp (r.), die anderen Volontäre und die Offiziellen des Medizin-Zentrums haben den Präsidenten der Insel empfangen.

© pd

Ärztin hat sich auf Madagaskar eingelebt

RAESFELD/RHEDEBRÜGGE Sie kommt aus Rhedebrügge, hat aber zur Raesfelder Gemeinde St. Martin Kontakte, zumal der Stadtteil zur Pfarrei gehört. Fidesco, eine internationale, katholische Hilfsorganisation, ermöglicht ihren Einsatz dort.

Stenkamps Hauptarbeitsplatz ist das medizinische Zentrum „Le Bon Samaritain“, das der Präsident von Madagaskar, Andry Rajoelina, kürzlich besucht hat. Pater Thomas sei schon länger mit ihm in Kontakt, denn der Präsident unterstütze Projekte wie den geplanten Bau eines Krankenhauses unter Direktion des Paters. Zudem habe er ihre Einreise nach Madagaskar ermöglicht, als dies wegen der Covid-Pandemie noch schwierig war, so die Ärztin weiter.

Team ist gewachsen

Das Team am „Guten Samariter“ ist seit Januar deutlich gewachsen: Waren es bis Ende 2021 sechs Mitarbeiter, darunter zwei Schwestern und eine madagassische Ärztin, seien inzwischen drei Hebammen, zwei Krankenschwestern, eine Laborantin und eine weitere Ärztin hinzugekommen.

Auch bei der Arbeit gebe es Veränderungen, berichtet Eva Stenkamp. Zu Beginn habe die Betreuung der 50 Schwangeren, die in ein Projekt des Bistums aufgenommen wurden, die meiste Zeit in Anspruch genommen. Inzwischen haben die Frauen ihre Kinder geboren, zudem läuft das Projekt bald aus. Die Vorsorge bei Schwangeren sei nach wie vor ein häufiger Grund, das Medizin-Zentrum aufzusuchen, aber es kommen mehr Patienten wegen akuter Erkrankungen.

Im Dezember hatten viele einen grippalen Infekt. Covid-Tests habe es nicht gegeben, sodass sie nur vermuten könne, dass Covid19-Fälle dabei waren, so Stenkamp weiter. Und: „Es blieb auch nicht aus, dass wir selbst uns mal angesteckt haben.“

Sprache ist bei der Arbeit eine Barriere

„Für mich ist es weiterhin nicht ganz einfach, vollkommen selbstständig zu arbeiten“, berichtet die Ärztin. Zum großen Teil liege es an der Sprache: „Ich kann die Symptome einfach nicht so genau erfragen, wie ich es gerne möchte.“ Auch dem Übersetzer zu erklären, was genau sie vom Patienten wissen möchte, sei nicht immer einfach – zumal sie erst seit Oktober die französische Sprache lerne. Dazu komme, dass sie das breite Spektrum der Krankheiten nicht gewohnt sei. In Deutschland hat die Ärztin in der inneren Medizin gearbeitet. Auf Madagaskar bitten Schwangere, Frauen mit anderen gynäkologischen Problemen, Menschen mit Hauterkrankungen und Kinder um ärztliche Hilfe. Einiges Wissen habe sie wieder gelernt und aufgefrischt. Dennoch: „Die therapeutischen und diagnostischen Möglichkeiten sind hier ganz anders als in Deutschland.“ Die Patienten müssten Behandlung und Medizin selbst bezahlen, was bei dem niedrigen Lohnniveau schwierig sei.

Impfprojekt steht bevor

Im ersten Bericht hatte sie geschildert, dass ein Impfprojekt kurz bevorstehe. Pater Thomas spreche seit Monaten darüber, dennoch hat Stenkamp bisher nur in Toamasina gearbeitet. Doch so gut wie gedacht gelinge die Umsetzung mancher Pläne nicht. Kein Wunder: Der Pater habe mehr als 30 weitere Projekte geplant, ergänzt sie.

Dennoch geht es mit dem Covid19-Impfprojekt inzwischen vorwärts. Das verantwortliche Team war zu Schulungen im medizinischen Zentrum. Doch einfach in ein Dorf zu fahren und zu impfen, sei nicht möglich. Zu groß scheine das Misstrauen der Leute zu sein. Vertrauen müsse aufgebaut und die Menschen über die Erkrankung und Impfung aufgeklärt werden. Mittlerweile sind die ersten der neu eingestellten Pfleger und Hebammen losgefahren, um für Covid19 zu sensibilisieren. In Madagaskar sind nur 3,5 Prozent der Bevölkerung geimpft. Pater Thomas möchte darüber hinaus eine mobile Klinik organisieren. Doch auch hierbei sei der Aufbau von Vertrauen wichtig: Auf dem Land gebe es bislang fast keine Ärzte.

Ein Vorhaben, das inzwischen gut angelaufen ist, ist das Gefängnisprojekt. Stenkamp berichtet, dass die Behandlungen dort aber noch schwieriger sind als im medizinischen Zentrum.

Abgesehen von der Arbeit verbringt die Ärztin viel Zeit mit ihren Mitbewohnerinnen. Ihr Fazit: „Wir haben uns inzwischen ganz gut in unserem Haus Curé d’Ars eingelebt.“ www.fidesco-international.org

Eva Stenkamp berichtet von ihrer Arbeit

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Mit Übersetzerin Wendy (li.) ist Stenkamp auch in einem Gefängnis im ärztlichen Dienst.

Mit Übersetzerin Wendy (li.) ist Stenkamp auch in einem Gefängnis im ärztlichen Dienst.

© pd