Raesfeld

Einst kamen die Cola-Kästen aus Raesfeld

Zigtausende Fotografien hat der Raesfelder Ignaz Böckenhoff hinterlassen. Mitglieder des Heimatvereins digitalisieren sie und haben der Borkener Zeitung nun Bilder zum Raesfelder Handwerk zur Verfügung gestellt. In einer Bildergalerie finden Sie einige Eindrücke.

06.05.2022

Bei der Kistenfabrik Cluse wurden auch Coca-Cola-Kisten gebaut.

Bei der Kistenfabrik Cluse wurden auch Coca-Cola-Kisten gebaut.

© pd

Heimatverein veröffentlicht alle Handwerksbilder

RAESFELD. Hans Brune stellte passende Bilder zusammen. Ruth Beering fasste derweil die Geschichte des Handwerks im Ort zusammen.

Quellen von 1498/1499 ließen erkennen, dass damals hauptsächlich Bauern und Kötter in Raesfeld lebten, hat Beering festgestellt. Neben der Landwirtschaft sei auch der Anteil der Weber und Spinner immer hoch gewesen. 1749 sei etwa der Haushaltsvorstand in 19 Prozent der Raesfelder Familien von Beruf Weber gewesen.

Leinwandherstellung ging unter

Flachsanbau und Leinwandherstellung hatten in Westfalen eine lange Tradition. Schon gegen Ende des 9. Jahrhunderts war das Herstellen von Leinwand allgemein verbreitet. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts litt die Branche in Westfalen. Die Schutzzollpolitik vieler europäischer Staaten verschloss dem westfälischen Textilgewerbe die Märkte und die Konkurrenz profitierte durch billigere englische Garne und Baumwollstoffe. Das Handleinengewerbe starb.

Da die Leinwandherstellung neben der Landwirtschaft der Haupterwerbszweig der ländlichen Bevölkerung war, bedrohte ihr Rückgang auch die Existenz vieler Familien in Raesfeld. 1816 arbeiteten die Mitglieder an immerhin 148 Webstühlen im Nebenerwerb. In Erle wurde im gleichen Jahr 21 Webstühle für den Nebenerwerb gezählt. Nach der Einführung der Dampfmaschine in den Produktionsprozess erfolgte die vollständige Mechanisierung der Textilproduktion und ihre Konzentration in Fabriken.

Dampfmaschinen wurden eingeführt

Auch Raesfeld erlebte diese Entwicklung. 1864 baute Aloys Neuhaus seine mit Pferden betriebene Sägemühle in eine mit Dampf betriebene um. Nachdem die Sägemühle 1872 an den Borkener Cohausz verkauft wurde, verwandelte dieser sie in eine mechanische Leinwandfabrik mit englischen Webstühlen. Fünf Frauen und 20 Männer waren die ersten Arbeiter in der neuen Weberei. 1878 wurde sie vom Leinwandhändler Johann Becker gekauft.

Vom Glasmacher bis zum Schuster

1838 war der hauptsächliche Erwerbszweig in der Gemeinde der Ackerbau und die Leinenweberei. Wobei in Erle der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Familien höher war als in Raesfeld.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Eigenproduktion von bäuerlichem Arbeitsgerät durch handwerkliche Produktionsformen ergänzt. So kamen nach und nach Schmiede, Schneider und Schuster, Zimmerleute, Fassbinder, Holzschuhmacher, Schreiner und Flickschuster hinzu, berichtet Beering. 1749 arbeiteten in Raesfeld auch ein Glasmacher, ein Drechsler und ein Schindelhauer. Die Handwerker siedelten sich im Dorf an.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts legte Bernhard Tempelmann aus Borken in der Löchte eine Ziegelei an, die 1898 vom Raesfelder Philipp Jacob Gülker übernommen wurde. In Erle gab es im 19. Jahrhundert die Ziegelei Menting.

Für die BZ-Ausgabe am ersten Samstag im August wird der Heimatverein historische Bilder aus dem Raesfelder Vereinsleben von Böckenhoff zeigen.

Einst kamen die Cola-Kästen aus Raesfeld

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